Welt-Aids-Konferenz

HIV-Infektion darf nicht verharmlost werden!

Gesund
16.07.2010 15:53
Den Schrecken der 80er-Jahre hat Aids bei uns verloren – Entwarnung sollte aber nicht gegeben werden. Denn auch wenn die Viruserkrankung von einer oft tödlichen zu einer behandelbaren chronischen Krankheit geworden ist, bleibt Heilung nach wie vor ein Wunschtraum. In Wien findet von 18. bis 23. Juli die Internationale Aids-Konferenz "AIDS 2010" statt.

Besonders alarmierende Zahlen werden aus dem südlichen Afrika und Asien gemeldet. Weltweit wird mit etwa 33 Millionen HIV-infizierten Menschen gerechnet. Allein im Vorjahr gab es drei Millionen Neuinfektionen, davon rund eine halbe Million Kinder.

„Moderne Therapien, mit denen das HI-Virus unter die Nachweisgrenze gesenkt werden kann (antiretrovirale Kombinationstherapie ART), wurden in den vergangenen Jahren aufgrund der Entwicklung neuer Substanzen noch vereinfacht. Die Verringerung der Einnahmefrequenz sowie der Pillenanzahl ermöglichen eine bessere Integration der Behandlung in den Alltag der Patienten“, berichtet Dr. Wolfgang Steflitsch, Lungenfacharzt im Otto-Wagner-Spital in Wien.

In Österreich befindet sich die Betreuung mit fünf HIV-Zentren und zahlreichen Fachleuten sowie niedergelassenen Ärzten, Gesundheits- und Beratungseinrichtungen auf sehr hohem Niveau. Die Todesrate konnte von 40 bis 50 Prozent in den 90er-Jahren auf vier Prozent aktuell gesenkt werden.

Trotzdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Infektionserkrankung komplex ist, regelmäßige Kontrollen, Fachwissen des Behandlers, das ständig erneuert werden muss, Spezialdiagnostik, bewusste Lebensführung der Betroffenen, etc. erfordert. Rund zehn Prozent der Neudiagnosen betreffen bereits resistente Virusstämme.

Mit alleiniger, lebenslanger Medikamenteinnahme ist es noch nicht getan. Nebenwirkungen, Reaktionen des Immunsystems, Organschäden usw. sind zu berücksichtigen. Nicht jeder Patient spricht auf jede Arznei gleich gut an. Internistin OA Dr. Brigitte Schmied: „Aus den derzeit zur Verfügung stehenden Wirkstoffen können zwar theoretisch mehr als 600 Kombinationen gebildet werden, für den individuellen Patienten stehen dann aber in der Realität nur zwei bis vier Optionen zur Verfügung.“ Die Gründe liegen in Verträglichkeit und Kreuzreaktionen.

Belastung „soziales Aids“
Ganz zu schweigen von den Belastungen durch „soziales Aids“, das das private wie berufliche Leben Betroffener empfindlich stört – bisweilen zerstört. Isolation und Arbeitslosigkeit verschlechtern aber wiederum die Prognose.

Ein Leiden also, das man nicht verharmlosen sollte, wie Dr. Steflitsch betont, der auch als ärztlicher Leiter von HIV-mobil fungiert. Der Verein kümmert sich in Wien bereits seit zehn Jahren um Patienten mit HIV/Aids und ist eine anerkannte Einrichtung der Gemeinde Wien für medizinische Hauskranken- und Langzeitpflege.

von Karin Podolak, Kronen Zeitung

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