Di, 23. Oktober 2018

Serie Schnarchen

25.06.2018 06:00

Es gibt (Ab)Hilfe!

Was Sie selbst gegen das lästige Geräusch im Schlafzimmer tun können und wo Sie Unterstützung finden. So hilft Betroffenen etwa ein „Schnarchprotokoll“ weiter, wenn es um die Bekämpfung des Leidens geht. Auch bestimmte Mund-Prothesen sind mitunter hilfreich.

Voraussetzung für eine Beseitigung oder zumindest Milderung des Schnarchens ist das Schnarch-Protokoll! Freilich: Dieses muss natürlich der Partner führen - der Schnarcher hört sich selbst ja nicht. Die Aufzeichnungen müssen nicht nur Dauer und Stärke (sehr laut, laut, eher leise?) des Schnarchens enthalten, sondern auch Hinweise auf begleitende Umstände wie Erkältung, „verstopfte“ Nase oder Allergien. Auch die Zahl eventueller Atemstillstände sollte vermerkt werden. Auf diese Weise können Schnarchepisoden zu verschiedenen Zeiten miteinander verglichen werden. Das stellt eine große Hilfe für den behandelnden Arzt und die betroffenen Personen selbst dar!

Ein Allheilmittel gibt es leider noch immer nicht. Und man muss auch wissen, dass viele Ursachen gleichsam „hausgemacht“ sind. An erster Stelle steht hier Alkohol, zumal unter dem Einfluss der Promille in den maßgeblichen Arterien, die Blut zum Gehirn transportieren (Halsschlagadern = Carotis), Rezeptoren aktiviert werden, die ein Signal zur Erschlaffung der Atemmuskulatur weiterleiten. Das wiederum fördert die Entstehung der Geräusche. Ein anderer Auslöser ist Übergewicht. Bei Menschen mit hohem Körpermasse-Index (BMI) können Fetteinlagerungen in den verschiedenen Regionen der oberen Luftwege die Atemfunktion beträchtlich einschränken. Nur ein paar Kilos weniger, und das „Sägen“ kann durchaus wieder verschwinden!

Neben Alkoholverzicht und Gewichtsreduktion gibt es im Bedarfsfall operative Eingriffe. Beispiel: Bei Schnarchern mit Atemstillständen wird ein Faden durch Zunge und Zungengrund gezogen, ein zweiter durch das Zungenbein. Beide Fäden werden mit einer kleinen Schraube am Unterkiefer befestigt. Sie belasten den Patienten nicht, verhindern im Schlaf aber das Zusammenfallen der Weichteile. Auch andere chirurgische Methoden haben sich bewährt, wie etwa eine Korrektur der Nasenscheidewand, Sanierung der Nasennebenhöhlen, elektrische Erwärmung mit nachfolgender Schrumpfung des weichen Gaumens, Verkürzung des Zäpfchens usw.

Hilfreich können zudem Antischnarch-Prothesen sein, die der Zahnarzt anpasst. Diese sind gebissähnlich und werden in der Nacht getragen. Sie drücken mit einem Stab die Zunge nach unten und verhindern deren Zurückfallen. Zur Verfügung stehen auch Prothesen, die den Unterkiefer nach vorne ziehen und so den Rachenraum erweitern. Weitere Behelfe sind derzeit im Erprobungsstadium. Vorsicht ist jedoch angesagt, da ein lang dauerndes Tragen den Unterkiefer verformen und die Kiefergelenke schädigen kann.

Auch in Apotheken werden Produkte angeboten, welche die Situation in vielen Fällen günstig beeinflussen können. Einfach danach fragen! Immer aber gilt: Nur der erfahrene Arzt weiß, welche Methode sich am besten eignet. Schon aus diesem Grund ist ein breit gefächertes therapeutisches Vorgehen erforderlich, zumal das Problem ja nicht nur den Schnarcher alleine betrifft, sondern auch dessen Partner.

Schnarchen kann durchaus gefährlich sein, vor allem, wenn es zunächst „nur“ als Belästigung angesehen und deshalb verharmlost wird. Eine Bedrohung entwickelt sich aber, wenn man vom Schnarcher zeitweise nichts mehr hört - die Stille tritt ein, weil der Atem aussetzt! Diese Auswirkung nennt man Schlafapnoe. Zwar leiden nicht alle Schnarcher unter Schlafapnoe, fast immer aber die starken Dauer-Schnarcher. Dabei kommt es zu einem oft dramatischen Absinken der Sauerstoffversorgung, woraus Herzinfarkte, Schlaganfälle, ja sogar plötzliche Erblindung resultieren können. Darüber werde ich aber zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher berichten.

Univ.-Prof. Dr. Manfred Walzl* & Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

*FACA Vorstand des Instituts für Schlafmedizin, Privatklinikum HANSA in Graz.
Kontakt: 0316/36 00-0, walzl@aon.at

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