Di, 19. Juni 2018

Die nächste Generation

18.04.2018 09:25

Der neue Mercedes Sprinter: Doppelt revolutionär

Mercedes legt die nächste Generation des Sprinter auf - es ist die erste, seit es den legendären Transporter nicht mehr nahezu baugleich als Volkswagen Crafter gibt. Der neue VW läuft bereits seit vergangenem Jahr auf der Straße, im Juni zieht nun Daimler nach und startet in zweierlei Hinsicht eine Revolution: Künftig ist der Sprinter auch mit Frontantrieb erhältlich und in Sachen Digitalisierung stößt er in neue Welten vor.

VW hat den Crafter völlig neu konstruieren müssen, während Mercedes den Sprinter in aller Ruhe weiterentwickeln und dabei Bewährtes behalten konnte. Dass Daimler von seinem Transporter in dessen Auslaufjahr mehr verkauft hat denn je, darf als Argument dafür gelten, dass dieser Ansatz der richtige ist. So bleibt antriebsseitig einiges beim Alten und wird erst in drei Jahren ersetzt, die Grundkonstruktion ändert sich nicht, ebenso wenig alle Maße in den Laderäumen. Dadurch können Kunden ihre Ein-, Auf- und Umbauten problemlos weiterverwenden.

Neue Möglichkeiten dank Frontantrieb
Der optionale Frontantrieb hat zweierlei Auswirkungen, nämlich auf den täglichen Einsatz wie auch auf die grundsätzlichen Marktchancen:

- Die Ladefläche liegt um acht Zentimeter tiefer, was das Be- und Entladen erleichtert, egal ob für einen Botendienst oder beim Transport von Motorrädern. Außerdem steigt dank ansonsten identischer Maße auch das Ladevolumen entsprechend und die maximale Zuladung erhöht sich um 50 Kilogramm.

- Erstmals kann der Sprinter als reiner „Triebkopf“ angeboten werden, also als Frontteil für teilintegrierte Wohnmobile. Damit sagt Mercedes dem gleichsam allgegenwärtigen Fiat Ducato den Kampf an und setzt alles daran, ihm Marktanteile wegzunehmen.

„Sie wünschen, wir spielen“
Auch ansonsten sind die Stuttgarter zu allem bereit, die Bandbreite des Angebotenen ist immens: Sechs Karosserievarianten, vier Aufbaulängen, drei Laderaumhöhen sowie Tonnagen zwischen 3,0 und 5,5 Tonnen stehen zur Wahl. Dazu (neben Frontantrieb) Hinterradantrieb oder zuschaltbarer Allradantrieb, wahlweise mit Untersetzung, jedenfalls mit erhöhter Bodenfreiheit (vorne plus zwölf, hinten plus neun Zentimeter. Auch Fahrwerke gibt es für jeden Einsatzzweck, von GFK-Blattzugfedern bis zu Luftfahrwerk.

Als Antrieb steht der bekannte 2,1-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor in drei Leistungsstufen zur Verfügung: 114, 143 oder 163 PS bzw. mit Frontantrieb 114, 143 oder 177 PS (Letztgenannter nur für Reisemobile). Zur Wahl stehen manuelle Sechsganggetriebe, bei Hinterradantrieb und neu auch bei Allradantrieb die bewährte Siebengangautomatik, bei Frontantrieb eine neue ZF-Neungangautomatik. Außerdem: ein Dreiliter-Sechszylinder-Diesel mit 190 PS. Wichtig: Bei den Dieseln wurde der AdBlue-Tank von 18 auf 22 Liter vergrößert. Möglicherweise wird irgendwann ein Vierzylinder-Benziner nachgereicht, der vorläufig den USA und Kanada vorbehalten bleibt. Insgesamt sprechen sie bei Mercedes von 1700 möglichen Varianten.

