Brite hadert

Russell: „Götter wollen mich nicht dabeihaben“

Formel 1
25.05.2026 13:49
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

„Es fühlt sich an, als wollten mich die Götter in diesem Kampf nicht dabeihaben.“ Mercedes-Pilot George Russell, vor Saisonstart der erklärter F1-WM-Favorit, liegt nach der Fortsetzung seiner Pechsträhne mit einem Batterieproblem am Sonntag in Montreal schon 43 Punkte zurück. Und hadert.

Vier Siege in Serie – als erster Italiener seit Alberto Ascari 1952. Teenager Kimi Antonelli hat die Formel 1 im Sturm erobert und in der WM früh die Zügel in der Hand. Das schindet Eindruck. Auch bei seinem Teamkollegen George Russell. Der Brite scheint der einzige, der Antonelli aufhalten kann – und will das WM-Rennen noch lange nicht aufgeben.

„Es fühlt sich an, als wollten mich die Götter in diesem Kampf nicht dabeihaben“, sagte Russell nach seinem in Führung liegenden Ausfall. Zuvor war der Engländer schon in Japan und China nicht vom Glück verfolgt gewesen. „Der Druck ist jetzt weg. Ich werde rausgehen und jedes weitere Rennen genießen und versuchen es zu gewinnen. Ich habe nichts zu verlieren.“ Natürlich sei das defektbedingte Out frustrierend. „Kimi und ich haben uns einen großartigen Kampf geliefert. Die neuen Autos erlauben das.“

(Bild: AFP/HECTOR RETAMAL)

Mercedes will „transparent bleiben“
Mercedes-Teamchef Toto Wolff trieben die Duelle, die sich seine Piloten in den ersten knapp 30 Runden geliefert hatten die Schweißperlen auf die Stirn. „Ich hätte mir gewünscht, dass sie ein bisschen rausnehmen. Das ist aber nicht passiert“, sagte der Wiener „Mir ist lange viele Runden heiß geworden.“ Wie viele Rennen er sich das so anschauen würde, stellte Wolff auf ServusTV selbst infrage. „Das Wichtigste ist, dass wir mit beiden transparent bleiben. Sie haben beide die gleichen Möglichkeiten. Wir würden nie ein Auto einbremsen, als Team muss das unsere Priorität sein.“

  Antonelli hofft, seine beeindruckende Serie beim Klassiker in zwei Wochen in Monaco fortsetzen zu können. „Wir werden versuchen, die Latte immer weiter nach oben zu legen“, erklärte der 19-Jährige. Er hätte nicht auf diese Art gewinnen wollen. „George war extrem stark, es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Jetzt kommt Monaco, das könnte schwierig werden. Aber wir werden weiter alles geben.“ Keiner der beiden Silberpfeil-Piloten stand im Fürstentum bisher auf dem Podest. Die einzigartige Streckencharakteristik mit ihren engen Kurven dürfte ausnahmsweise eher Ferrari bevorzugen.

  Lewis Hamilton holte in Montreal als Zweiter sein bisher bestes Ergebnis für die Roten. Ratschläge wollte der Rekordchampion Antonelli danach nicht mehr geben, obwohl er den Teenager offensichtlich sehr schätzt. „Ich glaube, du vergisst, dass wir Konkurrenten sind“, antworte der 41-Jährige auf eine entsprechende Journalistenfrage. „Er macht seine Sache bereits großartig.“

Historische Serie für Antonelli
Antonelli triumphierte nach Japan, China und Miami auch in Kanada. Eine derartige Serie gelang ab dem Premierensieg bisher noch keinem Formel-1-Piloten – auch Hamilton und Max Verstappen nicht. Mit den beiden Ex-Champions teilte sich Antonelli in Montreal das Siegespodest. „Das war eines der unglaublichsten Podien, da ist es mir kalt den Rücken hinuntergelaufen“, sagte der Italiener. „Die beiden sind historische Größen in unserem Sport.“ Red-Bull-Star Verstappen holte seinen ersten Podestplatz der Saison und lobte den jungen Sieger danach ebenfalls für einen „hervorragenden Job“.

Routinier Lewis Hamilton (li.) herzt Youngster Kimi Antonelli.
Routinier Lewis Hamilton (li.) herzt Youngster Kimi Antonelli.(Bild: AFP/MINAS PANAGIOTAKIS)

Viele Beobachter – und auch Konkurrenten – hatten eher Russell auf der WM-Rechnung gehabt. Nun könnte sich der von Wolff als Hamilton-Nachfolger bei Mercedes auserkorene Antonelli als Trumpfass erweisen. Im Sprint in Montreal hatte der Youngster aus Bologna bereits sein Temperament und seine Ambitionen unter Beweis gestellt – unter anderem mit Schimpftiraden nach etwas ambitionierten Überholmanövern gegen seinen Teamkollegen. Wie Mercedes das Stallduell weiter handhaben wird, bleibt eine der spannendsten Fragen dieser Saison.

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