Auch Jurij Rodionov scheiterte bereits in der ersten Runde der French Open. Einen Satz lang hielt der Qualifikant auf dem Court Suzanne Lenglen mit Lokalmatador Arthur Rinderknech bravourös mit, verlor diesen erst nach 72 Minuten im Tiebreak. Dann erwies sich die Nummer 25 der Welt als zu stark, siegte 7:6 (5), 6:2, 6:3. „Wenn ich den ersten Satz gewonnen hätte“, haderte Rodionov, „hätte es ganz anders ausgehen können.“
Dass Rodionov in den letzten Monaten sowohl physisch als auch mental klar zugelegt hat, stellte der 27-Jährige auch gestern wieder unter Beweis. Dass Rinderknech in der Weltrangliste 133 Plätze besser klassiert ist, sah man im ersten Satz nicht im geringsten. Rodionov hielt in den Rallyes mehr als dagegen, passierte den oft ans Netz stürmenden 1,96-m-Mann wiederholt und hielt zumindest seine Aufschlagspiele, bei denen er nicht in die Sonne blickte, souverän.
Hier die Stats zum Spiel:
Der Österreicher war es auch, der das erste Break zum 2:1 schaffte, das er aber leider umgehend wieder hergab. Dennoch wirkte Rodionov im ersten Satz lange sogar wie der leicht bessere Spieler, der nur gegen Rinderknechs gewaltigen Aufschlag nie das richtige Rezept fand. Mehrfach probierte er es mit hohen Bällen, die der Gegner aber jeweils gnadenlos abschmetterte. Bei 4:4 hatte Rodionov drei Breakchancen, konnte aber keine nutzen. Seinerseits zeigte er sich mental stark, als er bei 5:6 vier Satzbälle abwehrte, sich in den Tiebreak rettete.
Guten Tiebreak-Start nicht genutzt
Den er mit drei schönen Passierbällen zum 3:1 begann, dann traf er aber eine einfach Vorhand nicht, servierte er einen Doppelfehler, musste den Marathonsatz über 30 Grad mit 5:7 im Tiebreak hergeben. Nach der fulminanten Rallye zum Abschluss, bei der Rodionov noch einmal alles probiert hatte, explodierten die tausenden französischen Fans, während der Österreicher geknickt wirkte.
„Mentale Fitness war Unterschied“
Er gab später auch unumwunden zu, dass ihm dieser Satz etwas das Genick gebrochen hatte. „Ich fand eigentlich, dass ich der leicht bessere Spieler war. Den Satz muss ich einfach gewinnen“, seufzte er, gestand aber: „Den Unterschied hat die mentale Fitness gemacht. Ich habe solche Spiele ja nicht oft, vielleicht viermal im Jahr im Daviscup, habe dann im Tiebreak eine leichte Vorhand verhaut, Rinderknech aber war routinierter.“
Von diesem verlorenen Mammutsatz erholte sich Rodionov nicht. „Wenn du nach so einem langen Satz weißt, dass du bei der Hitze noch drei gewinnen musst, ist das mental hart“, gab er zu. Zusätzlich beflügelte seine Führung Rinderknech umgekehrt noch. Er war bei eigenem Aufschlag nun noch stabiler, ließ gar nichts mehr anbrennen und sicherte sich den zweiten Durchgang mit zwei Breaks souverän 6:2. Und auch der dritte Satz ging mit 6:3 rasch weg. Nach 2:26 Stunden war es vorbei. Die letzten beiden Durchgängen hatten etwa nur so lange gedauert wie der erste Satz alleine.
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