Der Mini liefert ein Cabriovergnügen, wie ich es mir vorstelle: Die kleine Scheibe bietet gerade mal so viel Schutz wie unbedingt nötig, steht dabei gefühlt senkrecht, während rundherum nichts als Luft ist. Wenn mal ein fettes Insekt am Außenspiegel zerstaubt und sich über mein Hemd verteilt, weiß ich, ja, ich bade in Wind und Natur. Top: Die aktuelle Version hat nicht mehr diese aufragenden Chrombügel hinter den Rücksitzen, sondern einen verborgenen Überrollbügel, der im Notfall nach oben schnellt.
Haken schlagen und surfen
Ich fühle mich mit der Straße auf das Intensivste verbunden, das Fahrwerk (im Testwagen mit der optionalen, aber aufpreisfreien sportlichen Abstimmung) ist knackig und beinhart, die Lenkung gnadenlos direkt, der Radstand so kurz, dass man am liebsten dauernd Haken schlagen möchte. Wer gerne auf mehrspurigen Straßen durch die Reihen surft, hat hier das passende Board dafür. Dazu kommt der extrem spritzige Motor, der mit seinen 175 PS ziemlich andrückt. 7,4 Sekunden von 0 auf 100, mit den 1.230 kg Leergewicht hat er leichtes Spiel. Bei Ampelsprints bist du Seriensieger, solange die Straße trocken ist, sonst wärmst du eher das Wasser unter den Vorderrädern.
Der 1,6-Liter-Twin-Scroll-Turbo klingt nicht mehr so rotzig frech wie früher, er brabbelt nur noch ganz leise. Allerdings macht er bei untertourigem Fahren mit tiefen Frequenzen ganz auf dicke Hose. Zu Recht, schließlich liefert er ordentlich Punch, wenn man ihn lässt.
An die 175 PS und 240 Nm (ab 1.600/min., kurzzeitig 260 Nm), die auf die Vorderräder wirken, muss man sich etwas gewöhnen. Das Fahrverhalten ist natürlich nervös, starkes Beschleunigen auf unebenem Grund erfordert zwei feste Hände am Lenkrad, damit es einen nicht in den Gegenverkehr versetzt. Wenn man das weiß und sich darauf einstellt, lässt sich’s damit aber ausgezeichnet leben. Sagen wir, das Fahrverhalten ist das Gegenteil einer Mercedes-E-Klasse. Was wiederum nach einem Kaufargument für diejenigen klingt, die partout kein Auto haben wollen, das die Eltern fahren.
Das Sechsganggetriebe ist herrlich butterweich, aber extrem knackig und auf kurzen Wegen zu schalten. Man spürt kaum, wie es durch die Gassen gleitet. Besser kann man es sich nicht wünschen.
Ein Hoch auf das Verdeck!
Auf die ganz junge Klientel zielt der Always-Open Timer, ein Rundinstrument neben dem Drehzahlmesser, das anzeigt, wie lange man schon mit geöffnetem Verdeck unterwegs war. Eine völlig unnötige Spielerei, für die ich wahrscheinlich schon zu alt bin, aber etwas, das sonst keiner hat. Was auch kein anderes Cabrio hat, ist das integrierte Schiebedach: ein großartiger (und auch sehr großer!) Luft- und Freudenspender für den Fall, dass man gerade nicht das ganze Dach öffnen möchte.
Das Öffnen und Schließen des Verdecks funktioniert elektrisch in 20 Sekunden, und das sogar während der Fahrt bis immerhin 30 km/h. Also kein Stress an roten Ampeln. Weniger ideal ist, dass die Sicht durch das Stoffdach immer beeinträchtigt ist: Wenn es geschlossen ist, sieht man hinten seitlich nichts (blöd beim Einparken), ist es offen, kann man sich den Blick in den Rückspiegel fast sparen. Ein wenig so, wie früher beim VW-Kübelwagen oder im Käfer-Cabrio.
Und dann die Sache mit dem Navi...
Betont flippig ist man an das Thema Navigationssystem herangegangen. Es ist herausnehmbar und hat eine Halterung, an der man es rund um den Drehzahlmesser platzieren kann. Klingt ja ganz lustig, nur leider wird es in JEDER Position mehr oder weniger vom Lenkrad verdeckt. Die Bedienung ist umständlich, außerdem ist wenig vertrauenerweckend, dass es im Wiener Kaisermühlentunnel eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h anzeigt. Für Nicht-Wiener: Dort gilt Tempo 80 und die Section Control straft bekanntermaßen besonders streng. Nicht ganz so (aber auch) ärgerlich ist, dass unter den Favoriten alle Stützpunkte des Navi-Herstellers Garmin abgespeichert sind. Da kann ich mich echt nur fragen was soll das?! Außerdem klappert und vibriert es. Geschmackssache sind dagegen die beiden wandernden Turnschuhe, die die aktuelle Position anzeigen. Kurz: Es ist die 389,-- Euro nicht wert. Lieber das Hakerl auf der Aufpreisliste weglassen und ein mobiles Navi besorgen. Oder das ins zentrale Rundinstrument integrierte große Navigationssystem wählen. Aber das kostet richtig Asche.
Platz ist im kleinsten Mini, zumindest für zwei Leute. Mein Knie verdeckt zwar den Türlautsprecher, aber ich sitze richtig gut. Die Rückbank dient eher für Gepäckbeförderung (Rücklehne ist umklappbar) oder für die Befestigung eines Kindersitzes. Fußraum ist keiner vorhanden, wenn vorne zwei große Erwachsene sitzen. Der Kofferraum fasst 125 Liter, die eigentlich durch eine schmale Luke zu befüllen sind, aber Mini denkt mit: Wenn man zwei Hebelchen löst, hebt er die Oberkante etwas hoch, was das Beladen vereinfacht. Das funktioniert nur bei geschlossenem Verdeck.
Fazit: Ein Spaßmobil für Junge und Junggebliebene, dabei gar nicht mal so unvernünftig. Der Normverbrauch von 6,4 Litern ist zwar nicht zu erreichen (außer man fährt völlig spaßbefreit), aber 8 l/100 km sind drin, was für ein so starkes Auto sehr okay ist. Bei sehr ambitionierter Fahrweise wird es natürlich durchaus zweistellig, aber man hat es in der Hand.
Umsonst ist der Spaß nicht: Der gut ausgestattete Testwagen kostet über 33.000 Euro, Grundpreis für den Cooper S ist knapp 28.000 Euro, in der Basisausstattung mit 120 PS kostet das Cabrio 22.990 Euro.
Stephan Schätzl
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