Prägte US-Wirtschaft

Notenbank-Legende: Ex-Fed-Chef Greenspan ist tot

Wirtschaft
22.06.2026 13:47
Porträt von krone.at
Von krone.at

Er galt über Jahre als einer der einflussreichsten Männer der Weltwirtschaft, wurde für seine Krisenreaktionen gefeiert und später für Fehlentwicklungen am Immobilienmarkt kritisiert. Nun ist der langjährige US-Notenbankchef Alan Greenspan im Alter von 100 Jahren gestorben.

Greenspan leitete die US-Notenbank Federal Reserve über einen Zeitraum von fast 18 Jahren und sechs Monaten. Er stand an der Spitze der Fed unter vier US-Präsidenten und wurde 1987 von Präsident Ronald Reagan für das Amt nominiert. Seine letzte Amtszeit endete 2006 unter Präsident George W. Bush.

Wie seine Ehefrau Andrea Mitchell, Journalistin beim US-Sender NBC News, mitteilte, starb Greenspan am Sonntag in seinem Zuhause an den Folgen von Komplikationen im Zusammenhang mit Parkinson. Das berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf eine Erklärung Mitchells.

Kaum einer hielt sich so lange an der Spitze der Notenbank, wie Greenspan.
Kaum einer hielt sich so lange an der Spitze der Notenbank, wie Greenspan.(Bild: AP/BARRY THUMMA)

Zweitlängste Amtszeit an der Spitze der Fed
Der in New York geborene Ökonom lehrte in den 1950er-Jahren an der New York University und leitete zugleich das Beratungsunternehmen Townsend-Greenspan & Co. Später war er unter anderem wirtschaftspolitischer Berater im Umfeld von Richard Nixon und führte in den letzten Jahren von Nixons Präsidentschaft den Rat der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses. Auch unter Präsident Gerald Ford blieb er in dieser Funktion tätig.

Nur zwei Monate nach seinem Amtsantritt als Fed-Chef wurde Greenspan mit einem historischen Börsencrash konfrontiert. Am 19. Oktober 1987, dem später als „Black Monday“ bekannten Tag, verlor der Dow Jones binnen eines Tages 22 Prozent seines Wertes. Die Zusicherung der Notenbank, ausreichend Liquidität bereitzustellen, trug dazu bei, die Märkte zu stabilisieren.

Jahre des Wirtschaftsbooms
Während Greenspans Amtszeit erlebten die USA eine der stärksten Friedenszeiten-Wachstumsphasen ihrer Geschichte. Die Arbeitslosigkeit sank zeitweise unter vier Prozent, die Aktienmärkte erreichten Rekordstände und der US-Bundeshaushalt verzeichnete zeitweise Überschüsse statt Defizite.

Greenspan im Jahr 1974: Mit Geschick führte er die US-Wirtschaft jahrzehntelang durch ...
Greenspan im Jahr 1974: Mit Geschick führte er die US-Wirtschaft jahrzehntelang durch unterschiedliche Krisen – bei der Immobilienblase hat er sich aber fatal verschätzt.(Bild: AP/Bob Daugherty)

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der Rezession Anfang der 2000er-Jahre reagierte die Federal Reserve mit drastischen Zinssenkungen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde der Leitzins schließlich auf ein damals außergewöhnlich niedriges Niveau von einem Prozent gesenkt.

Kritik nach der Finanzkrise
Viele Ökonomen machten später die langanhaltend niedrigen Zinsen mitverantwortlich für die Entstehung der Immobilienblase in den USA. Zudem wurde der Notenbank vorgeworfen, den Hypothekenmarkt in den Boomjahren nicht ausreichend kontrolliert zu haben.

Greenspan hatte zu seiner Amtszeit wiederholt bestritten, dass es eine landesweite Immobilienblase gebe. Als die Immobilienpreise 2008 einbrachen und zahlreiche Banken in Schwierigkeiten gerieten, sprach er vor einem Kongressausschuss von einem Zustand „schockierten Unglaubens“, erinnert CNN.

Zwar räumte Greenspan später ein, das Ausmaß der Krise unterschätzt zu haben. Gleichzeitig hielt er daran fest, dass die niedrigen Zinsen der Notenbank nicht die eigentliche Ursache der Immobilienblase und der anschließenden Finanzkrise gewesen seien. Nach eigener Einschätzung lag er während seiner Amtszeit in rund 70 Prozent seiner Entscheidungen richtig.

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