Mo, 10. Dezember 2018

Todesliste aufgetaucht

05.12.2018 14:24

Falsche Darknet-Killer und ganz reale Ermordungen

Mord gegen Bitcoins: Auf Handelsplätzen im nur über Anonymisierungsdienste wie Tor zugänglichen Darknet bieten Kriminelle ihre Dienste als Auftragsmörder an. Aber wie leicht ist es wirklich, eine unliebsame Person von einem Darknet-Killer ausschalten zu lassen? Dieser Frage ist ein britischer Hacker auf den Grund gegangen, der im Laufe seiner Recherchen auf Abzocker, eine Todesliste, FBI-Ermittlungen und ganz reale Morde stieß.

In einer ausführlichen Reportage im IT-Magazin „Wired“ schildert Chris Monteiro, wie er im Zuge seiner Recherchen jahrelang im Darknet nach den sagenumwobenen Auftragsmördern gesucht hat, die Personen gegen Bitcoins verschwinden lassen. Tatsächlich habe er aber nur Betrüger gefunden, die solche Dienste versprechen, eine Vorauszahlung für ihre Leistung einstreifen und dann mit dem Geld untertauchen.

Darknet-Portal gehackt, Todesliste erbeutet
Dass das oft betrügerische Geschäft mit Morden im Darknet trotzdem mit realen Todesfällen in Verbindung steht, zeigte sich erst später. Monteiro gelang es, ein Portal zu hacken, auf dem die angeblichen Killer ihre Dienste anboten. Dort konnte er die Kommunikation zwischen Auftraggebern und Anbieter belauschen. Einige hartnäckige Auftraggeber hätten es dabei immer wieder versucht und Bitcoins im Wert Tausender Euro an die „Killer“ überwiesen - gemeinsam mit Namen der Zielpersonen und Botschaften wie „Ich will diese Hure tot sehen, also bitte helfen Sie mir!“.

Polizei nahm Darknet-Todesliste nicht ernst
Auch, wenn er nicht so recht glaubte, dass die Zielpersonen tatsächlich im Visier von Darknet-Killern standen, wandte sich Monteiro mit seiner Liste der Zielpersonen an die Polizei. Immerhin wollte offensichtlich irgendjemand den Tod dieser Menschen. Doch die Polizei war nicht überzeugt von der Echtheit der gehackten Daten.

Auf anderen Wegen vom Darknet-Markt zur US-Bundespolizei FBI durchgesickerte Informationen enthielten ebenfalls Namen - unter anderem jenen von Amy Allwine, die sich auch auf Monteiros Liste fand. Als das FBI an die Frau herantrat, um sie zu warnen und zu erfragen, wer es auf sie abgesehen haben könnte, fielen ihr aber keine potenziellen Feinde ein. Genauso wenig wie ihrem Ehemann.

Zielperson der Fake-Killer starb realen Tod
Das Problem: Ein halbes Jahr später war Amy Allwine tot. Unabhängig davon, ob die Killer im Darknet echt waren oder nicht: Jemand wollte ihren Tod und bekam seinen Willen. Ein Schock für Monteiro. Für ihn war klar: Hätte man seiner Liste mehr Beachtung geschenkt, vielleicht wäre die Frau noch am Leben. Wie sich später herausstellte, hatte der Ehemann zuvor Bitcoins an die mutmaßlich in Rumänien beheimateten Darknet-„Killer“ überwiesen. Als diese das Geld einsteckten und seiner Frau nichts passierte, nahm er den Mord selbst in die Hand. Er wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nicht Betrüger sind gefährlich, die Kunden sind es
Menschen wie Allwines Mann gibt es laut Monteiro auf der ganzen Welt. Und sie seien extrem gefährlich. „Die meisten Betrügereien im Internet sind nicht gefährlich, oder es sind keine gefährlichen Leute im Spiel. Wenn du vom ‚nigerianischen Prinzen‘ abgezockt wirst, bist du nicht gefährlich, sondern nur dumm. Diese Betrügerei war aber fundamental anders als alle Betrügereien, die ich zuvor gesehen hatte. Die Leute, die auf den Betrug hereinfallen, sind die gefährlichen Leute, nicht die Betrüger selbst. Die Kunden sind die Ganoven.“

Ein Kopfschuss am Rande eines Baseballplatzes
Ende Mai tauchte der Name des in Kentucky stationierten US-Soldaten Bryan Njoroge im Darknet auf. Ein Kunde der vermeintlichen Killer hatte 5500 US-Dollar in Bitcoins an den Darknet-Markt überwiesen, den Monteiro gehackt hatte. Der Auftraggeber hatte ein Foto aus Njoroges Schuljahrbuch hochgeladen und sein Gegenüber darüber informiert, dass die Zielperson - Njoroge sollte im Urlaub ermordet werden - nur von 1. bis 11. Juni 2018 am angegebenen Ort zu finden sei.

Am 9. Juni wurde der leblose Körper des Soldaten in der Nähe eines Baseballplatzes entdeckt. Todesursache: Kopfschuss. Die Polizei ging von einem Selbstmord aus.

 krone.at
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