Auslöser für das Gehetztsein: "Schneller unterwegs zu sein als mir gut tut", erklärte der Experte. Es handle sich um eine schleichende Entwicklung, bei der die inneren Regler verschoben würden: Was vom Betroffenen z. B. vor einem Jahr noch als krankhaft empfunden worden sei, sei nun normal, so Lalouschek. Wichtiges Korrektiv seien nahe stehende Personen: "Ernstnehmen, wenn Freunde sagen, dich sieht man ja gar nicht mehr."
Fragen, was im Leben wichtig ist
Was tun? Sich immer wieder fragen, was einem im eigenen Leben wichtig ist, rät der Neurologe. "Man muss einen Raum finden, in dem man seine Lebensführung evaluieren kann. Der Hamster muss sozusagen aus dem Hamsterrad, um das Leben überhaupt betrachten zu können", sagte Lalouschek. "Angenommen, es gibt ein Original von jedem von uns. Auf einer Skala von zehn bis eins, bei der zehn ganz ich bin und eins nur noch eine Kopie meiner selbst - auf welcher Stufe stehe ich gerade?"
Psychotherapie schon bei ersten Symptomen
Coaching-Angebote seien vor allem zur Vorbeugung gut; sind bereits Krankheitssymptome wie Depressionen und Schlafstörungen vorhanden, sei eine Psychotherapie nachhaltiger, so der Neurologe. Aber auch körperliche Ursachen müssten abgeklärt werden: "Eine Schilddrüsen-Überfunktion z. B. kann ein Gefühl des Gehetztseins hervorrufen." Bei Nichtbehandlung drohen u. a. Herz-Kreislaufkrankheiten, Magen-Darm-Probleme, Tinnitus, chronische Schmerzen und sexuelle Störungen sowie Erschöpfungsdepressionen.
Viele Frauen betroffen
Hurry Sickness betrifft nicht nur Männer. Laut einer Studie, erstellt im Auftrag von Bayer Vital GmbH, litt jede zweite Studienteilnehmerin zumindest gelegentlich an zehn von elf abgefragten Anzeichen. Vom Leitsymptom, grundsätzlich mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, waren insgesamt 87 Prozent der Frauen betroffen: Auf 35 Prozent traf dies ständig und auf 52 Prozent manchmal zu.
Dauernd unter Zeitdruck standen 13 Prozent der Befragten, 49 Prozent manchmal. Zu den am häufigsten auftretenden Stressfaktoren zählten das Gefühl, gehetzt zu sein, die Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Haushalt und Beziehungsprobleme. 45 Prozent der Frauen gaben an, wegen Stress und Zeitmangel oft unregelmäßig zu essen. 38 Prozent aßen meistens hastig und 39 Prozent oft erst spät.
Wolfgang Lalouschek ist auch im Wiener Institut für Burn-out und Stressmanagement tätig. Die Website des Instituts findest du in der
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.