22.03.2019 01:00 |

Style-Vorlage

Range Rover Evoque: Großer Luxus im kleinen Format

Als der Range Rover Evoque 2011 auf den Markt kam, war er ganz anders als alles andere, was von Land Rover am Markt war: Er sah aufsehenerregend stylisch und modern aus, revolutionierte damit das Design der Briten und sorgte für nie dagewesene Verkaufszahlen - ein großer Wurf, der die Marke aus der Krise führte. Der Nachfolger perfektioniert nun das Design, steigt locker eine Klasse auf - und ist erneut ein Vorreiter der Marke. Diesmal allerdings technisch.

Jaguar Land Rover hat für den neuen Evoque eine völlig neue Plattform (genannt Premium-Quer-Plattform) entwickelt, mit der nun auch elektrifizierte Fahrzeuge möglich sind, die der, sagen wir, Zeitgeist verlangt. So kommt der neue Lifestyle-Offroader von Anfang an, also ab sofort, fast ausschließlich mit 48-Volt-Mild-Hybrid-Motoren, Anfang 2020 folgt der Plug-in-Hybrid (mit Dreizylinder-Benziner) - der E-Voque sozusagen.

Diese Plattform bekommt im Herbst auch der Land Rover Discovery Sport zum Facelift spendiert, ebenso im Sommer 2020 der Jaguar E-Pace.

Klassenunterschied
Dass der Evoque ein völlig neues Auto ist (lediglich die Türscharniere wurden übernommen), merkt man auf jedem Meter, on- wie offroad. Der alte war einfach in die Jahre gekommen, ließ an Geschmeidigkeit zu wünschen übrig und wirkte zusehends überteuert.

Die Zeiten sind vorbei, es zieht neuer Luxus ein. Der Komforteindruck ist eher wie im (zumindest außen) deutlich größeren Range Rover Velar, dem auch das Interieur entlehnt wurde, das höchsten Ansprüchen genügt. Sehr aufgeräumt gestaltet, mit extrem angenehmen Oberflächen, da kann mancher Premium-Mitbewerber noch war lernen. Das Finish ist perfekt. Der verantwortliche Innenraumdesigner war vorher übrigens für Rolls-Royce tätig.

Vorbildlich: Es gibt auch tolle Stoffe aus Recycling-Materialien, Wolle oder Eukalyptus. Und optional das Bediensystem Touch Pro Duo mit seinen beiden Zehn-Zoll-Touchscreens sowie den echten, variablen Reglern plus Volume-Drehregler. Es ist nicht nur sehr stylisch, man kann sich auch daran gewöhnen. Sehr zu empfehlen sind das digitale 12,3-Zoll-Tachodisplay und das Head-up-Display.

Überraschend großzügig ist das Platzangebot im Evoque, schließlich hat er seine coupeartig flache Dachlinie beibehalten und bleibt mit 4,37 Meter Länge der Kürzeste seiner Art (top zum Einparken!). Die Kopffreiheit ist mehr als ausreichend. Und dank 21 Millimeter mehr Radstand wächst der Knieraum hinten um zwei Zentimeter, die Fußspitzen passen locker unter den Vordersitz -so können vier 1,90-Meter-Hünen auf große Reise gehen, sogar mit Gepäck: Irgendwie gelang es den Briten auch, einen 591 Liter (umgeklappt 1383 Liter) großen Kofferraum zu schaffen. Und für die kleinen Dinge wie Handy (kein induktives Laden), Schlüssel & Co gibt es 85 Prozent mehr Ablage-Möglichkeit.

Lediglich der Beifahrer-Fußraum wurde etwas stiefmütterlich behandelt: Er ist zerklüftet und so asymmetrisch gestaltet, dass man immer leicht schräg sitzt - das ist unangenehm.

Künstliche Intelligenz soll Komfort schaffen
Der neue Range Rover Evoque beherrscht „Smart Settings“, d.h. Algorithmen künstlicher Intelligenz sollen die Vorlieben des Fahrers kennenlernen und z.B. Sitzposition, Lenkrad-Einstellung, Audio- und Klimaeinstellungen sowie einiges mehr steuern. Wenn sich während der Fahrt plötzlich Fahrersitz oder Außenspiegel bewegen, liegt das aber nicht an Smart Settings, sondern an der ganz unsmarten Platzierung der Knöpfe für die Memoryfunktion der elektrisch verstellbaren Sitze: genau dort, wo der Fahrer sein linkes Knie an die Türverkleidung lehnt.

Blinker das lauteste Geräusch
Sehr entspannend ist das akustische Umfeld, in dem man sich bewegt. Der Evoque ist herrlich gedämmt, weder Diesel- noch Benzin-Motor tritt nennenswert in Erscheinung. Das einzige auffällige Geräusch ist der Blinker, der - wie bei Jaguar Land Rover üblich - an eine alte Standuhr erinnert. Schrullig, aber nicht störend.

