Gratis-Fahrscheine

Ticketsystem der U-Bahn von Boston gehackt

Digital
12.08.2008 10:54
Mit einer einstweiligen Verfügung hat ein US-Bundesrichter eine Präsentation von drei Studenten auf der IT-Sicherheitskonferenz Defcon gestoppt. Zack Anderson, R.J. Ryan und Alessandro Chiesa wollten auf dem Kongress in Las Vegas zeigen, wie einfach sich das Ticketsystem der U-Bahn von Boston austricksen lässt, um sich kostenlose Fahrscheine zu verschaffen.

Zwei Tage vor dem geplanten Vortrag ging die Nahverkehrsbehörde im Großraum Boston, die Massachusetts Bay Transportation Authority (MBTA), vor Gericht. Die Gesellschaft machte geltend, dass auf dem Vortrag gezeigt werden solle, wie man ihr Ticketsystem hacken könne - noch bevor die Gesellschaft die Gelegenheit habe, diese Lücke zu schließen. Der Bundesrichter im Bezirk Massachusetts folgte dem Antrag und erließ eine einstweilige Verfügung.

Der technische Leiter der Verkehrsgesellschaft, Gary Foster, erklärte laut Gerichtsunterlagen, dass die Präsentation der MBTA "erheblichen Schaden zufügen" würde, wenn der Gesellschaft nicht Gelegenheit gegeben werde, die Systemfehler zu korrigieren. Es sei aber "äußerst wichtig", die Sicherheit und Integrität des Systems zu erhalten.

Nur "Forschungsergebnisse"
Die Studenten der in der Klageschrift ebenfalls genannten Elitehochschule Massachusetts Institute of Technology (MIT) wollen die Verfügung anfechten. Jennifer Granick von der für Bürgerrechte im digitalen Raum eintretenden Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) erklärte, die Studenten hätten lediglich ihre Forschungsergebnisse vorstellen wollen. Die entscheidende Information für das Hacken des Ticket-Systems hätte vertraulich behandelt werden sollen.

Hack-Anleitung bereits im Internet
Pech für den Verkehrsbetrieb: Die Präsentation wurde Teilnehmern der Konferenz bereits drei Tage vor dem Vortrag und damit auch vor der Klage der Bostoner Verkehrsbehörde auf einer CD übergeben. Bald darauf befanden sich erste Kopien der aus 87 Folien bestehenden Präsentation im Internet im Umlauf. Demonstriert wird unter anderem, wie der Magnetstreifen auf Tickets manipuliert werden kann und wie sich bei anderen Tickets die RFID-Technik knacken lässt. Eine Folie enthält den Warnhinweis: "Und das ist sehr illegal. Daher dient das folgende Material ausschließlich Bildungszwecken."

EFF-Aktivistin Granick kritisierte, dass ein Verbot solcher Präsentationen der Erforschung von Schwachstellen elektronischer Systeme schade. Wenn man Wissenschaftler daran hindere, über ihre Erkenntnisse zu sprechen, dann helfe dies nur den Kriminellen, sagte Granicki. "Die bösen Burschen halten weiter Ausschau nach Sicherheitslücken und werden sie auch finden."

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