06.07.2007 14:04 |

Neue Sucherfahrung

Die anderen "Googles"

Wird das Neo-Verb „googeln“ einmal veraltet sein? Wenn es nach den neuen Suchmaschinen im Web geht, kann dieser Tag gar nicht schnell genug kommen. Nicht nur Yahoo, Ask.com oder Windows Live wollen dem Platzhirsch den Platz an der Sonne abspenstig machen – auch die „kleine“ Konkurrenz schläft nicht. Und die versucht im Gegensatz zu letzteren dreien ganz und gar nicht, das Milliarden-Imperium zu kopieren sondern bietet eine völlig neue „Sucherfahrung“ - Krone.at stellt sechs „andere Googles“ vor.

Der Unterschied zwischen Google und diesen sechs Alternativen liegt zum einen in der optischen Darbietung der Suchresultate, hauptsächlich unterscheiden sich die Suchmaschinen aber in ihrer Technologie. Bei Google erscheint ein Suchbegriff je weiter oben, desto öfter er mit anderen Seiten verlinkt ist. Das hat zur Folge, dass sich unter die Suchresultate nicht nur primäre Sites wie Firmenhomepages oder Webauftritte von Künstlern und Bands mischen sondern auch Einträge bei anderen Branchenführern wie Amazon oder eBay, deren zigfache Verlinkung oft nur durch so genannte Affiliate-Programme mit anderen Websites zustande kommt. Mit den Jahren ist die Zahl der Sites, die sich durch trickreiche Massenverlinkungen die Ergebnisseiten „hochschummeln“ so stark gestiegen, dass man sich durch mehrere Ergebnisseiten mit YouTube-Videos, Last.fm-Pages, Amazon-Angeboten, eBay-Seiten, Wikipedia-Einträgen in sieben verschiedenen Sprachen und ein paar MySpace-Profilen hanteln muss, um zu den ersten Detaileinträgen auf kleineren Websites zu kommen, die zwar nicht immer, aber doch sehr häufig das eigentlich Gesuchte sind.

Einen Weg aus der „Partner werden zuerst verlinkt“-Misere bietet die englischsprachige Suchmaschine Clusty. Der Ansatz: Das Stichwort wird im Hintergrund in mehreren Suchmaschinen abgefragt, die Resultate werden abgeglichen und auf diese Weise erscheint ein weniger mit „gesponserten“ Links durchsetztes Suchergebnis. Auf Knopfdruck liefert Clusty einen Preview eines Suchergebnisses in Form eines Frames unter dem Eintrag. Hilfreich sein kann auch die Aufgliederung der Suchergebnisse nach Quelle (also den abgegrasten Suchmaschinen) oder nach Site (also den Treffern auf unterschiedlichen Sites, die man sogar nach Endungen ordnen kann). Clusty ist etwas für Hardcore-Sucher, die’s ganz genau wissen wollen. Aber immerhin fanden wir dadurch heraus, dass sich eine russische Rammstein-Fansite die Arbeit gemacht hat, ein Interview, das Krone.at 2004 mit der Band führte, Wort für Wort zu übersetzen…

Die Suchmaschine Mister Wong, die auch in deutscher Sprache abrufbar ist, bewegt sich von technischen Aufwendigkeiten da schon viel weiter weg. Die Site ist eine Kombination aus Bookmarking-Hilfe und Suchmaschine. User können sich registrieren und ihre Bookmarks aus dem Browser in einen Mister-Wong-Account importieren. Je öfter eine Site von den Usern gebookmarkt wurde, umso weiter oben erscheint sie bei den Suchergebnissen. Da Verwechslungen mit dieser Methode am ehesten vermieden werden, kann man sich einigermaßen sicher sein, fast ausschließlich Ergebnisse zur gestellten Abfrage zu bekommen. Allerdings funktioniert das nur beim Suchen nach kompletten Sites, wer zum Beispiel Zeitungsartikel oder Foreneinträge geliefert bekommen möchte, schaut häufig durch die Finger. Lediglich bei der Suche nach Elektrogeräten trumpft Mister Wong auf: Hier werden anscheinend fleißig (gute) Testberichte gebookmarkt und für die sucht man bei Google ja bekanntlich sehr, sehr lange…

Als erste „human powered search engine“ bezeichnet sich das Web-2.0-Startup Mahalo. Hierbei handelt es sich um einen englischsprachigen Webkatalog, der ausschließlich von Usern zusammengestellt wird. Zum einen hat das den Vorteil, das die Suchergebnisse ausreichend gefiltert werden und man unter Garantie auf keinen Website-Spam oder gar auf virenverseuchte Pages stößt, zum anderen ist das Angebot – Mahalo befindet sich noch im Alpha-Stadium – bei manchen Themen noch sehr dürftig. Bei aktuellen Sachthemen (das iPhone ist in der Hitliste der Suchbegriffe ganz oben) und zu Personen liefert Mahalo ausgezeichnete Ergebnisse. Zudem überzeugt die Präsentation des Ganzen: Beim Begriff „Jessica Alba“ listet Mahalo eine Reihe von Video-Websites auf, bietet Klatsch und Tratsch, den üblichen Star-Gossip, bis hin zu vernünftigen Biografien, die über Wiki-Einträge weit hinausreichen.

Die letzten drei Suchmaschinen im Bunde (wiederum alle ausschließlich in englischer Sprache verfügbar) haben sich ihren Platz unter den „anderen Googles“ vor allem durch die ansprechende Präsentation der Suchresultate verdient. Kartoo, KoolTorch und Mnemo liefern Einträge in einer grafisch aufbereiteten Übersichtsseite, die ähnlich einer Mindmap aufgebaut ist. Bei allen drei Suchmaschinen geht es gar nicht so sehr um das Filtern der Ergebnisse sondern um die Aufbereitung der unterschiedlichen Treffer und deren Zuordnung zu Überbegriffen und Themenfeldern. Kartoo geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet verschiedene Maps an, in denen die Ergebnisse auch nach ihrer Art differenziert werden. So gibt es einen Strang für Foren, Datenbank-Einträge oder auch Wörterbuch- und Lexikon-Ergebnisse. Mnemos Stärke liegt darin, dass man den primären Suchbegriff durch einen Klick auf einen Baumzweig blitzschnell austauschen kann. Noch am ehesten in den Kinderschuhen steckt KoolTorch, dass allerdings vom Konzept her am schnellsten einen Überblick auf die gesamte Bandbreite der Suchergebnisse liefert.


Christoph Andert

Sonntag, 13. Juni 2021
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