"Welches Mädchen ist die größte Schlampe???" fragt da etwa ein Unbekannter - und über 26.000 Studenten klicken rein. Dass zahlreiche Studentinnen mit Namen genannt werden, ist da Nebensache. Die Website erinnert an schlechte Teenie-Filme aus den USA - wer mit wem, welcher Typ ist der "heißeste Kerl auf dem Campus", welche Frau hat am meisten zugenommen und wer betrügt seine Freundin...? Ein multimedialer Jahrmarkt der Eitel- und Grausamkeiten.
Den Link zur Website findest du in unserer Infobox!
An den 57 Universitäten, für die auf "JuicyCampus" eigene Foren eingerichtet wurden, regt sich deshalb Widerstand. Dass sich ausgerechnet Studenten, die üblicherweise für Meinungsfreiheit und unbegrenzten Internetzugang eintreten, für ein Verbot der Website auf Campusgelände stark machen, erstaunt nicht nur US-Medien. Doch wer die sexuellen Vorlieben der kleinen Schwester plötzlich online vor Augen hat oder mitansehen muss, wie der beste Freund lächerlich gemacht wird, der entwickelt einen anderen Blickwinkel, berichten betroffene Studenten. Neben frauenfeindlichen zählen homophobische und sogar judenfeindliche Postings zu den zweifelhaften Inhalt von "JuicyCampus".
Angst vor Karrierekiller Gerücht
"Lasst uns nicht gegenseitig unser Leben ruinieren", plädiert einer auf der Website. Immer mehr junge Leute gehen so auf Distanz und machen ihrem Ärger Luft. Viele befürchten nämlich, nicht nur Freundschaften, sondern auch ihre Karriere könnte durch die anonymen Postings in Gefahr sein. An einigen US-Universitäten wird deshalb von Studentenvertretern offen ein Bann der Website auf Campus-Netzwerken angedacht.
Gründer glaubt an "positiven Einfluss"
Am System der anonymen Mitteilungen will Matt Ivester, der Gründer von "JuicyCampus", dennoch nichts ändern: "Wie bei allem, das auch nur im Entferntesten umstritten ist, gibt es immer Leute, die nach Zensur verlangen", zeigte er sich gegenüber "The Age" betont lässig. "Aber wir glauben, dass 'JuicyCampus' einen positiven Einfluss auf einen Uni-Campus haben kann, als Ort der Unterhaltung und der freien Meinungsäußerung. Offen gesagt, sind wir überrascht, dass einige Studentenverbände gegen den freien Austausch von Ideen stimmen." Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, auch rechtliche Bedenken wegen übler Nachrede sind nicht vom Tisch.
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