Di, 24. April 2018

Weltpremiere

02.02.2018 20:26

Mercedes A-Klasse: Sitzprobe im Tausendsassa

Was für eine Entwicklung! Als die erste Mercedes-A-Klasse sich vor gut 20 Jahren beim Elchtest zerkugelte (aber nicht vor Lachen), war sie noch eine graue Maus für Senioren. Generation zwei machte eine Kehrtwendung hin zu einem Kompakten, der härter war als ein 1er-BMW - und jetzt? Jetzt schwingt sich die Mercedes-Einstiegsbaureihe zum totalen Navi-Info-Connectainment-Vorreiter auf. Und auch die Optik des Autos an sich ist gelungen - der Innenraum hat mehr Style als Größe bekommen.

Einen Design-Schwachpunkt haben sie in Stuttgart auf jeden Fall ausgemerzt: Die neue A-Klasse hat ein gelungenes Heck bekommen, auch wenn es ein wenig an Audi erinnert. Man muss sich nicht mehr genieren, wenn man jemanden überholt hat. Die ganze Karosserie ist angenehm unaufgeregt gestaltet. "Wir mussten bei dieser Generation nicht mehr so dick auftragen wie beim Vorgänger", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Weltpremiere in Amsterdam.

Es ist noch immer eng
Insgesamt ist die A-Klasse erwachsener geworden. Der Radstand wuchs um 30 Millimeter auf 2,73 Meter, die Spur um 14 mm die Außenlänge um zwölf Zentimeter auf 4,42 Meter. Der Innenraum ist in allen Dimensionen spürbar gewachsen, von opulenten Platzverhältnissen kann aber keine Rede sein. Vorne bleibt ein Rest von Höhleneindruck, weil die Windschutzscheibe sehr hoch ansetzt. Zudem ist der Türgriff etwas dem Fahrerknie im Weg. Auf der Rückbank ist der Knieraum noch immer zu eng. Die Kopffreiheit reicht gerade so für 1,90-Leute - weil die Rücksitzlehne auffallend flach steht. Da sitzt man in manch Kleinwagen besser.

Der Kofferraum fasst mit 370 Liter nun 29 Liter mehr, Das ist okay, aber im Konkurrenzvergleich nicht Spitze. Die Ladeöffnung fällt dank zweigeteilter Heckleuchten 20 cm breiter aus als bisher, zugleich ist der Boden des Kofferraums 11,5 cm länger.

Sehr eleganter Hightech-Innenraum
Der Innenraum bietet zwar nicht viel Platz, dafür umso mehr Hightech und Eleganz. Er wird dominiert vom langen, querformatigen, freistehenden Riesendisplay (analoge Instrumente sind abgeschafft). Dieses wiederum setzt sich aus zwei einzelnen zusammen (je nach Ausstattung 7 oder 10,25 Zoll groß), wobei das rechte immer ein Touchscreen ist. Zusätzlich wird dieses per haptischem Touchpad auf der Mittelkonsole und per Gleitfeld am Lenkrad (am rechten Daumen) bedient. Das Gleitfeld links am Lenkrad ist mit dem Tacho-Display verbunden. Mit bestechender Grafik lassen sich die tollsten Dinge einstellen, und das ohne zu verwirren. Ohne einem ausgiebigen Test vorgreifen zu wollen: Das erscheint alles sehr bedienerfreundlich.

MBUX heißt die Technik dahinter, Mercedes-Benz User Experience. Das System ist dank künstlicher Intelligenz lernfähig und soll ganz normale Sprache verstehen, sogar mit Akzent. Es hört auf das Kommando "Hey Mercedes". Das Navi kann Augmented-Reality-Hinweise einblenden.

Bisher haben Autohersteller digitale Innovationen grundsätzlich in den teuren Luxusklassen eingeführt, um sie dann nach unten sickern zu lassen. Mercedes-Benz führt das Digi-Highlight sozialverträglicher ein - obwohl sie sich diese Innovationen sicher gut bezahlen lassen werden.

Fahrassistenten wie in der S-Klasse
Die Scheinwerfer bestehen optional aus je 18 LEDs, die einzeln abgeschaltet oder gedimmt werden können, um ein Blenden anderer Verkehrsteilnehmer zu verhindern. Serienmäßig bremst sie vor Autos und querenden Fußgängern, beim Aussteigen warnt sie, im Fall dass sich ein Radfahrer nähert. Erstmals kann die A-Klasse in bestimmten Situationen autonom fahren, sogar selbständig die Spur wechseln. Der adaptive Tempomat passt die Geschwindigkeit jetzt auch bei z.B. Kurven, Kreuzungen oder Kreisverkehren automatisch an. Zur Sicherheit kann das Auto eine drohende Heckkollision erkennen und die Bremsen aktivieren, damit es beim Aufprall nicht ruckartig wegrollt. Im Notfall unterstützt die Lenkung aktiv ein Ausweichen.

Drei neue Vierzylindermotoren zum Start
Zur Markteinführung im Mai 2018 stehen zwei Benziner (1,4 oder 2,0 Liter, 163 oder 224 PS, beide mit Partikelfilter) und ein 1,5-Liter-Diesel (116 PS, mit SCR-Kat/AdBlue) bereit. Dass der Tank serienmäßig nur 43 Liter groß ist (otional 51 Liter), lässt hoffen, dass die Motoren auch im Alltag sparsam sind. Für den Diesel nennt Mercedes 4,1 l/100 km.

Wie die Motoren ist auch das optionale Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe eine Neuentwicklung. Es überträgt die Kraft an die Vorderräder oder über die weiterentwickelte 4matic an alle viere. Weitere Motorvarianten werden im Oktober nachgereicht.

Fahrwerke je nach Anforderung
Die McPherson-Vorderachse bleibt, an der Hinterachse haben nur noch die beiden Einstiegsmodelle den Verbundlenker, die übrigen Motorisierungen bekommen eine aufwendige Vierlenkerachse. Adaptivdämpfer gegen Aufpreis. Serienmäßig ist ein Komfort-Stahlfahrwerk, das Sportfahrwerk nennt Mercedes "15 mm tiefergelegtes Komfortfahrwerk".

Unterm Strich
Die neue A-Klasse ist Daimlers neuer Digital-Technologieträger. Was die Funktion als Auto angeht, ist sie allerdings zwangsläufig nicht so revolutionär wie ihr Vorgänger, der ja beinahe verbrannte Erde in der Baureihe hinterlassen hat. Aber irgendwie ist es logisch, dass die A-Klasse technisch so auftrumpft - immerhin haben wir ihrem Vorvorgänger letztlich die flächendeckende Einführung des ESP zu verdanken. Ins Schleudern kommen dürften nun eher die Kunden, die teure Technik wird der Daimler kaum verschleudern. Und die Konkurrenz. Der Vorsprung durch Technik liegt jetzt bei Daimler, die Freude am Fahren checken wir, sobald wir eine A-Klasse in die Finger bekommen.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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