Google Translate

Heiteres Übersetzen mit Google Translate

Web
04.07.2007 07:40
Das Internet wäre tatsächlich grenzenlos – wenn die Sache mit den unterschiedlichen Sprachen nicht wäre. Sowohl beim Lesen und Surfen als auch beim Kommunizieren mit der weiten Welt endet der Spaß für Internetuser ohne Fremdsprachenkenntnisse relativ früh, im Vergleich zu dem, was noch entdeckt werden könnte. Googles neues Übersetzungsservice „Google Translate“ böte sich da eigentlich als nützliches Tool an, um sich dem Sprachproblem auf komfortable Weise zu entledigen. Zumindest wenn man so klingen will, wie Otto Waalkes in seinen legendären „English for Runaways“-Sketches...

„Google Translate“ besteht aus drei verschiedenen Services. Zunächst kann man ausgewählte Textpassagen in einem Webformular per Copy/Paste aus beliebigen Sprachen in beliebige Sprachen übersetzten – das gab’s aber im Grunde schon vor ein paar Jahren. Vor kurzem hat Google sein Übersetzungsservice überarbeitet, die Grundfunktionen verbessert, ein Wörterbuch eingeführt und eine Übersetzungssuche, die es Usern ermöglichen soll, auf anderssprachigen Websites zu suchen und die Ergebnisse trotzdem in der Muttersprache angezeigt zu bekommen. So ganz will das nicht aber noch funktionierten...

Hier zunächst ein paar Beispiele einzeln übersetzer Textpassagen:

Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome. Land der Hämmer, zukunftsreich. Heimat bist du großer Söhne, Volk begnadet für das Schöne, vielgerühmtes Österreich...

wird zu:

Country of the mountains, country at the river, country of the fields, country of the cathedrals. Country of the hammers, promising. Homeland are highly gifted you large sons, people for the beautiful, much-praised Austria, much-praised Austria...

Geht ja noch; hier die amerikanische Hymne:

Oh, say can you see, by the dawn's early light? What so proudly we hailed at the twilight's last gleaming. Whose broad stripes and bright stars through the perilous fight. O'er the ramparts we watched, were so gallantly streaming?

wird zu:

OH-, Sagen kann du sehen, durch das frühe Licht der Dämmerung? Was so stolz wir hagelten, am letzten Glaenzen der Dämmerung. Wer ausgedehnte Streifen und helle Sterne durch den gefährlichen Kampf. O'er die Ramparts, die wir aufpaßten, strömten so tapfer? 

Eher nicht so toll. Google liefert aber auch brauchbare Resultate. Am besten sieht die Passage aus dem Wikipedia-Text zu „Austria“ aus.  

The origins of modern Austria date back to the ninth century, when the countryside of upper and lower Austria became increasingly populated. The name "Ostarrichi" is first documented in an official document from 996. Since then this word has developed into the German word Österreich.

wird zu:

Die Ursprung von modernem Österreich gehen auf dem 9. Jahrhundert zurück, als die Landschaft von oberem und Niederösterreich in zunehmendem Maße bevölkert wurde. Der Name „Ostarrichi“ wird zuerst in einer amtlichen Urkunde von 996 dokumentiert. Seit damals hat dieses Wort sich zum deutschen Wort Österreich entwickelt. 

„Er ist ein großer Ventilator“
Neu an Google Translate ist die Simultanübersetzung von Suchergebnissen. Man sucht beispielsweise auf Deutsch, Google übersetzt es, sucht im englischsprachigen Web nach Ergebnissen und übersetzt alle Resultate (auch die Websites selbst) in die gewählte Sprache.

In der Realität sieht das dann so aus: Tippt man den Begriff „iPhone“ ein, so erscheint als erstes Suchergebnis die Apple-Page zum neuen Handy. Man kann beide Sprachversionen aufrufen. Wo im Original zuvor „a few suggestions to help you prepare for iPhone“ stand, liest man auf der Übersetzung nun „einige Vorschläge, zum du zu helfen, für iPhone sich vorzubereiten“. Des Pudels Kern trifft Google ja immerhin – und nachdem man sich vom Lachkrampf erholt hat, versteht man auch ungefähr, was gemeint ist. Manchmal tut das Tool aber auch zu viel des Guten, denn mit „SichtVoicemail“ ist „Visual Voicemail“ gemeint, was für Deutschsprachige leichter zu verstehen gewesen wäre.

Das Problem der Übersetzungsservices ist, dass sie die Semantik nicht berücksichtigen können, das heißt, in welchem Kontext ein Wort benutzt wird, mit welchen Konnotationen es belastet ist oder auch einfach nur, wie viele Bedeutungen es außer der primären haben kann. Ein weiteres iPhone-Beispiel: Mit „Rate Plans“ sind im Amerikanischen Tarifmodelle bzw. der Handy-Tarif an sich gemeint. Die Überschrift „Rate Plans for iPhone” mutiert zum seltsamen Aufruf „Pläne für iPhone veranschlagen“, weil der Google-Übersetzer die „Rate Plans“ nicht sinnvoll verbinden kann und stattdessen „rate“ als Verb verwendet. 

„TV“ wird immer leicht umständlich mit „Fernsehapparat“ übersetzt, auch wenn das Fernsehen an sich gemeint ist. „Store“ übersetzt Google als „Speicher“ – rein philosophisch passt der Vergleich mit Apples Flagship-Stores ja sogar. „Apple Retail Stores in U.S. stay open until midnight“ bleibt nach der Google-Verwurstung mit „Apple Einzelhandelsgeschäfte im US-Aufenthalt öffnen sich bis Mitternacht“ wiederum halbwegs verständlich. 

Es sieht so aus, als kenne Google kaum Synonyme für Wörter, aber bisweilen sind die kleinen Fehler sogar lustig: Aus „The official Website of Pamela Anderson“ wird „die amtliche Website of Pamela Anderson“. Otto Waalkes, der sich auf dem Gebiet der Translationskomik mit Übersetzungen wie „shit f***ing car = schönes, funkelndes Auto“ einen Namen gemacht hat, könnte es im Fall von „he’s a huge fan“ und „er ist ein großer Ventilator“ nicht besser machen. Dass Lindsay Lohan an ihrem 21. Geburtstag am Strand „rüttelte“ könnte viel bedeuten, tatsächlich dürfte die Dame joggen gewesen sein. Vielleicht ist sie auch auf „Diätkoks“ - die „Diet Coke“, dürfte dem „Stern“ (Star) aber wesentlich besser gemundet haben.

Alfred Gusenbauer würde sich gar nicht freuen, wenn man hierzulande einen englischsprachigen Artikel der Agence France Presse, in dem er als „Austria Socialist Leader Gusenbauer“ auf Englisch korrekt betitelt wird, wie Google mit den Worten „Österreichischer sozialistischer Führer Gusenbauer“ übersetzt. „Wolfgang Schüssel, born June 7 1945 in Vienna“ und „Wolfgang Schüssel, getragen 7. Juni 1945 in Wien“ ist irgendwie auch nicht dasselbe. 

Fazit: Helfen tut’s nix, aber Spaß macht’s. Oder wie Google Translate sagen würde: „Helps tut's nix - however fun macht's!“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Web
04.07.2007 07:40
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt