Mo, 12. November 2018

USA alarmiert

01.09.2018 07:01

China wirbt über LinkedIn „aggressiv“ Bürger an

US-Behörden zufolge nutzt China das Karriere-Netzwerk LinkedIn im großen Stil, um US-Bürger als Spione anzuwerben. Auf der Plattform der Microsoft-Tochter werde dabei „superaggressiv“ vorgegangen, sagte William Evanina, Leiter des für die Abwehr zuständigen National Counterintelligence and Security Center.

Bei der Kampagne würden Tausende LinkedIn-Teilnehmer auf einmal angesprochen mit dem Ziel, von ihnen politische und wirtschaftliche Geheimnisse in Erfahrung zu bringen, so Evanina gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er forderte LinkedIn auf, nach dem Vorbild von Twitter, Google und Facebook entsprechende Nutzerkonten zu sperren.

LinkedIn sei eine „sehr gute Website“, sagte Evanina. Allerdings sei der Dienst auch ein wunderbarer Ort für Gegenspieler der USA. Diese könnten dort nicht nur etwa Mitglieder der Regierung oder ehemalige CIA-Agenten ins Visier nehmen, sondern auch Akademiker und Ingenieure - „alles, was sie wollen.“ Es handle sich um die „ultimative Spielwiese für die Erfassung“.

Evanina machte keine Angaben dazu, wie viele gefälschte Benutzerkonten entdeckt wurden, wie viele Amerikaner angesprochen wurden oder wie erfolgreich China bei der mutmaßlichen Rekrutierung war.

LinkedIn-Konten gelöscht
Der für Sicherheit zuständige LinkedIn-Manager Paul Rockwell bestätigte Gespräche zwischen seinem Unternehmen und den US-Behörden wegen chinesischer Spionage. Es seien in den vergangenen Tagen „weniger als 40“ gefälschte Konten gelöscht worden, sagte er Reuters. Ob es sich um chinesische Nutzer handelte, sagte er nicht. „Wir tun alles, was wir können, um dieses Vorgehen zu erkennen und zu unterbinden“, sagte er zu der mutmaßlichen Spionage.

US-Insidern zufolge handelt es sich bei den Zielpersonen um Experten etwa auf dem Gebiet der Supercomputer, Atomenergie, Nanotechnologie, Halbleiter, Gesundheitsversorgung, Samenzucht und grüner Technologie. Die chinesischen Geheimdienste gingen dabei mit Geldzahlungen und gefälschten Vorschlägen für Geschäfte vor.

„Umfang der Wirtschaftsspionage einzigartig“
Laut Joshua Skule, Leiter der Spionage-Abwehr beim FBI, richten sich etwa 70 Prozent der Spionagetätigkeit der Chinesen gegen die Privatwirtschaft. „Sie betreiben Wirtschaftsspionage in einem Umfang, der in unserer Geschichte einzigartig ist.“

Das chinesische Außenministerium wies die Vorwürfe in einer Erklärung zurück. Man wisse nicht, aus welchen Beweisen die US-Behörden ihre Schlussforderungen zögen. „Was sie sagen, ist völliger Unfug und hat Hintergedanken.“ Derzeit weitet sich der Handelsstreit zwischen den USA und China immer weiter aus. Für kommende Woche sind Zölle auf weitere chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar (171 Milliarden Euro) angekündigt.

Fake-Spionageprofile enttarnt
Bereits im vergangenen Dezember hatte der deutsche Bundesverfassungsschhutz Alarm geschlagen und vor gefälschten Spionageprofilen aus China in dem Karriere-Netzwerk gewarnt. „Soziale Netzwerke, insbesondere LinkedIn, werden im großen Stil zur Abschöpfung und Quellenwerbung genutzt“, sagt der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen. „Es handelt sich um einen breit angelegten Versuch der Infiltration insbesondere von Parlamenten, Ministerien und Behörden.“

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Schicksalsschlag
Zwei Mädchen verloren ihre geliebte Mama (39)
Oberösterreich
Die Bundesliga-Analyse
Konsel: „Länderspiel-Pause ist Segen für Rapid!“
Fußball National
„Es tut mir sehr leid“
Türke schoss viermal auf Landsmann: 14 Jahre Haft
Salzburg
Co-Trainer übernimmt
Paukenschlag! Ried-Coach Weissenböck tritt zurück
Fußball National
Informationen verkauft
U-Haft für den Bundesheer-Spion beantragt
Österreich
Nach vier Siegen
„Notnagel“ Santiago Solari bleibt Real-Trainer
Fußball International
Fest in der Staatsoper
100 Jahre Republik: „Zeichen stehen auf Sturm“
Österreich
Schutz für Riffe
Pazifikinsel Palau will Sonnencremes verbieten
Reisen & Urlaub

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.