„Die mit Kopftuch, Benzin drauf und Streichholz“ – da möchte man denken, dass ein rechter Recke gepostet hatte. Doch beim Landesgericht Linz tauchte genau das Gegenteil auf. Der 37-jährige Grazer weinte vor der Richterin: „Bitte, ich will nicht ins Gefängnis.“ Muss er auch nicht, aber Strafe gab's trotzdem.
Das Hass-Posting unter dem Bild der Abschlussklasse der Pflegeschule in Linz, auf dem auch Muslima zu sehen waren, zog weite Kreise und sorgte für Aufregung und Unverständnis. Das Spital zeigte den Vorfall an, der Täter war rasch ausgeforscht. „Sie fühlten sich unter einem Fake-Profil sicher“, meinte die Richterin und der Angeklagte nickte nur.
Frust auf die Welt
„Ich weiß nicht, warum ich es getan habe“, wiederholte der Verkäufer, der eine Doppellehre abgeschlossen hatte, immer wieder. Der klein gewachsene, stämmige Grazer kämpfte sichtlich mit den Tränen, erzählte von seiner Alkoholkrankheit und Depressionen und dass er immer alles in sich hineingefressen habe. Aus irgendeinem Grund habe er dann seinen Frust auf die Welt an diesem Bild ausgelassen.
Ausländer als Freunde und Kunden
„Ich habe wirklich keine Probleme mit Migranten. Viele Ausländer sind meine Kunden und auch Freunde. Und ich helfe ihnen auch immer beim Registrieren und Anmelden der Handys“, erzählte der 37-Jährige, der seinen Eltern gar nicht erzählt hatte, in welchem Schlamassel er sich manövriert hatte.
Mein Mandant ist voll geständig. Ein Motiv für die Tat kann er sich aber nicht erklären. Es passierte in einer schwierigen psychischen Phase.

Richard Benda, Anwalt
Bild: Markus Schütz
Von sozialen Medien abgemeldet
„Mein Mandant ist voll geständig und bereut die Tat sehr. Eine Erklärung habe ich auch nicht“, sagte Anwalt Richard Benda, der seinen Mandanten von Graz zum Prozess nach Linz und zurück chauffierte. Der 37-Jährige beteuerte: „Ich habe mich von allen sozialen Medien abgemeldet und alle Accounts gelöscht.“ „Das ist eine gute Idee“, meinte die Richterin, die rasch zum Urteil kam: drei Monate bedingte Haft mit dreijähriger Probezeit.
„Ich mach' sicher nichts mehr“
„Sie müssen nicht ins Gefängnis“, erklärte die Richterin dem Angeklagten, der bald Papa wird und dem sichtlich ein Stein vom Herzen fiel und dann vor Freude weinte. „In Ihrem Fall geht es sich gerade noch aus, dass wir mit drei Monaten auskommen. Das scheint auch nicht im Leumundszeugnis auf, wegen eines Fehlers soll nicht ihre Zukunft verbaut sein“, sagte die Vorsitzende.
„Ich mach’ sicher nichts mehr“, sagte der Grazer, der beteuerte, seine psychiatrischen Behandlungen und Sitzungen bei den Anonymen Alkoholikern fortzusetzen. „Meine Psychologin hat gesagt, dass es wichtig ist, dass man darüber redet und nicht immer alles in sich hineinfrisst“, versprach der Angeklagte. Das Urteil ist rechtskräftig.
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