24.10.2007 15:43 |

Volle Kontrolle

Google erlaubt Zugriff auf Überwachungskameras

Was George Orwell in seinem Buch "1984" noch prophezeite, ist vielerorts bereits Wirklichkeit geworden: Kameras prangen an Straßenkreuzungen und öffentlichen Plätzen, in Schulen oder auch Firmen und überwachen jeden Zentimeter. Was Datenschützer aber noch weitaus mehr beunruhigt: Viele dieser Kameras sind nur unzureichend gesichert und dadurch mit wenigen Kniffen für jedermann online einseh- und sogar steuerbar. Die Internetsuchmaschine Google macht's möglich.

Wer eine Überwachungskamera installiert, der geht davon aus, dass auch nur das dazu berechtigte Sicherheitspersonal Zugriff auf das mitunter sensible Videomaterial hat. Doch weit gefehlt. Viele der Kameras sind nämlich mit dem Internet verbunden, damit sie aus der Ferne kontrolliert werden können.

Ist der Zugang zu den Überwachungskameras nur unzureichend oder gar nicht geschützt, können User mit Hilfe der Suchmaschine von Google völlig legal Einblick in fremde Räume gewinnen - und mitunter sogar die Kontrolle über die Kamera übernehmen.

Ein paar Befehle genügen...
Oftmals genügen bereits Sucheingaben wie "inurl:ViewerFrame?Mode=", "inurl:axis-cgi-mjpg", "inurl:view/indexFrame.shtml" oder "liveapplet", um auf Tausende von Sicherheitskameras in Asien, Amerika und Europa Zugriff zu erhalten. Manche davon sind bewusst für die Öffentlichkeit freigeschaltet, viele andere wiederum nicht.

Volle Kontrolle
Krone.at hat den Test gemacht und binnen kürzester Zeit eine Kamera ausfindig gemacht, bei der mit wenigen Klicks herangezoomt und zur Seite geschwenkt werden konnte (siehe Foto). Über ein Drop-Down-Menü konnte zudem frei zwischen diversen Überwachungskameras gewählt werden. Dem ungestörten Blick auf ahnungslose Passanten oder durch Fensterscheiben in fremde Wohnzimmer hinein stünde so nichts im Wege.

Google selbst weiß von dieser Sicherheitslücke bereits seit einigen Jahren, hat aber bislang wenig unternommen, um den Zugriff auf Sicherheitskameras zu unterbinden. Schuld an der Misere ist der Google-Webcrawler, der das Internet nach URLs durchstöbert, dabei allerdings oftmals in Bereiche vordringt, die hinter einem Passwort stecken.

Klare Grenzen setzen
Um das zu verhindern, sollten Sicherheitsbeauftragte ihre Kameras nicht nur mit einem sicheren Passwort schützen, sondern zudem dafür Sorge tragen, dass das Google-Programm nur dort sucht, wo es suchen darf. Möglich wird dies etwa durch das Einbinden von Meta-Tags in den HTML-Quelltext einer Website.

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