Aufsehenerregende Kamerabilder
Wirklich intelligent sind zwei neue kamerabasierende Assistenten. Nummer eins: Der Innenspiegel ist zugleich ein Display, das vollflächig den Blick nach hinten zeigt, den die Kamera in der Dachfinne überträgt. Das ist praktisch, wenn Gepäck oder Insassen die Sicht versperren.

Nummer zwei: die „gläserne Motorhaube“. Am oberen Zentraldisplay kann man quasi durch den Vorderwagen durchschauen und sieht exakt, wo die Räder laufen. Gut im Gelände oder auch beim knappen Parken an hohen Randsteinen.

Meilenstein in Sachen Fahrverhalten
Dank der neuen Plattform und der neuen Vorder- und Hinterachse wird der neue Evoque zum wahrscheinlich dynamischsten Range Rover aller Zeiten (von SVR-Varianten mal abgesehen). Vor allem mit dem adaptiven Fahrwerk lässt er sich tatsächlich sportlich fahren, wie wir auf engen wie weiten kurvigen Bergstraßen im Süden Griechenlands erfahren haben. Am Wimmern der Reifen erkennt man trotzdem das nicht gerade zarte Gewicht des schicken Briten, der allerdings Ganzjahresreifen auf seinen 21-Zöllern montiert hatte.

Doch für die guten Asphalt-Fähigkeiten hat Land Rover nicht die Offroad-Qualitäten geopfert. Gut 21 Zentimeter Bodenfreiheit sowie eine von 50 auf 60 Zentimeter erhöhte Wattiefe sind die eine Sache, die andere ist die Souveränität und völlige Nebengeräuschfreiheit, wenn man diesen britischen Feschak durchs Gelände treibt und ihn ständig Beinchen heben lässt. Idealerweise hat man dafür die ärgere der beiden verfügbaren Varianten des Allradantriebs bestellt.

Zweimal drei Motoren
Zunächst stehen jeweils drei Zweiliter-Benziner und -Diesel zur Wahl. Bis auf das Einstiegsmodell sind alle Triebwerke mit Allradantrieb, Neungang-Wandlerautomatik sowie einem 48-Volt-Mildhybrid-System verbunden, das den Antrieb mit einem riemengetriebenen Startergenerator unterstützt und angeblich sechs bis 14 Prozent Sprit spart. Die Selbstzünder leisten 150, 180 oder 240 PS, die Benziner 200, 250 oder 300 PS. Der Basis-Diesel (ab Juni erhältlich) hat Frontantrieb, ein manuelles Sechsganggetriebe, keinen Elektromotor und ist nur in den beiden unteren Ausstattungsniveaus erhältlich.

Gefahren haben wir den starken Diesel und den mittleren Benziner, die kräftig für Vortrieb sorgen, allerdings beim Gasgeben mehr (Diesel) oder weniger (Benziner) verzögert zur Sache kommen. Das kann bei Bergauf-Serpentinen nerven. Ansonsten passen beide gut zum Auto und weisen sehr ähnliche Fahrleistungen auf: 7,7 bzw. 7,5 Sekunden für den Standardsprint, 225 bzw. 230 km/h Höchstgeschwindigkeit. Deutlicher sind die Unterschiede beim Verbrauch: Da liegt der Diesel bei 6,2 l/100 km laut NEFZ, der Benziner kommt auf 7,9 Liter. Der Gewichtsunterschied ist auf dem Papier deutlich, in der Praxis ist es eher unauffällig, dass der Diesel (laut DIN, also ohne Fahrer) 1880 kg auf die Waage bringt, der Benziner jedoch „nur“ 1818 kg. Beides nicht wenig, aber laut Hersteller dem Ziel geschuldet, auf geringer Grundfläche maximalen Innenraum und maximale Steifigkeit zu ermöglichen. Daher wurde mehr auf hochfeste Stähle, weniger auf Aluminium gesetzt. Außerdem wiegt die Hybrideinheit 46 kg.

Unterm Strich …
… wird ein deutlich höherer Wert stehen als der Basispreis von 40.800 Euro. Der Range Rover ist nicht für Brot und Butter gemacht. Also Augen zu und rein in die Aufpreisliste. Oder die First Edition in Betracht ziehen, die ab 73.300 Euro zu haben ist. Jedenfalls erhält man hier ein wirklich luxuriöses, im besten Sinne britisches Gefühl (vergessen wir mal kurz das Brexit-Chaos), dazu viel Platz auf geringem Raum. Fehlt nur noch ein privates Chalet hoch oben in den Bergen. Gut zu wissen, dass man es erreichen könnte.

Warum?
Sehr stimmiges Gesamtpaket
Relativ kurz, trotzdem sehr viel Platz
Vor allem mit Adaptive Dynamics und Top-Allrad tolle Asphalt- und Offroad-Eigenschaften

Warum nicht?
Ungünstige Position der Sitz-Memory-Knöpfe ist ein Spaßverderber.

Oder vielleicht …
… BMW X4, Mercedes GLC Coupé

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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