In Europa und Nordamerika läuft eine Zulassungsstudie (Phase III) für die erste krankheitsmodifizierende Therapie von Parkinson mit dem Wirkstoff Prasinezumab. Die Medizin-Uni Innsbruck sprach in einer Aussendung am Montag von einer passiven Parkinson-Impfung. Forschungsresultate sind vielversprechend.
Resultate einer Phase-II-Studie mit österreichischer Beteiligung hätten laut den Forschenden Signale gezeigt, um die Wirksamkeit der Substanz anzuerkennen. Die Resultate wurden nun im renommierten Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht.
Forschung auch in Innsbruck, Graz, Wien
Seit dem Jahr 2021 erhalten 534 Parkinson-Betroffene eine monatliche Infusion an 110 Zentren in Europa, den USA und Kanada. Beteiligt sind auch Graz und die Wiener Klinik Ottakring sowie Innsbruck, wo die Studie in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Klaus Seppi durchgeführt wurde.
Bei der Hälfte der Teilnehmer der internationalen PADOVA-Studie befindet sich im Infusionsbeutel der Antikörper Prasinezumab, die andere Hälfte erhält ein Placebo.
Motorische Verschlechterung verzögert
Bei den Betroffenen, die sich zu Studienbeginn alle in einem Parkinson-Frühstadium maximal drei Jahre nach der Diagnose und in stabiler symptomatischer Therapie befanden, bestimmten die Mediziner die Zeit bis zum nächsten klinisch relevanten Ereignis – das heißt: bis zur nächsten eindeutigen motorischen Verschlechterung. Dieser sogenannte Time-to-Event-Endpunkt trat bei Betroffenen unter Placebo im Schnitt nach 49,7 Wochen ein, unter der Antikörpertherapie mit Prasinezumab verzögerte sich die Verschlechterung durchschnittlich um 11,4 Wochen auf 61,1 Wochen.
Damit wurde der Schwellenwert für statistische Signifikanz zwar nicht ganz erreicht, aber: „Rund 75 Prozent der Probandinnen und Probanden bekamen als symptomatische Therapie L-Dopa. Die übrigen erhielten sogenannte MAOB-Hemmer. Betrachtet man ausschließlich die 75 Prozent der Betroffenen, die mit L-Dopa behandelt wurden, zeigt sich der Effekt eindeutig. Er wird deutlicher sichtbar, weil die untersuchte Betroffenengruppe homogener war und weniger Anpassungen der symptomatischen Parkinsontherapie notwendig waren“, berichtete Seppi. „Unter der Antikörpertherapie mit Prasinezumab verzögerte sich die Verschlechterung nun signifikant um rund 16 Wochen auf mehr als 64 Wochen.“
Passive Impfung mit Antikörper
Dazu komme, dass der Antikörper Prasinezumab derzeit das vielversprechendste und am weitesten entwickelte Medikament bei Parkinson ist, bei dem die bisher erhobenen Studiendaten auf einen krankheitsmodifizierenden Effekt hindeuten. Das tatsächliche Ausmaß dieses Effekts ist laut Seppi derzeit noch nicht abschätzbar.
Gleichzeitig gilt die Therapie als gut verträglich. Die Substanz wird vom Pharmaunternehmen Roche hergestellt, um das Protein Alpha-Synuclein außerhalb der Nervenzellen des Gehirns abzufangen, zu binden und abzubauen und dadurch die Schädigung der Nervenzellen zu reduzieren, informierte die Medizin-Uni Innsbruck.
Der Antikörper Prasinezumab wird den Betroffenen mit Parkinson in den Studienzentren einmal im Monat als sogenannte passive Impfung in Form einer Infusion weiterhin verabreicht, um künftig auch Langzeitauswertungen durchführen zu können. In Innsbruck erhalten aktuell 20 Probandinnen und Probanden den Antikörper.
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