Filmkritik „Michael“

Neues Biopic: Verpasste Chance oder Geniestreich?

Unterhaltung
21.04.2026 15:00
Porträt von Sasa Schwarzjirg
Von Sasa Schwarzjirg

Es gibt Konzertfilme – und dann gibt es „Michael“: Dieser Film sprengt jede Erwartung und setzt neue Maßstäbe. Sowohl Visuell, als auch musikalisch.  Warum ein großer Teil seines Lebens ausgelassen wurde und weshalb das eine verpasste Gelegenheit sein könnte? Lesen Sie in der Filmkritik. 

Was hier von Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“), Drehbuchautor John Logan  („Bond Spectre“) und Produzent Graham King („Bohemian Rhapsody“) auf die Leinwand gebracht wurde, ist mit ziemlicher Sicherheit einer der eindrucksvollsten Konzertfilme, die je produziert wurden:  

Das Biopic „Michael“ widmet sich dem Michael Jackson, seiner schwierigen Kindheit und den Folgen des frühen Ruhms bis hin zu ikonischen Auftritten und den größten Momenten auf der Bühne. Auch, wenn man das seinerzeit live miterlebt hat, überwältigt einen die ein oder andere Szene völlig.

Allen voran steht die Leistung von Jaafar Jackson, der in die Rolle seines Onkels schlüpft. Es bleibt also in der Familie. Was dieser junge Mann im Film abliefert, ist kaum in Worte zu fassen. Ohne bisherige Vorerfahrung in Schauspiel oder professionellem Tanz verkörpert er Michael Jackson mit einer Intensität und Präzision, die fast schon unheimlich wirkt. Es ist nicht nur eine Darstellung oder Imitation, wie man sie oft kennt, sondern eine echte Transformation. Wer sich auf diese Reise im Kinosaal einlässt, kann stellenweise völlig vergessen, dass man nicht dem Original zusieht. Dafür hat Jaafar Jackson zwei Jahre lang täglich trainiert.

Ebenso beeindruckend: die Darstellung des jungen Michael durch Juliano Krue Valdi. Eine Performance von solcher Authentizität, dass man sich wundert, was in seiner Karriere noch kommen wird. Wir prophezeien: Mit den richtigen Rollen? Großes!

Die Jackson-Familie zeigt sich (fast) vollständig vereint.
Die Jackson-Familie zeigt sich (fast) vollständig vereint.(Bild: AP/Jordan Strauss)
(Bild: AFP/VALERIE MACON)
Beste Stimmung auf dem Red Carpet: Auch dabei: Michael Jacksons Sohn Prince (Mitte).
Beste Stimmung auf dem Red Carpet: Auch dabei: Michael Jacksons Sohn Prince (Mitte).(Bild: EPA/Connor Terry)
Produzent und Hauptdarsteller: Jermaine und Jafaar Jackson.
Produzent und Hauptdarsteller: Jermaine und Jafaar Jackson.(Bild: AFP/VALERIE MACON)

Laute Musik-Hits und leise Kritik

So überwältigend die Inszenierung ist, so sehr bleibt der Film inhaltlich an der Oberfläche. Der Streifzug durch das Leben von Michael Jackson berührt zwar dunklere Kapitel – der gewalttätige Vater, der immense Druck und  persönliche Abgründe – doch er verweilt nicht lange genug. Gerade das Thema mentale Gesundheit, das bei einer Figur wie Michael Jackson kaum zentraler sein könnte, wird nur angerissen. Das wirkt in der heutigen Zeit wie eine verpasste Chance. Denn gerade weil wir heute offener und sensibler über psychische Belastungen und Erkrankungen sprechen, hätte der Film die Möglichkeit gehabt, diesem Thema mehr Raum zu geben – nicht aus Sensationslust, sondern um echte, tiefgründigere Gespräche anzustoßen.

Natürlich: Das Leben eines der größten Künstler aller Zeiten in knapp zwei Stunden erzählen zu wollen, ist nahezu unmöglich. Man hätte jedoch mutiger sein können, ehrlicher, vielleicht auch unbequemer. 

Interessant: Diesen Anspruch hatten die Filmemacher sogar, so wurde der Film auch produziert. Denn Gut ein Drittel des Filmes hätte sich um die Anschuldigungen des Missbrauchs drehen sollen. Sogar die Jackson-Familie sowie der Nachlassverwalter (und Produzent) John G. Branca hatten diese Inhalte freigegen. Aber: Aufgrund von rechtlichen Problemen und Verträgen, die die Veröffentlichung untersagen, musste dieser Teil verändert und nachgedreht werden. Extra Kosten? Kolportierte 15 Millionen US-Dollar. 

Fazit:
Trotz dieser Kritik bleibt am Ende vor allem eines: Begeisterung. „Michael“ ist ein visuelles und musikalisches Meisterwerk mit herausragenden Darstellerleistungen, das sein Publikum mitreißt und begeistert. Inhaltlich hätte man sich mehr Tiefe gewünscht – emotional trifft der Film dennoch ins Schwarze. Der Ehrfurcht vor dem King of Pop wurde eindrucksvoll wieder Leben eingehaucht.

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