„Sind keine Deponie“

Streit um Ebola-Einrichtung für US-Bürger: 1 Toter

Ausland
10.06.2026 09:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Ebola-Quarantänezentrum für US-Bürger hat am Dienstag in Kenia zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und wütenden Demonstranten ist mindestens ein Mensch getötet worden. Unterdessen steigen die Infektionen mit dem gefährlichen Erreger im Kongo gewaltig an.

Ein AFP-Reporter sah den Mann in der kenianischen Stadt Nanyuki mit einem Kopfschuss reglos am Boden liegen. „Sein Tod ist bestätigt“, sagte wenig später der Direktor der Hilfsorganisation Vocal Africa, Hussein Khalid.

Nach Angaben des Roten Kreuzes wurde ein weiterer Mensch durch einen Tränengas-Kanister verletzt. In Kenia selbst wurde noch nie ein Ebola-Fall registriert. In dem Quarantänezentrum auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia sollen US-Bürger unterkommen, die in der weiter westlich gelegenen Demokratischen Republik Kongo womöglich Kontakt mit dem Virus hatten. Das Zentrum soll über 50 Isolierbetten verfügen, von US-Mitarbeitern verwaltet werden und steht offenbar kurz vor der Fertigstellung.

Hier wird gerade ein Demonstrant von der Polizei festgenommen.
Hier wird gerade ein Demonstrant von der Polizei festgenommen.(Bild: AP/Brian Inganga)

Bereits Tote bei früheren Protesten
„Laikipia ist doch keine Deponie“, beschwerte sich die 47 Jahre alte Priscilla Waimani gegenüber AFP, die bei der Demonstration in eine kenianische Flagge gehüllt war. „Ich bin nicht glücklich mit der Entscheidung der USA, in unserem Land eine Quarantäneeinrichtung zu bauen.“

Bei früheren Protesten gegen die Einrichtung waren am 1. Juni laut Menschenrechtsgruppen zwei Menschen getötet worden. Zwischenzeitlich hatte das oberste Gericht die Aussetzung der Arbeiten verfügt, was allerdings nicht umgesetzt wurde.

Der kenianische Präsident William Ruto hatte den Bau des Quarantänezentrums vorangetrieben und erklärt, das Land schulde den USA Unterstützung. „Es wäre äußerst bedauerlich, wenn wir eine Anfrage der Amerikaner, auf ihre eigenen Kosten eine Anlage zu errichten, ablehnen würden, denn dann würden wir sehr unmenschlich aussehen“, hatte Ruto vergangene Woche erklärt.

Kongo meldet fast 600 bestätigte Ebola-Fälle
Die Demokratische Republik Kongo verzeichnet nach eigenen Angaben einen starken Anstieg der bestätigten Ebola-Fälle auf fast 600. Die Zahl der Infektionen mit dem Bundibugyo-Stamm des Virus sei auf 598 gestiegen, teilte die Regierung am Dienstag mit. 115 Menschen seien an der Krankheit gestorben, 22 Patienten hätten sich erholt. Der Ausbruch war am 15. Mai bekanntgegeben worden, blieb den Behörden zufolge jedoch wochenlang unentdeckt.

Mitarbeiter eines Ebola-Behandlungszentrums im Kongo
Mitarbeiter eines Ebola-Behandlungszentrums im Kongo(Bild: AP/Dirole Lotsima Dieudonne)

Die Epidemie wütet in drei von bewaffneten Konflikten geprägten Provinzen: Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. In Ituri seien 17 Gesundheitszonen betroffen, in Nord-Kivu sieben und in Süd-Kivu eine. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, bei Symptomen wie Fieber, Erbrechen, Durchfall oder starker Schwäche umgehend das nächste Gesundheitszentrum aufzusuchen. Misstrauen gegenüber Gesundheitspersonal und Angriffe auf Bestattungsteams und Behandlungszentren erschwerten die Bekämpfung.

Die Demokratische Republik Kongo gilt als eines der rohstoffreichsten Länder der Welt, leidet jedoch unter extremer Armut und schwacher Infrastruktur. Das zentralafrikanische Land hat bereits mehrere verheerende Ebola-Ausbrüche erlebt, darunter die zweitschwerste Epidemie weltweit von 2018 bis 2020 mit mehr als 2200 Toten.

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