Mi, 19. Dezember 2018

„Europa muss es tun“

24.03.2018 12:15

US-Forscher fordert Zerschlagung der IT-Giganten

Der renommierte US-Marketingprofessor Scott Galloway hat vor einer Übermacht der vier Tech-Giganten Google, Amazon, Facebook und Apple gewarnt und eine Zerschlagung der Konzerne gefordert. Als Monopolisten verhindern sie Innovation und Fortschritt, ihre Gewinne gingen zulasten kleinerer Unternehmen und zudem würden sie kaum Steuern zahlen, sagte er auf einer Digitalkonferenz in Hamburg.

„In den vergangenen drei Monaten hat Amazon seinen Börsenwert um den Gesamtwert von Walmart vergrößert. Trotz der Tatsache, dass Amazon in den vergangenen zehn Jahren 1,4 Milliarden Steuern gezahlt hat und Walmart 64 Milliarden“, sagte der Wissenschaftler und Bestseller-Autor („The Four“). Unerwähnt blieb jedoch, dass Amazon angesichts hoher Investitionen in den vergangenen Jahren auch nur sehr geringe Gewinne verzeichnet hat.

Galloway, der wegen eines Schneesturms in New York nicht nach Hamburg kommen konnte und per Satellit zugeschaltet worden war, sagte weiter: „Der Schlüssel zum Kapitalismus sind wettbewerbsfähige Märkte, doch die Märkte sind nicht mehr wettbewerbsfähig.“

„Europa muss tun, wozu wir nicht fähig waren“
Laut dem Kritiker der Tech-Schwergewichte könnten die vier Konzerne viel zu frei agieren, Strafen blieben aus, oder seien deutlich zu schwach. Er appellierte an Europa, massiver gegen die Unternehmen vorzugehen. Das hätte die USA nicht hinbekommen. „Europa muss das tun, wozu wir nicht fähig waren.“

Bei der Konferenz stand außerdem Zalando-Gründer Robert Gentz auf der Bühne. Der Online-Modehändler hatte angekündigt, seine Produkte noch stärker mit Hilfe von Computerprogrammen zu vermarkten und deshalb bis zu 250 Stellen im Marketing abzubauen. „Das ist absolut nicht leichtgefallen“, sagte Gentz. Aber über die Jahre habe sich eine Komplexität bei Zalando im Marketing aufgebaut, „so dass wir sehr langsam geworden sind“. Parallel habe sich der Markt sehr schnell entwickelt, sei komplexer und technologiebasierter geworden.

Zalando-Chef räumt zu geringe Frauenquote ein
Selbstkritisch gab sich Gentz auch mit Blick auf die Tatsache, dass es bei Zalando kaum Frauen in den Top-Führungspositionen gebe, obwohl der weitaus größere Teil der Kundschaft weiblich sei. „Das ärgert mich selbst, dass wir nicht die Frauenquote haben, die wir haben sollten“, sagte er und versprach, daran zu arbeiten.

Am Freitagabend war noch Metallica-Drummer Lars Ulrich als Redner angekündigt, der als Kenner der digitalen Szene gilt. Zu der zweitägigen Veranstaltung waren bis zu 40.000 Besucher erwartet worden. Traditionell geht es bei den „Online Marketing Rockstars“ aber auch um Partys und Konzerte.

 krone.at
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