Massive Luftangriffe

„Flamingos“ treffen Drohnenfabrik tief in Russland

Ukraine-Krieg
10.06.2026 13:07
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Ukraine hat Russland Mittwochfrüh mit massiven Angriffen aus der Luft eingedeckt. Dabei kamen auch die als Superwaffe geltenden Marschflugkörper namens „Flamingo“ zum Einsatz. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde eine Waffenschmiede tief in Russland getroffen.

Die Fabrik in der Industriestadt Tscheboksary an der Wolga – mehr als 900 Kilometer hinter der Front – wurde durch die Einschläge in Brand gesetzt, so der ukrainische Generalstab. In der Anlage der Firma VNIIR-Progress werden demnach elektronische Bauteile für Drohnen und Raketen hergestellt. Die russischen Behörden sprachen von drei Verletztem nach einem Raketenangriff.

„Langstrecken-Sanktionen“
Auch eine Raffinerie im wichtigen Öl-Knotenpunkt Samara an der Wolga sowie zwei Ölanlagen im Gebiet Wladimir östlich von Moskau wurden von ukrainischen Angriffen getroffen. „Wir wenden weiter Langstrecken-Sanktionen gegen russische Militärobjekte und die Ölindustrie an“, erklärte Selenskyj dazu auf der Plattform X (siehe unten).

Das ukrainische Militär griff außerdem den russisch besetzten Hafen von Mariupol an. Der Hafen sei nach Angriffen auf die Energie-, Reparatur- und Verwaltungsinfrastruktur ohne Strom, teilten die Streitkräfte Kiews mit. Die Nutzung des Standorts als militärischer Logistikknotenpunkt sei dadurch „erheblich eingeschränkt“.

Luftalarm in Sibiren
Sogar in weit entfernten Regionen im Ural und in Sibirien wie Chanty-Mansijsk, Perm, Tjumen, Tscheljabinsk und Swerdlowsk wurde Luftalarm ausgelöst. Omsk ist Standort der größten russischen Ölraffinerie. Es wurde aber nichts über einen tatsächlichen Angriff bekannt.

Krim-Museum in Brand
Neuerliche Drohnenangriffe gab es auch auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. In der Hauptstadt Sewastopol schlug eine Drohne in ein Geschichtsmuseum ein. Das Dach des Museums, das an den Krimkrieg von 1853 bis 1856 erinnert, geriet in Brand. Nach russischen Angaben wurde dabei ein berühmtes Panorama-Gemälde des in der heutigen Ukraine geborenen Künstlers Franz Roubaud zerstört. Der Chef der Besatzungsverwaltung, Michail Raswoschajew, sprach auf Telegram von einem gezielten Angriff auf eine Kultureinrichtung.

Das Dach des historischen Panorama-Museums in Sewastopol geriet in Brand.
Das Dach des historischen Panorama-Museums in Sewastopol geriet in Brand.(Bild: EPA/SEVASTOPOL MAYOR MIKHAIL RAZVOZHAEV TELEGRAM CHANNEL HANDOUT)

Das wäre allerdings untypisch für die bisherigen Angriffsmuster der ukrainischen Armee. Umgekehrt hat Russland in mehr als vier Jahren Angriffskrieg viele Museen, Theater, Bibliotheken, Schulen und Kirchen in der Ukraine bei Luftangriffen beschädigt.

Angaben über Opfer gab es zunächst nicht. Wegen der zunehmenden Luftangriffe schränkten die Behörden den nächtlichen Zugverkehr auf der Krim ein. Zuvor waren bei einem Drohnenangriff ein Bahnmitarbeiter getötet und ein Lokführer verletzt worden.

Treibstoffmangel auf der Krim
Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Angriffe vor allem auf Anlagen der russischen Ölindustrie verstärkt, um eine wichtige Einnahmequelle der Regierung in Moskau zur Finanzierung ihres Angriffskriegs zu schwächen. Dies hat Russland dazu gezwungen, seine Ölförderung zu drosseln. Der Export von Benzin und Kerosin wurde gestoppt. Auf der Krim herrscht zum Auftakt der russischen Urlaubs-Hochsaison Treibstoffmangel.

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