Im Belgrader Sava Centar wird am Donnerstag über die Zukunft des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (FIS) auf höchster Ebene entschieden. Beim 57. FIS-Kongress ist die Präsidentenwahl der spannendste Programmpunkt. Der umstrittene schwedisch-britische Unternehmer und Amtsinhaber Johan Eliasch wird nun nur noch von dem vom ÖSV bevorzugten Liechtensteiner Alexander Ospelt herausgefordert. Für das 18-köpfige FIS-Council bewirbt sich u.a. der Österreicher Michael Huber.
Insgesamt fünf Kandidaturen für die Präsidentschaft waren vorgelegen, doch Ende Mai hatten die Dänin Anna Harboe Falkenberg und der US-Amerikaner Dexter Paine ihre Bewerbung jeweils zurückgezogen. Zu Wochenbeginn vollzog nun auch die Britin Victoria Gosling diesen Schritt. Sie hatte auf dem Ticket des britischen Verbandes kandidiert. Dieser zog sie damit diesmal Eliasch vor. Auch Schweden nominierte ihn nicht. In der Folge beschaffte sich Eliasch einen georgischen Pass und erreichte auf diesem Weg seine Wiederkandidatur.
Scherer, Stadlober, Larcher für ÖSV vor Ort
Der ÖSV ist mit dem möglichen Maximum von drei Personen beim Kongress vor Ort. Außer Scherer als stimmführendes Delegationsmitglied sind Präsidentin Roswitha Stadlober und mit Fabian Larcher der Jurist des Verbandes vor Ort. Sie werden für den von Liechtensteins Verband nominierten Ospelt stimmen. Der 58-Jährige darf zudem auf Zustimmung auf breiter Front hoffen. Es gebe seit längerer Zeit intensive Abstimmungen unter Verbänden, wie Scherer ausführte. Die bekannten großen Nationen seien vereint. „Man ist sehr positiv.“
„Schweiz, Deutschland, Italien, Norwegen, USA, Kanada“, zählte Scherer als wichtige ÖSV-Mitstreiter auf. „Man hat eine einhellige Meinung.“ Dass Ospelt der insgesamt sechste FIS-Präsident wird, davon ist der Osttiroler überzeugt. „Ich glaube, dass sehr viele den Wechsel herbeisehnen und davon gehen wir auch aus, dass das passieren wird.“ Ospelt ist seit zwei Jahren Mitglied des FIS-Councils und stand dem Skiverband Liechtensteins von 2016 bis 2023 vor. Von 2021 bis 2024 war er zudem Vizepräsident des Europäischen Ski- und Snowboard-Verbandes (FESA).
Herausforderer Ospelt tritt als Brückenbauer auf
Für den ÖSV ist Ospelt der klar zu favorisierende Kandidat. „Er hat eine besonnene, ruhige, analytische Art, die Dinge intern anzusprechen und als Teamplayer zu fungieren“, beschrieb der im September aus seinem Amt scheidende Scherer die Vorzüge Ospelts. Dieser sei „gepaart mit seiner Passion für den Schneesport als Teamplayer erfolgreich.“ In seiner Bewerbung für das Amt, in dem es auch stark um die Klima- und Umweltfrage geht, trat der Herausforderer als Brückenbauer auf. Es sollen alle auf Augenhöhe diskutieren, der Jurist setzt auf Transparenz.
Das hat Eliasch bisher seinen Kritikern zufolge nicht gemacht. Nun warb er damit, dass die FIS unter ihm bis 2030 insgesamt 100 Millionen Euro Profit machen würde. Der 64-Jährige hatte am 4. Juni 2021 die Nachfolge des im Monat danach verstorbenen Schweizers Gian Franco Kasper angetreten. 2022 wurde Eliasch in Mailand ohne Gegenkandidat wiedergewählt. Das damalige Wahlprozedere mit Nichtanerkennung von Nein-Stimmen war eine von vielen Misstönen. Der ÖSV zog damals dagegen mit der Schweiz, Deutschland und Kroatien vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS).
Nun meinte Scherer, dass der damalige Kongress okay gewesen sei. „Unterschiedliche Meinungen gehören in einer Demokratie zum täglichen Leben und respektiert“, sagte der 41-Jährige. „Wenn sie Personen aber nicht respektieren, erkennt man schon alleine das Grundproblem, das man hat.“ Scherer attestiert Eliasch, viele Dinge angestoßen zu haben, er sei aber in einigen Punkten kläglich gescheitert. „Ein Wechsel an der Spitze ist daher die logische Konsequenz.“ Die Finanzsituation der FIS soll sich unter Eliasch merklich verschlechtert haben, Scherer fordert einen Kassasturz.
Stars wie Odermatt stellen sich gegen Eliasch
Öffentlich sprachen sich zuletzt auch aktive Stars wie Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin gegen eine weitere Amtszeit von Eliasch aus. Ihm wird im Grunde vorgeworfen, die FIS wie ein Unternehmen statt wie einen Verband zu führen. In einem Interview für die „Süddeutsche Zeitung“ drückte Lucas Pinheiro Braathen seine Enttäuschung über den FIS-Boss aus. „Die finanzielle Lage in unserem Sport sieht katastrophal aus“, erklärte der für Brasilien startende Olympiasieger. Der Riesentorlauf-Weltcupgewinner ruft zur Kooperation mit den Aktiven auf: „Lasst uns das Produkt erweitern.“
Jüngst erhielt die Front gegen Eliasch weitere Nahrung. Urs Lehmann trat als FIS-Geschäftsführer zurück. Der Schweizer war 2021 gegen Eliasch angetreten, wechselte im Vorjahr nach 17 Jahren als Präsident von Swiss-Ski aber zur FIS, um diese „mit vereinten Kräften in die Zukunft“ zu führen. Die Finanzen sollen nun der Auslöser für seinen Schritt gewesen sein. Zudem wurde Alexandra Meissnitzer vom FIS-Kongress ausgeladen, nachdem sie in den „SN“ infolge des Lehmann-Rücktritts u.a. von einem „großen Vertrauensverlust und wenig Transparenz“ gesprochen hatte.
An der Nebenfront treten für die 18 Plätze im FIS-Council 27 Personen an. Huber wurde 2024 an prominenter Stelle in dieses Gremium gewählt, gehört seit dem Vorjahr dem Finanzkomitee der FIS an und wurde vom ÖSV für die Wiederwahl nominiert. Scherer hofft, dass die Council-Wahl nicht durch die für die Präsidentschaft beeinträchtigt wird. Von Huber ist er überzeugt: „Wir haben mit dem Vorsitzenden der Internationalen Hahnenkammrennen ein sehr aktives und über die Grenzen hinaus – vor allem aufgrund seines Arbeitseinsatzes – respektiertes Vorstandsmitglied.“
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