Nachdem am späten Freitagabend bekannt geworden war, dass der Babynahrungshersteller HiPP wegen „Lebensgefahr“ sämtliche Produkte bei Spar und Maximarkt aus den Regalen nehmen musste, folgte am Sonntag die nächste Schocknachricht: Im Burgenland ist offenbar ein zweites manipuliertes Glas im Umlauf.
Im Fall um mögliche Erpressung mit vergifteten Babykostgläschen von HiPP dürfte ein zweites manipuliertes Behältnis gekauft worden sein. „Wir gehen davon aus, dass zumindest noch ein zweites Glas unterwegs ist“, sagte Polizeisprecher Helmut Marban am Sonntag. Das Produkt könnte, so wie das am Samstag in Schützen am Gebirge im Bezirk Eisenstadt sichergestellte Glas, mit Rattengift versehen sein.
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hat die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung aufgenommen, wie Behördensprecherin Petra Bauer mitteilte. Eine „toxikologische Untersuchung“ des Glases sei angeordnet worden. Es gehe laut Bauer nun vorrangig „um Gefahrenabwehr“.
Polizei appelliert zu Vorsicht
Die Polizei appellierte zur Vorsicht, insbesondere in Bezug auf dieses möglicherweise manipulierte Behältnis, das noch im Umlauf sein dürfte. Nach aktuellem Ermittlungsstand seien verdächtige Produkte erkennbar an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden. Hinzu komme ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das sogenannte Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehlt. Ein Bild davon zu veröffentlichen, lehnt die Polizei aufgrund von möglichen Nachahmern ab.
Am Samstag wurde bekannt, dass das deutsche Unternehmen offenbar erpresst wird. „Es handelt sich um einen externen, kriminellen Eingriff“, hieß es von HiPP. Die Rede ist von einem Erpresserbrief, der in der HiPP-Zentrale eingelangt sein soll. Nähere Informationen dazu liegen bislang nicht vor. Dass es in der Causa um Erpressung geht, bestätigte Marban allerdings nicht. Es gebe laufende Ermittlungen in Deutschland, die er nicht konterkarieren wolle. Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise unter der Telefonnummer +43-5913310-3333. Es seien bereits viele Telefonate von besorgten Bürgern eingegangen, so Marban.
Das zuletzt in Schützen am Gebirge sichergestellte Glas wurde in einer Spar-Filiale in Eisenstadt gekauft, sagte Marban weiters. Auf dieses Geschäft dürfte sich ein Hinweis an die Ermittler bezogen haben, der nach anfänglichen Erhebungen in Deutschland auf behördlichem Weg zur heimischen Polizei gelangt war. Auch das zweite Gläschen soll bei Spar in Eisenstadt gekauft worden sein, wie Ermittler vermuten.
Fall seit Freitagabend bekannt
Der Fall um den Babynahrungshersteller HiPP wurde am späten Freitagabend bekannt. Der Verzehr des „Gemüsegläschens Karotte mit Kartoffel“ (190 Gramm) sei durch einen gefährlichen Stoff manipuliert worden und möglicherweise „lebensgefährlich“. Bei Spar wurden daraufhin umgehend sämtliche Artikel der betroffenen Sorte aus dem Sortiment genommen.
Die Konzernkommunikation des Herstellers gegenüber der „Krone“ war am Samstag durchmischt: Zwischen Warnungen vor „Lebensgefahr“, Beschwichtigungen und Unwissen war alles zu hören. Da vor allem Babys, Kinder und ältere Menschen betroffen sein könnten und es sich bei dem zunächst nicht kommunizierten Stoff um Rattengift handelt, gilt die Lage als heikel. Gesundheitsministerium und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sprachen davon, dass „besondere Vorsicht geboten ist, bis der Fall vollständig aufgeklärt“ ist. Bei Verdachtsfällen sollte etwa medizinisches Fachpersonal kontaktiert oder der Notruf der Vergiftungsinformationszentrale 01-406-43-43 gewählt werden.
Auch Tschechien und Slowakei betroffen
Insgesamt wurden im Burgenland bisher drei Stück „eingezogen“ – es war auch eines darunter, das beim Öffnen der Kundschaft einen komischen Geruch verströmte. In Tschechien und in der Slowakei wurden ebenfalls markierte Gläser sichergestellt.
Verwiesen wurde zudem auf laufende Ermittlungen in Deutschland. In diesem Zusammenhang wurden die heimischen Behörden darüber informiert, dass sich möglicherweise weitere verunreinigte HiPP-Gläser im Raum Eisenstadt im Umlauf befinden könnten. Einen Verdächtigen gibt es derzeit nicht.
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