Sa, 20. Oktober 2018

Pubertät

30.04.2018 06:00

„Du bist nicht auszuhalten!“

Vom Kind zur Frau. Es geht rund im Körper und in der Psyche von Mädchen, wenn die Hormone aktiv werden - eine schwierige Zeit für Betroffene und ihre Eltern. Warum die Pubertät ein wichtiger Prozess ist. 

So manche Jugendliche ist nicht wiederzuerkennen. „Nette“ Kinder verwandeln sich plötzlich in kratzbürstige, launische Teenager, die zwischen Höhen und Tiefen hin und her gebeutelt werden. „Zeitpunkt und Tempo der Pubertät werden unter anderem durch ein Netzwerk regulatorischer Gene bestimmt“, erklärte Dr. Gerhard Köstl, LKH Hochsteiermark-Leoben, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde auf einer Fachtagung in Linz. „Auch Umgebungs- und Umweltfaktoren spielen eine Rolle wie Ernährung, Erkrankungshäufigkeit, psychosoziale Faktoren usw.“

Kalorienreiche Nahrung wird als ein Faktor gesehen, warum die Pubertät immer früher einsetzt. Wann es losgeht und wie lange die Phase des Erwachsenwerdens dauert, ist individuell. Hormone geben das Startsignal für die psychischen und körperlichen Veränderungen. Die Schaltzentrale dafür befindet sich im Zwischenhirn, (Hypothalamus). Sie aktiviert die Ausschüttung des Botenstoffes GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon), der die Hirnanhangdrüse anregt, die beiden Botenstoffe FSH und LH zu bilden. Diese wiederum bringen die Eierstöcke dazu, die Sexualhormone Östrogen und Testosteron zu produzieren. Das Wachstumshormon Somatotropin in Zusammenwirken mit dem so genannten Insulin-like growth factor 1 sowie die Sexualhormone verpassen den Mädchen einen deutlichen Größenschub, und im Laufe der Jahre bilden sich die weiblichen Körperformen und Geschlechtsmerkmale aus. Zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr setzt die Regelblutung ein, meist jedoch im Alter von 12 bis 14 Jahren.

Wer bin ich, was will ich?
Es geht also ziemlich rund im jungen Körper, kein Wunder, wenn auch die Psyche Achterbahn fährt. „Die Pubertät betrifft die Phase des körperlichen Heranreifens, die Adoleszenz - der letzte Abschnitt zwischen Pubertät und Erwachsenenalter - den psychischen Reifungsprozess, vor allem was Emotionen, Sozialisation und Intellekt betrifft“, erklärt Prof. Dr. Sabine Völkl-Kernstock, leitende Klinische Psychologin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, AKH/Medizinische Universität Wien und Mitglied des Expertenbeirats der Plattform für interdisziplinäre Kinder- und Jugendgynäkologie Österreich.

„Charakteristisch für die Adoleszenz ist das Schwanken zwischen Extremen und der Suche nach der Persönlichkeit als Erwachsener. Jugendliche streben einerseits nach Selbstständigkeit und Selbstbestimmung, andererseits stellt sich oft Verunsicherung auf dem Weg zu ihrer Identität ein.“ Sie sind sehr kreativ, möchten vieles ausprobieren neu gestalten, loten Grenzen aus und überschreiten sie mitunter. Vergleichbar mit der zweiten Trotzphase werden Werte und Sichtweisen der Eltern in Frage gestellt.

Schmetterlinge im Bauch
Jugendliche erleben auch erstmals, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein. Dr. Gerhard Köstl erklärt: „Liebe ist Chemie. Sie erzeugt einen angenehmen Rauschzustand - aber ohne krasse Nebenwirkungen. Die Sexualhormone Östrogen und Testosteron sind dabei tonangebend.“ Welche Botenstoffe und chemischen Substanzen lösen Schmetterlinge im Bauch aus? Dopamin erhöht die Aufmerksamkeit, Noradrenalin lässt das Herz vor Freude „springen“ und Hunger vergessen. Phenylethylamin steigert das erotische Interesse. Sinkt der Spiegel des Glückshormons Serotonin, steigen Sehnsucht und Entzugserscheinungen. Gehen Mädchen eine Beziehung ein, verdanken sie den Hormonen Oxytocin und Vasopressin das Gefühl von Nähe, Vertrautheit und Zusammengehörigkeit.

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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