Di, 22. Jänner 2019

Allradlenkung in Serie

11.01.2019 18:05

BMW 840d: Schienenfahrzeug zwischen Gegensätzen

Bei BMW ist der Diesel sogar für höchste Weihen gut: Die Münchner bieten ihr sportliches Flaggschiff, das 8er-Coupé, mit Selbstzünder an und stehen damit im Wettbewerbsumfeld absolut exklusiv da. Was heißt stehen? Der BMW 840d xDrive pfeift mit Allradlenkung ums Eck wie auf Schienen. Ob man will oder nicht.

Es handelt sich hier zwar um das Einstiegsmodell, abgesehen von der Motorleistung ist der 840d aber genauso Performance-orientiert wie der M850i mit seinem herrlichen 530-PS-V8-Benziner. Daher hat auch der 840d serienmäßig Allradlenkung an Bord, d.h. die Hinterräder lenken bis zu 72 km/h (in den Sportmodi bis 88 km/h) gegensinnig zu den Vorderrädern bis zu 2,5 Grad mit (bei schnellerer Fahrt gleichsinnig). Dadurch entsteht das „Wie-auf-Schienen“-Gefühl, was einerseits sehr dynamisch wirkt (und ist), andererseits aber auch zu einem leicht ungeschmeidigen, eckigen Einlenkverhalten führt.

Auch das Fahrwerk ist genauso sportlich-hart wie im Topmodell, ein Gleiter ist der 8er nicht. Dafür setzt er in der Klasse aber den fahrdynamischen Maßstab. Durchwegs sportliche Fahrer werden dagegen nichts einzuwenden haben, doch wer eher die zum Diesel passende Einstellung „in der Ruhe liegt die Kraft“ hat, wird das alles ein wenig hektisch finden.

Der Fairness halber sei dazugesagt: Der BMW 640d war mit Winterreifen ausgerüstet, der im Herbst getestete BMW M850i mit Sommerreifen.

Die Kraft der zwei Lader
Der bewährte Dreiliter-Sechszylinder wird von zwei Turbos stufenaufgeladen und leistet 320 PS. Sein maximales Drehmoment von 680 Nm liefert er schon ab 1750 Touren vollständig aus, eine Verzögerung ist nicht zu spüren. Weitergereicht wird die Kraft über die formidable Achtgangautomatik.

Wer es darauf anlegt, lässt sich alle vier Räder in den Asphalt krallen und erreicht in 4,9 Sekunden Landstraßentempo. Der Motorklang ist im Comfort-Modus grundsätzlich angenehm, im Sport-Modus leicht angereichert, aber nicht übertrieben laut. Der NEFZ-Verbrauch liegt bei 6,2 l/100 km, über den Testverbrauch von 9,2 Litern kann ich mich auch nicht beklagen.

Durchwachsener Eindruck im Innenraum
Im Innenraum herrscht sportliche Eleganz, Leder ist natürlich serienmäßig. Um 750 Euro befinden sich Glasapplikationen an den Bedienelementen, etwa der auffällige, geschliffene Automatikwählhebel. Diese schöne Fassade bröckelt aber leicht, wenn man die Dinge ein wenig kritisch anfasst. Dann irritiert der Bling-Bling-Automatikhebel mit unangenehm kratzigem Hartplastik auf der Rückseite, da, wo die Finger liegen. Auch dass die frei belegbaren Zifferntasten keine einzelnen Tasten sind, sondern Felder auf einem Plastikbalken, passt nicht in die Preisklasse.

Man darf nicht vergessen: Der Testwagen kostet knapp 135.000 Euro (Basispreis: 112.000 Euro). Da würde ich mir auch eine bessere Rundumsicht beim Parken erwarten. Die Kamerabilder sind sicher nicht die besten im Wettbewerbsumfeld, außerdem ist die Heckkamera ungeschützt montiert. Besser wäre, sie hinterm BMW-Logo zu verstecken.

Vorbildlich ist hingegen das serienmäßige Head-up-Display, das an Schärfe und Informationsfülle keine Wünsche offen lässt. Geschmackssache: das 12,3-Zoll-Tachodisplay mit seiner den BMW-Nieren nachempfundenen, mehr auf Design als auf gute Ablesbarkeit ausgelegten Anzeigen.

Unterm Strich
Der BMW 840d xDrive ist praktisch konkurrenzlos und in den meisten Einzeleigenschaften sehr gelungen. Toller, kraftvoller Dieselmotor, sehr sportliche Fahreigenschaften, Allradantrieb und -lenkung serienmäßig. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass Motor und Fahrwerk - so gut sie beide sind - nicht recht zusammenpassen, also der Diesel und das sportliche Luxus-Coupé. Vielleicht ändert sich das, wenn erst einmal der M850d auf Schiene ist.

Warum?
Luxus-Coupé und Dieselmotor ist einzigartig
Sehr sportliche Fahreigenschaften

Warum nicht?
Fahrwerk wenig komfortabel

Oder vielleicht …
… das S-Klasse-Coupé, wenn es um Komfort und Haptik geht. Einen Diesel gibt es da aber nicht.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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