Von Hackler bis Hochgenuss
In Sachen Ausstattung passt sich der Sprinter allen Anforderungen an, vom einfachen Baustellen-Laster ohne Radio bis zum Nobel-Van mit Pkw-Anmutung und dem MBUX (= Mercedes-Benz User Experience) genannten Super-Navitainment, das gerade erst in der Mercedes A-Klasse eingeführt wurde, ist alles möglich. In der höchsten Ausbaustufe gibt es einen 10,25-Zoll Touchscreen, der per Fingertipp oder über Blackberry-Felder am Lenkrad bedient wird. Auch die intuitive Sprachsteuerung wurde aus der A-Klasse übernommen. Diese Variante wird man wohl am ehesten in hochwertigen Reisemobilen finden.

Eine Preisklasse tiefer bietet Mercedes ein Sieben-Zoll-Display an, wiederum darunter ein einfaches Radio mit Bluetooth-Funktion. Basis ist eine schlichte Radio-Vorbereitung. Und wer nicht mal die haben will, bekommt ein blankes Ablagefach in der Mitte.

Digitalisierung all over
Allen Versionen (also auch der ganz ohne Radio) gemein ist: Sie sind Teil des neu eingerichteten Netzwerks „Mercedes PRO connect“ und können Daten senden/empfangen, was ungeahnte Möglichkeiten für das Flottenmanagement gibt. Dank in Paketen angebotenen Vernetzungsdiensten lassen sich z.B. Fahrzeuge überwachen, Werkstatttermine planen, Fahrstilanalysen erstellen oder auch digitale Fahrtenbücher führen. Ein Flottenmanager kann also etwa auf Verbrauchswerte und Verschleißanzeigen des Fahrzeugs zugreifen, dem Fahrer ein neues Fahrtziel samt Route ins Cockpit schicken und jederzeit sehen, wer sich wo befindet.

Das funktioniert natürlich über das MBUX-Display, aber nicht nur: Im Prinzip genügt ein Smartphone mit entsprechender App. So lässt sich sogar ein Sprinter mit reiner Hackler-Ausstattung in das Fuhrparknetz integrieren.

Moderne Assistenten, fast wie im Pkw
So gut, wie sich das Fahren im neuen Sprinter anfühlt, wundert man sich direkt, dass nicht die autonomen Fahrfunktionen aus der S-Klasse übernommen wurden. Aber in Wahrheit bleiben keine Wünsche offen: Der Radartempomat folgt dem Vordermann, der aktive Spurhalte-Assistent holt einen durch einseitige Bremsen auf den richtigen Weg zurück, der Aufmerksamkeitsassistent rät zur Pause und im Fall des Falles verhindert eine automatische Notbremsung das Schlimmste. Der Verkehrszeichenassistent kann per Piepston warnen, wenn man die erlaubte Geschwindigkeit überschreitet. Das nervt ein wenig, ist aber abschaltbar.

Auf Wunsch sind die Wasserdüsen in die Scheibenwischer integriert, die Scheinwerfer leuchten mit LEDs und auch für einfaches Rangieren kann gesorgt werden: einerseits mit Parksensoren, andererseits mit einem gestochen scharfen Rundum-Kamerabild. Wer Wert auf besonderen Sitzkomfort legt, bestellt Sitze mit dem Siegel der Aktion Gesunder Rücken. Sogar elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion wird angeboten. Bei Testfahrten mit Vorserienmodellen erwies sich das jedoch als unpraktisch, weil man die Verstellknöpfe während Kurvenfahrten versehentlich bedienen kann und dadurch ungewollt mit dem Sitz spazieren fährt. Dieses Problem soll bis zum Serienstart noch gelöst werden, verspricht Mercedes.

Serienmäßig starten alle Sprinter, ohne dass man einen Schlüssel ins Schloss stecken muss (Keyless Start), den Schlüssel braucht man nur, um per Knopfdruck die Türen zu entriegeln.

Unterm Strich
Es gibt beim Sprinter wohl nichts, was es nicht gibt, vielleicht sogar mehr, als die meisten brauchen werden. Aber wer den Markt dominieren will, muss alles drauf haben. Falsch macht Mercedes hier sicher nichts. Und dass der neue Sprinter ein wenig langweilig aussieht, ist gut für die optische Langlebigkeit. Ab Juni steht er beim Händler, die Preise beginnen bei 21.850 Euro netto.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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