Do, 15. November 2018

Image-Krise

18.10.2007 18:37

Mitgliederschwund bei Wikipedia

Die populäre Online-Enzyklopädie Wikipedia befindet sich in einer Image-Krise. Laut einer internen Studie sind die Mitgliederzahlen der englischsprachigen Version erstmals seit Jänner 2001 im Sinken, und auch die bekannten, engagierten Autoren machen sich rar. Wie der Wikipedia-Autor Robert Rohde in seinen Erhebungen zeigt, sind die Neuanmeldungen im heurigen Jahr deutlich zurückgegangen. Die Stimmung ist auch innerhalb der deutschsprachigen Community nicht mehr ganz ungetrübt, auch wenn sich die Mitgliederzahlen hier noch um einiges erfreulicher präsentieren.

Zu Beginn des Jahres hatte das Internet-Lexikon zwar ein Allzeithoch mit täglich rund 10.000 Registrierungen erreicht - danach sank die Mitgliederzahl allerdings um ein Drittel. Ein möglicher Grund für die Flaute ist der zunehmend rauer gewordene Umgangston innerhalb der Community. Das Portal, das seinen guten Ruf vor allem seinem pluralistischen und demokratischen Prinzip verdankt, ist im Laufe der vergangenen Monate zunehmend in die Kritik geraten, weil Beiträge immer häufiger von Administratoren verändert oder sogar gelöscht worden sind.

Von Betreiberseite rechtfertigt man diese Vorgänge mit einem Qualitätsanspruch, der sicherstellen soll, dass das vermittelte Wissen fundiert und wahrheitsgemäß ist. Um langfristig als Informationsquelle erfolgreich zu sein, wird immer mehr auf Seriosität und Verlässlichkeit geachtet. Der liberale und offene Grundsatz, dem die Enzyklopädie ursprünglich folgte, geht laut Meinung vieler Kritiker damit allerdings verloren.

„Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Studie auch innerhalb der Community mit einigen Fragezeichen versehen wurde. Ein Rückgang der Mitgliederzahlen ließ sich auf der deutschsprachigen Seite nicht beobachten. Die letzten Zahlen von Mai dieses Jahres zeigten auch, dass die Aktivitäten relativ konstant geblieben sind“, hält Arne Klempert, Geschäftsführer Wikimedia Deutschland, Rohdes Erhebungen entgegen. Bis März 2007 verzeichnete die deutsche Wikipedia-Seite rund 1.000 Autoren, die mehr als 100 Artikelbearbeitungen pro Monat beisteuerten und rund 8.000 Autoren mit mehr als fünf Beiträgen monatlich. „Diese Zahlen beziehen sich auf registrierte Mitglieder. Darüber hinaus gibt es eine beachtliche Menge an Nutzern, die anonym mitarbeiten“, fügt Klempert hinzu. Auch einen Rückgang des Engagements könne er nicht bestätigen, wenngleich sich dieses nicht in konkrete Zahlen fassen lässt.

Nicht von der Hand zu weisen ist jedenfalls, dass mittlerweile viele Community-Mitglieder über vorschnelle oder zu radikale Artikel-Änderungen verärgert sind. Für Aufregung sorgte auch die Löschung eines Beitrages eines der beiden Wikipedia-Gründer. Ein 19-jähriger Administrator des Portals hatte einen Artikel von Jimmy Wales über die Karriere eines Restaurantbesitzers wegen „Irrelevanz“ von der Webseite genommen. Viele Nutzer berichten in Diskussionsforen darüber, dass sie von Administratorenseite zurechtgewiesen wurden oder sich für ihre „unwichtigen“ Themen rechtfertigen mussten.

„Ich sehe hier einfach zwei Pole. Es gibt jene, die gerne jegliches Wissen, das existiert, auf der Seite sehen wollen. Und dann gibt es die andere Seite, die will, dass ein Qualitätsniveau gehalten wird. Es bedarf eben einer bestimmten Größe einer Gruppe, die sich mit einem Thema befasst, um eine fundierte Information liefern zu können“, meint Klempert. Kritik komme seiner Meinung nach zudem häufig von Unternehmen, die versuchen, sich glorifiziert auf Wikipedia darzustellen und dabei gescheitert sind. (pte)

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