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23.05.2017 - 07:49
Foto: Andi Schiel

Videoüberwachung: Im Visier elektronischer Augen

28.12.2016, 16:50

Der tunesische Lkw- Terrorrist Anis Amri konnte nach seiner Wahnsinnsfahrt durch den Berliner Weihnachtsmarkt untertauchen. Auch, weil die rot- grüne Stadtregierung auf Videoüberwachung verzichtet - dem Datenschutz zuliebe. Wie wichtig Kameras für die Sicherheit aber sind, zeigt ein zweiter spektakulärer Fall in Berlin: Eine Jugendbande hatte einen schlafenden Obdachlosen in einer U- Bahnstation angezündet. Dank der Aufnahmen wurden die sechs Syrer und ein Libyer gefasst. Auch Österreich rüstet elektronisch auf: Eine Million Kameras sind im Einsatz.

Sie sind unauffällig, schwenken langsam über Plätze, durch Räumlichkeiten oder Zuggarnituren. Was Datenschützer verpönen, gehört mittlerweile zum Alltag: Überwachungskameras.

Experten schätzen die Zahl der elektronischen Augen in Österreich auf derzeit eine Million (eine offizielle Zahl wollte die Datenschutzbehörde trotz Anfrage nicht preisgeben). Tendenz steigend - in Zeiten von Terror, steigender Kriminalität und einer immer geringeren Hemmschwelle bei Gewalttaten.

Innenminister Wolfgang Sobotka
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Innenminister Wolfgang Sobotka spricht klare Worte, was das umstrittene Thema betrifft: "Datenschutz darf nicht zum Schutz des Terrors werden."

Bei den ÖBB wird jedenfalls kräftig in verstärkte Überwachung investiert: Neben 6200 Kameras auf den großen Bahnhöfen des Landes wird zusätzlich die neue Talent- und Cityjet- Zugflotte serienmäßig mit virtuellen Augen ausgestattet. Dabei geht es um knapp 350 Garnituren - und somit bis zu 2000 Kameras.

Foto: Wiener Linien (Symbolbild)

Kameras laufen auch in vielen Öffis

Um die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen, laufen auch in vielen Öffis Videos mit. In Innsbruck sind 800 Kameras im Einsatz. In Graz wurden 147 Kameras in Variobahnen und Bussen installiert. In der Stadt Salzburg sind 46 von 104 Bussen überwacht.

In Linz hat Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ), der auch im Aufsichtsrat der Linz AG sitzt, erst nach zähem Ringen im September einer Überwachung zugestimmt. Vorerst werden 20 O- Busse aufgerüstet - und das System in 29 Tramways aktiviert. "Wir sind gläserne Menschen", schimpfen die einen. Sobotka sagt: "Manche meinen, es brauche maximale Freiheit. Ich sage, es gibt keine Freiheit ohne die nötige Sicherheit."

Foto: dpa/Arno Burgi

Mehr Überwachung: Das sagt der Datenschützer

Überwachungskameras werden zwar von vielen Politikern als taugliches Mittel zur Terrorprävention gesehen, Datenschützer sehen in ihnen aber kein Allheilmittel. Die "Krone" hat bei Hans Zeger nachgefragt, der sich als Mitglied der heimischen Datenschutzkommission mit der Thematik auskennt.

"Krone": Herr Dr. Zeger, beim Berliner Terror gab es keine Kameras. Ein Fehler?
Hans Zeger: Berlin hätte keiner verhindern können. Keine Kamera schreckt solche Täter ab - die suchen die Öffentlichkeit. Das ist die ganz große Bühne.

Heißt das, ein Übermaß an Videoüberwachung macht keinen Sinn?
Ich nenne es 'Sicherheitsfolklore' und meine das nicht negativ. Kameras beruhigen die Menschen. Gegen den Terror helfen sie aber nicht.

Trotzdem können viele Straftaten nach der Veröffentlichung von Überwachungsfotos geklärt werden.
Zeger: Ja, für Kriminelle sind Kameras abschreckend, aber sie gehen halt ums Eck. Um das zu verhindern, bräuchten wir 100 Millionen Kameras im Land.

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Sandra Ramsauer, Martina Münzer und Matthias Lassnig, Kronen Zeitung/krone.at

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