König der Löwen

Peugeot RCZ: Der kleine Sportler macht fast süchtig

Motor
12.06.2013 09:29
Ferrari hat das Pferd, Lamborghini den Stier und Peugeot den Löwen – der ist zwar auf allen Peugeots drauf, aber im Fall des RCZ genannten Kompaktcoupés passt auch der Raubtiercharakter. Der Zweitürer, der wie ein unehelicher Halbbruder des Audi TT wirkt, wurde innen wie außen ein wenig nachgeschärft. Mit LED-Tagfahrleisten taucht er jetzt etwas böser im Rückspiegel auf. Und das ist gut so.

Die Frontpartie hat optisch extrem gewonnen und wirkt jetzt spritzig, schnittig, drahtig und doch harmonisch. Die Scheinwerfer sind prägnanter im Ausdruck, wie wenn der Franzose die Augen leicht zu Sehschlitzen zusammenziehen würde. Der vormals doch noch recht unmotiviert aufgerissene Kühlerschlund ist Vergangenheit und musste einer zweigeteilten Kühlergrafik weichen. Der Löwe prangt freigestellt auf der Schnauze und wird durch einen Peugeot-Schriftzug quasi unterstrichen.

Fast schon Familienkombiqualitäten
Der Rest der Karosserie bleibt unverändert, was auch voll in Ordnung geht. Weiterhin wird lässig von oben betankt, die Heckscheibe trägt ihre charakteristischen Höcker, der Löwe am Heck glänzte schon immer nackt auf dem Lack. Innen gibt's opulent Platz für zwei, die Rücksitze taugen vor allem als Erweiterung durch Umklappen für den gut nutzbaren und durchaus großen Kofferraum (321 bis 639 Liter). Vorne stehen zwei Mini-Fächer in der Mittelkonsole und ein Fach in der verstellbaren Armlehne zur Verfügung. In die Türablagen passen sogar 1,5-Liter-PET-Flaschen – und das in einem Sportwagen!

Zum Test tritt das Topmodell 1.6 THP 200 an. In Weinrot mit silbernen Dachholmen wirkt es erfreulicherweise ziemlich unpubertär, allerdings werde ich einige Male gefragt, ob es sich um ein Cabrio handelt. Tut es nicht. Innen feinstes Leder, schön vernäht, hier hat alles an Eleganz und Wertigkeit gewonnen. Bis auf die Bedienkonsole für Radio, Navi etc., die billig wirkend in einem DIN-Normschacht steckt. Ansonsten Chromringe um die Instrumente, unverändert die auffällige Analoguhr in der Mitte, ein ausklappbares Display obenauf, das ein wenig die Sicht nach draußen stört. Das Navigationssystem selbst weist zwar eine schöne Grafik auf, ist aber in Sachen Bedienung nicht up to date. Aber es ist immerhin sinnvoller zu nutzen als die Freisprecheinrichtung, die den Menschen am anderen Ende der Leitung auf eine harte Geduldsprobe stellt. Doch viel mehr gibt's schon nicht mehr zu meckern.

Das ist Fahrspaß pur
Vor allem was das Fahren betrifft, kann ich nur voll des Lobes sein. Die Lenkung ist herrlich direkt und feedbackreich, der Peugeot liegt prächtig, bringt die Leistung über die Vorderräder problemlos auf die Straße. Das sind weiterhin 200 PS aus turbobefüllten 1,6 Liter Hubraum, und die reichen aus, um den 1.336 kg schweren RCZ in 7,6 Sekunden auf 100 km/h zu bringen. Ich neige dazu, ständig den Drehzahlbereich zwischen 4.000 und 4.500/min. zu suchen, denn da produziert die Soundmembran ein besonders gänsehautiges Geräusch. Das wird fast zur Sucht, was im sechsten Gang teuer kommen kann, wenn man so ca. 170 km/h drauf hat. Gedreht wird weiter bis 7.500/min., dann sind es 240 im 6. Das Getriebe dürfte eine Spur geschmeidiger sein, fühlt sich aber bei flotter Hetzjagd im Kurvengeschlängel erstaunlicherweise besser an als beim Cruisen. Auffallend ist, wie kurz es übersetzt ist. Wenn ich nicht auf 4.000er-Jagd bin, will ich gefühlsmäßig sogar im höchsten Gang noch raufschalten. Bei gemäßigter Fahrweise flossen im Test 7,8 l/100 km durch die Leitungen (aber auch die 19,9 habe ich im Bordcomputer gesehen, in Momenten höchster Lust).

Das alles ist verhältnismäßig günstig zu haben, der Einstiegspreis liegt bei 30.540 Euro für den RCZ mit 156-PS-Benziner. Der Testwagen kommt inkl. einigen Extras auf gut über 40.000 Euro (Grundpreis 34.400 Euro). Dafür gibt es zwar kein Pferd oder einen Stier, aber immerhin den König der Löwen.

Warum?

  • Sportliches Fahren zum günstigen Preis
  • Gelungenes Facelifting

Warum nicht?

  • Navi nicht gut zu bedienen
  • Schlechte Freisprecheinrichtung

Oder vielleicht …

… Audi TT, Toyota GT86/Subaru BRZ, Hyundai Veloster Turbo

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