Fr, 19. Oktober 2018

Riskante Unterschiede

04.05.2018 06:00

Jeder Schlaganfall ist anders

Wie so oft gibt es auch bei dieser Erkrankung Abweichungen zwischen den Geschlechtern: Frauen haben die schwereren Anfälle und wissen meist weniger Bescheid über die Anzeichen und die Symptome dieses gefährlichen Ereignisses.

Ein Schlaganfall stellt weltweit gesehen - nach den Infektionskrankheiten - die häufigste Todesursache dar, vor allem ist er auch der häufigste Grund für bleibende (vorzeitige) Funktionseinschränkungen im Erwachsenenalter. 75 Prozent aller Patienten sind bei diesem schwerwiegenden Leiden älter als 65 Jahre, deshalb überwiegt der Anteil an Frauen. Deren mittleres Erkrankungsalter liegt um fünf Jahre höher als bei Männern. „Die Symptome sind mitunter - wie beim Herzinfarkt - manchmal nicht ganz typisch“, so OÄ Doz. Dr. Julia Ferrari, Neurologin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien im Fachmagazin „Ärzte Krone“.

Unklare Anzeichen erschweren Diagnose
„Das Auftreten von Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheitszuständen oder sogar Schmerzen - teils zusätzlich zu den klassischen Beschwerden wie Sprachstörung, Halbseitenlähmung, Problemen mit der Sensibilität oder dem Sehen - kommt laut Untersuchungen bei ,ihr‘ häufiger vor.“ Bei jüngeren Damen spielen auch andere Risikofaktoren eine große Rolle: Migräne mit Aura und die Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. Pille) in Verbindung mit Übergewicht und Rauchen.

Vorsicht ist vor allem bei Vorhofflimmern geboten! Diese Herzerkrankung tritt bei Frauen fast doppelt so häufig wie bei Männern auf. Sie zeichnet für fast 30 Prozent aller ischämischen (durch Verschluss von Blutgefäßen im Kopf) Schlaganfälle oder vorübergehenden Attacken, im Volksmund ,Schlagerl‘ genannt, verantwortlich. „Patientinnen müssen darauf besonders achten, denn der Insult verläuft bei ihnen meist auch viel schwerwiegender als bei männlichen Betroffenen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Institut für Gender Medizin, Gars am Kamp und Gender Medicine Unit, Endokrinologie und Stoffwechsel, MedUni Wien. Oft wird dieses Leiden aber nicht erkannt und/oder behandelt, zumindest nahmen die untersuchten Patientinnen kaum mehr Medikamente dagegen ein als die nach einem Insult behandelten Männer.

Schnelle Behandlung in der „Stroke-Unit“
Nach einem Schlaganfall muss schnell reagiert und das Hirngefäß wieder frei gemacht werden. In Österreich gibt es dafür 39 sogenannter „Stroke-Units“, die in 45 Minuten für die Mehrheit der Bevölkerung erreichbar sind. Hier gelangen die Patienten laut „Stroke-Unit“-Register zu dieser Spezialstation in 30 Minuten. Beide Geschlechter werden hierzulande gleich rasch mit einer Thrombolyse zur Auflösung des Gerinnsels behandelt. Das ist in anderen Ländern nicht unbedingt der Fall, wie Studien aus den USA ergeben: Dort zeigte sich, dass Frauen insgesamt weniger häufig eine Akuttherapie dieser Art erhielten als Männer.

Auch wenn sie hierzulande ebenbürtig behandelt werden, sie bringen durchschnittlich jedoch unterschiedliche Voraussetzungen mit zur Akutversorgung: „Sie waren zum Zeitpunkt des Ereignisses sieben Jahre älter als Männer, wiesen in höherem Ausmaß bereits bestehende Behinderungen auf und hatten schwerere Schlaganfälle“, erläutert OÄ Dr. Ferrari. „Außerdem fiel bei den Patientinnen das funktionelle Behandlungsergebnis schlechter aus, die Sterblichkeitsrate präsentierte sich aber als geringer.“

Oft folgen weitere Beschwerden
Nach einem Schlaganfall ist die Gefahr jedoch - das gilt für alle - keineswegs gebannt. „Sie“ klagt danach häufiger über Depressionen, Osteoporose und hat mit Schmerzzuständen zu kämpfen, die für einen Langzeiterfolg der Therapie natürlich mitbehandelt werden müssen. „Er“ leidet zusätzlich öfter gleichzeitig an Herzerkrankungen und Diabetes. Eine Analyse zeigte, dass sich die Rate an nachfolgender Rehabilitation bei beiden Geschlechtern die Waage hält. Frauen sollten allerdings früher zur Rehabilitation kommen, da das den Erfolg verbessern kann.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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