Do, 21. Juni 2018

Es ist unvermeidlich

17.04.2018 10:55

Studie der TU Wien: Digitalisierung kostet Jobs

Die digitale Transformation wird praktisch alle Gesellschaftsbereiche beeinflussen. Insbesondere Wirtschaft und Industrie werden in den nächsten fünf Jahren große Veränderungen erfahren, Arbeitsplatzverluste werden unvermeidlich sein. Das sagten Experten in einer Delphi-Studie der Technischen Universität (TU) Wien über Auswirkungen des digitalen Wandels, deren Ergebnisse nun präsentiert wurden.

Das Centre for Informatics and Society (CIS) der TU Wien hat für das Prognoseverfahren 32 Experten aus Europa, Asien und Nordamerika befragt. Es wollte wissen, welche Gesellschaftsbereiche in Zukunft von der digitalen Transformation betroffen sein werden, welche Auswirkungen sie auf die globalen Herausforderungen haben wird, welche Problemfelder sich dadurch auftun und welche Technologien die größte Rolle spielen. Digitale Transformation wurde dabei für die Studie definiert als „Veränderungsprozess der Gesellschaft, ausgelöst durch die Entwicklung digitaler Technologien, welche Informationen verbreiten, verarbeiten, teilen und übertragen“, wie Studienautor Florian Cech erklärte.

Bei keinem der abgefragten Gesellschaftsbereiche erwarteten die Experten keine oder nur geringe Umbrüche durch die digitale Transformation. An der Spitze standen Wirtschaft und Industrie, wo in den nächsten fünf Jahren die größten Veränderungen zu erwarten seien. Vor allem Automation und Industrie 4.0 seien dort die Treiber. Einig waren sich die Experten auch, dass Arbeitsplatzverluste durch die digitale Transformation unausweichlich seien, unterschiedliche Ansichten gab es aber über das Ausmaß und wie schnell die Verluste eintreten.

Herausforderung: Privatsphäre und IT-Sicherheit
Bei den Problemfeldern erachteten die Experten vor allem die Gefährdung der Privatsphäre und die Computersicherheit als „sehr wichtig“. Für die Befragten sei die Aufklärung der Bürger wichtig, es gebe aber kein allumfassendes Modell, wie man die Privatsphäre online sicherstelle, sagte Cech. „Technokratische Problemlösung wird als Irrweg angesehen“, so der Studienautor, es herrsche Übereinstimmung, dass man Probleme nicht nur technisch lösen könne und man auf den Menschen nicht vergessen dürfe.

Uneinigkeit herrschte zwischen den befragten Experten hinsichtlich des Einflusses der digitalen Transformation auf Regierung, Politik und Verwaltung. Auf der einen Seite wurde argumentiert, dass der Wandel massive Einflüssen haben werde, als Beispiele wurden Fake News und zielgerichtete politische Propaganda genannt. Auf der anderen Seite wurde die Trägheit politischer Systeme ins Spiel gebracht, wobei die dadurch verursachte Verlangsamung durchaus positiv gesehen wird.

Keine Folgen für globale Herausforderungen
„Überrascht hat uns Techniker mit Informatik-Hintergrund in der Studie, dass nach Expertenmeinung die globalen Herausforderungen von der digitalen Transformation nicht primär beeinflusst werden“, sagte die Vorsitzende des CIS-Beirats, Hilda Tellioglu. Digitale Technologien hätten zwar durchaus das Potenzial, Herausforderungen wie globale Migration, Klimawandel oder Ressourcenmangel positiv oder negativ zu beeinflussen. Der politische Wille sei jedoch ein wesentlich größerer Einflussfaktor als die Existenz der Technologien an und für sich.

Als einflussreichste Technologien in den kommenden fünf Jahren nannten die Experten mit hoher Übereinstimmung Machine Learning und Big Data mit „sehr starkem Einfluss“ sowie Automation, Industrie 4.0, Social Media, Internet of Things und ein ubiquitärer Internetzugang mit „starken Einfluss“. Dagegen wird Gebieten wie Quantum Computing und Bio-Engineering vergleichsweise geringer Einfluss zugeordnet, weil diese entweder noch zu unausgereift wären oder ihre Wirkung mehr von politischen Umständen als vom Potenzial der Technologien selbst abhänge.

 krone.at
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