Do, 13. Dezember 2018

Analog trifft Digital

16.04.2018 06:18

Garmin vivomove HR: Smarte Uhr mit Zeitproblem

Analog trifft Digital: Sogenannte Hybrid Smartwatches vereinen die ansprechende Optik klassischer Zeitmesser mit der Funktionalität moderner Computeruhren. Einer der jüngsten Mitbewerber in dem boomenden Segment: Garmins vivomove HR. krone.at hat die „analoge Fitness-Tracker-Uhr“ getestet.

Die wasserdichte vivomove HR ist in zwei Varianten erhältlich: Als elegante Premium-Version mit wahlweise gold- oder silberfarbenem Gehäuse plus dazugehörigem hell- oder dunkelbraunen Lederarmband sowie als schnödere Sportversion für Sie (roségold) oder Ihn (schwarz) mit Silikonarmband. Gegenüber dem Vorgängermodell hat sich die Farbgebung demnach nicht geändert, wohl aber das Design des Ziffernblattes, das ohne die beiden halbkreisförmigen Statusanzeigen nun deutlich aufgeräumter daherkommt. Zudem verzichtet Garmin beim aktuellen Modell auf die Krone.

Einstellungen werden stattdessen per Touch über ein nur 64 x 128 Pixel großes OLED-Display vorgenommen, dass sich dem Nutzer erst offenbart, wenn dieser den Arm zum Blick auf die Uhr hebt oder zweimal kurz hintereinander auf diese tippt. Theoretisch. In der Praxis braucht es mitunter mehrere Anläufe bzw. energischeres Tippen, um die Anzeige zu offenbaren und anschließend mit seitlichen Wisch-Bewegungen durch die Einstellungen zu navigieren. Nicht selten kommt es dabei leider vor, dass man tiefer in die Menüs vordringt als einem lieb ist, verträgt sich das kleine Display doch nur bedingt mit großen Fingern.

Clever gelöst ist, dass die analogen Zeiger bei Aktivierung des Displays zur Seite schwenken, um den Blick auf dieses freizugeben. Unschöner Nebeneffekt: Die Zeiger scheinen dabei bei vielen Geräten – so auch unserer Test-Uhr - außer Takt zu geraten. Mehrfach kam es im Testzeitraum vor, dass die analoge Zeit merklich (20 Minuten und mehr) von der digitalen abwich. Kein Einzelfall, wie ein Blick in die diversen Garmin-Foren zeigt. Das Problem dürfte demnach bekannt sein, eine offizielle Lösung gibt es bislang aber nicht. Zwar können Nutzer die Zeiger manuell konfigurieren und somit wieder eichen (siehe Video unten), doch dies ist mühsam und behebt das Problem nur temporär. Auch die Synchronisation per App mit dem Smartphone oder GPS-Nutzung brachte keine Abhilfe. Für Betroffene bedeutet dies: Sie können sich nur auf die digitale Zeitanzeige verlassen – ein doch erhebliches Manko.

Abstriche müssen Nutzer auch bei den Smart- und Aktivitätsfunktionen in Kauf nehmen. Einmal per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt, finden u.a. Wetter-Informationen und Benachrichtigungen zwar zuverlässig von diesem ihren Weg auf die Uhr, aufgrund der winzigen Anzeige bereitet das Lesen – erst recht unter direktem Sonnenlicht - aber nicht gerade Freude. Wenn es ans Sporteln geht, macht sich dagegen das Fehlen eines integrierten GPS-Sensors bemerkbar. Zurückgelegte Distanzen werden stattdessen mithilfe des Beschleunigungsmessers ermittelt, der im direkten Vergleich mit der Garmin Fenix 3 jedoch nicht deren Präzision erreicht.

Für ambitionierte Sportler dürften daher andere Modelle die erste Wahl sein, zumal sich auch das Angebot an vorinstallierten Aktivitätsprofilen für Kraft- und Cardiotraining in Grenzen hält. Apps für etwa Biken oder Schwimmen fehlen zur Gänze. In erster Linie zählt die vivomove eben Schritte und – darauf lässt bereits das Kürzel HR schließen – misst den Puls. Dies allerdings zuverlässig und wie von Garmin versprochen rund fünf Tage am Stück. Danach lässt sich die Uhr mit einer Akkuladung rund weitere zwölf Tage ohne smarte Features nützen.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem einfachen Fitness-Tracker mit präzisem Pulsmesser und ansprechendem Design ist, ist bei der ab rund 200 Euro erhältlichen vivomove HR gut aufgehoben. Ambitionierte Sportler dürften dagegen aufgrund des fehlenden GPS, entsprechender Apps und dem zu kleinen Display bei anderen Smartwatches aus der Fenix- oder Forerunner-Serie besser aufgehoben sein. Schwer wiegt zudem der Umstand, dass die analoge Zeitmessung - zumindest bei unserem Testgerät - nicht präzise funktioniert. Hier hat Garmin dringend und schnell nachzubessern, denn was nützt die analoge Anzeige, wenn sie schlichtweg falsch ist?

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle

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