Echtes Internet-TV

“Fernsehen, so wie du es willst”

Web
05.05.2007 13:25
Der Joost-Slogan "Fernsehen, so wie du es willst" ist eine beherzte Kampfansage. Mit einem revolutionären Konzept für kostenlosen Video-On-Demand-Service will Joost endlich Internet-TV bieten, das die Bezeichnung "Fernsehen" auch tatsächlich verdient: Gratis-Inhalte, von Musikvideos über TV-Serien bis zu kompletten Spielfilmen - und das alles in hochauflösender Qualität. Und so wie es aussieht, wird den Joost-Machern das auch gelingen...

Als YouTube in Mode kam, sprach man von der großen Video-Revolution im Internet. Aber die Video-Blog-Plattform wurde nur allzu schnell zweckentfremdet und dient jetzt mehrheitlich als quasi-illegales On-Demand-Archiv für TV-Serien und mehr oder weniger witzige Videos. Mit den Folgen, dass sich TV-Sender und Produktionsfirmen um ihre Urheberrechte und Einnahmen geprellt fühlen und klagen. Zuletzt tat das der US-Mediengigant Viacom mit einem Streitwert von einer Milliarde Dollar... 

Joost (gesprochen: dschuust) setzt jetzt da an, wo YouTube nicht weit genug dachte: bei den Inhalten. Die Joost-Macher haben Verträge mit TV-Sendern und Produktionfirmen abgeschlossen und nützen deren Inhalte legal. Was zur Folge hat, dass man hochaufösende Videoinhalte bieten kann, die ohne Probleme im Vollbildmodus oder auch auf einem Fernsehgerät wiedergegeben werden können. Wie YouTube braucht Joost ebenfalls Werbung um zu überleben - anders als die Webvideo-Plattform ist Joost aber ein Programm auf dem Desktop.

Momentan befindet sich Joost in einer Beta-Phase. Frühaufgestandene, die sich vor einiger Zeit bei Joost registrierten, können die Software und die Inhalte nutzen und seit neuestem auch Freunde einladen, die dann auch einen Downloadlink von Joost bekommen. Noch in diesem Monat soll der offizielle Start erfolgen und Joost jedermann und -frau zugänglich sein. Krone.at war unter den Frühaufgestandenen und konnte Joost begutachten. Nur soviel: Die Zeichen stehen auf Sturm, denn es funktioniert tatsächlich!

Joost bietet derzeit etwa 30 "TV-Kanäle" - das heißt Channels, in denen ein gewisses Kontingent an Inhalten abrufbar ist. Das Gebotene reicht von kompletten bzw. Ausschnitten von Live-Konzerten durchaus namhafter Interpreten, echten (legalen) MTV-Musikvideos und Sendungen, Wald-und-Wiesen-Dokus über mexikanische Täler und Meereswelten in Weißderherrgottwo bis zu ganzen Staffeln irre trashiger Science-Fiction- und durchaus lustiger Comedy-Serien, gegen die Mitten im Achten ein überteuertes Kasperltheater ist. Für Joost-User in den USA stehen auch noch Dokumentationen von National Geographic und Shows von Comedy Central zur Verfügung. Sprache ist derzeit durchgehend Englisch.

Bis Ende Mai, so Joost, sollen noch zahlreiche so genannte Contentpartner einsteigen. Unter anderem gibt es dann komplette Folgen von Drei Engel für Charlie, Lassie, Spiderman, Starsky & Hutch, SWAT oder auch Wer ist hier der Boss? zu sehen. Auch Talkshows und ausgesuchte Reportagen von CNN (teilweise in HDTV!) sowie Trickfilme der amerikanischen Hasbro-Studios sollen im ersten Monat des offiziellen Joost-Starts abrufbar sein. Die Werbung auf Joost wird von Coca-Cola, Nike, General Motors und dergleichen übernommen, wodurch man mit „aushaltbaren“ Werbespots rechnen kann.

Herausragend an Joost sind die Qualität des Gebotenen und die Präsentation. Die Joost-Software (eine Screenshot-Serie gibt es in der Infobox) gibt keinerlei Rätsel auf, läuft flüssig und schnell. Die Videos sind im Vollbildmodus (in unserem Fall auf einem 17-Zoll-Notebook) noch angenehm gehaltvoll – der Ton passt sowieso. 

Joost verwendet zur Übertragung der Inhalte, die im Videoformat H.264 (wer’s genau wissen will: H.264 ist ein Mpeg-4-Derivat, das ein Drittel des Speicherplatzes von vergleichbaren Mpeg-2-Videos braucht) gestreamt werden, eine Kombination aus verschiedenen Technologien: Einerseits werden die Inhalte von Servern geholt, zum Streaming wird aber auch Peer-to-Peer-Technologie eingesetzt, sprich die Computer der Joost-User werden als Server benutzt.

Neben der Funktion als TV-Gerät, in dessen Pool an Sendungen und Filmen immer etwas zu finden sein wird, ist Joost auch eine Socialising-Plattform. Neben einer RSS-Funktion als Kontakt zur Welt außerhalb des Immer-da-Fernsehens, stehen Instant Messenger, Blog-Funktion, sprich das volle Programm an Web 2.0 zur Verfügung. Nur eines wird’s nicht geben: Dass User ihre eigenen Videos online stellen. Aber dafür ist doch auch YouTube da - eigentlich…


Christoph Andert

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