Im ÖSV-Biathlonteam läuft es seit längerem nicht mehr rund. Mit Lisa Hauser und Simon Eder sind zuletzt die beiden Zugpferde zurückgetreten. Spartenchef Christoph Sumann war in Oslo allerdings nicht dabei. Doch nicht nur das sorgt für Unmut. 16 Athleten baten Verbandsboss Mario Stecher um Hilfe.
Der österreichische Biathlon steckt in einer veritablen Krise! Bei den Herren ging der Anschluss an die Weltspitze schon vor einigen Jahren Schritt für Schritt verloren, bei den Damen blieb die positive Entwicklung einer hochtalentierten Generation im erwarteten Ausmaß aus. „Schlimmer geht’s nicht mehr“, war schon vor einem Jahr zu hören. Der Tiefpunkt war da aber noch nicht erreicht. Es kracht an allen Ecken und Enden. Viele Athleten sind unzufrieden, weil sich an den Strukturen seit Jahren nichts ändert.
Mit Christoph Sumann, der vor einem Jahr als Sportlicher Leiter präsentiert wurde, sollte vieles besser werden. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Die Kritik am Steirer wird immer lauter, auch ÖSV-intern wächst der Unmut über den 50-Jährigen.
Bei Rücktritt von Hauser und Eder startete Sumann bei Gaudi-Rennen
Beim Weltcupfinale in Oslo verkündeten Simon Eder und Lisa Hauser ihren Rücktritt. Die beiden waren über viele Jahre die Zugpferde in der rot-weiß-roten Mannschaft und auch im abgelaufenen Winter die stärksten Athleten.
Sumann fehlte am Holmenkollen. Jedoch nicht, weil er bei der zum selben Zeitpunkt stattfindenden Österreichischen Meisterschaft in Obertilliach zugegen war. Sumann fehlte, um an einem Gaudi-Skirennen in der Steiermark teilzunehmen.
16 Athleten baten ÖSV-Boss Mario Stecher um Hilfe
Für die kommende Saison muss der mehrfache WM- und Olympiamedaillengewinner sparen. Hört man sich um, tut er dies an den falschen Ecken und Enden. Mitarbeiter, die bei den Athleten hoch angesehen waren, wurden darüber informiert, dass sie nicht länger Teil des Teams sind. Für die Sportler ist das nicht hinnehmbar. Sie wollen sich etwa modernen Trainingsansätzen nicht verschließen, sie fordern diese sogar ein.
16 Athleten sollen sich aufgrund der teils chaotischen Zustände an ÖSV-Boss Mario Stecher gewandt und diesen um Hilfe gebeten haben. Dieser installierte Sumann vor einem Jahr in der Hoffnung, er würde für einen Aufschwung sorgen. Inzwischen, so hört man, ist auch Stecher – wie viele andere im Verband – sauer über gewisse Vorgänge und Alleingänge von Sumann. Der 48-Jährige soll dies auch klar und lautstark zum Ausdruck gebracht haben.
Ikone Wolfgang Pichler soll als Berater für den ÖSV tätig sein
Was die Trainerbesetzung für die neue Saison betrifft, ist offiziell noch nichts entschieden, die Weichen wurden aber gestellt. So wird Felian Schubert heiß gehandelt als neuer Herren-Cheftrainer. Der Deutsche, ein Ex-Langläufer, der es bis in den FIS-Cup geschafft hat, war zuletzt an der Schwerpunktschule in Eisenerz tätig.
Als Königstransfer ist allerdings ein anderer eingeplant. Wolfgang Pichler, eine Trainer-Ikone, wird voraussichtlich in beratender Funktion tätig sein. Der 71-Jährige betreute Stars wie Weltcup-Rekordsiegerin Magdalena Forsberg oder Hanna Öberg. Zuletzt war der Bayer als Berater für die Bulgaren tätig. Mit diesen bejubelte er sensationell eine Olympia-Bronzemedaille in Antholz. Der ÖSV ging indes zum dritten Mal in Folge bei einem Großereignis leer aus.
Kritikpunkt Servicebereich: Zwei aus dem Kombi-Lager sollen kommen
Ein Hauptkritikpunkt in den vergangenen Jahren war der Servicebereich, wo Österreich den Anschluss an die Spitze verloren hat. Während einige Techniker ihren Knochenjob nach bestem Wissen und Gewissen ausübten, sollen andere mehrfach über die Stränge geschlagen haben – ohne Konsequenzen. Der Ruf der rot-weiß-roten Crew litt „Krone“-Recherchen zufolge erheblich, ausländische Sportler drückten den rot-weiß-roten teilweise sogar ihr Mitgefühl aus.
Für die kommende Saison plante Sumann, einen alten Bekannten zurückzuholen. Ober stach allerdings Unter, Stecher hat stattdessen jemanden aus dem Lager der Nordischen Kombinier mit den Agenden betraut. Auch ein ehemaliger Weltcupathlet steht demnach ante portas.
Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, wird die kommende Saison zeigen. Klar ist, dass Österreich schleunigst in die Gänge kommen muss. 2028 finden die Heim-Weltmeisterschaften in Hochfilzen statt. Diese sollen ein Sportfest werden, kein sportliches Desaster.
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