Di, 17. Juli 2018

Insel der Schönheit

16.07.2017 10:05

Korsika: Alpengipfel im Mittelmeer

Sonne, Strand, Liege, Meer, an der Promenade und im nahen Hafenstädtchen Kaffee, Eis, Aperitif und mediterrane Köstlichkeiten: Für viele ist das der Inbegriff von Ferien. Vormittags eine 1000-Höhenmeter-Bergtour, danach Strandleben, dazu noch französische Lebenskunst: Auf Korsika wird diese Kombination von Urlaubsträumen Wirklichkeit!

Nach dem Frühstück gleich in die Wanderschuhe und los auf den Berg, auf guten Wegen oder auch Klettersteigen, bis zum Gipfelkreuz - gern auch auf mehr als 2000 Meter über dem Meeresspiegel -, dann ein kräftiges Bier und zünftige Hüttenplaudereien, am nächsten Tag vielleicht eine Mountainbiketour: Traumurlaub für viele andere.

Land und Leute erkunden, Ausflüge zu mittelalterlichen Zitadellen, in Bergdörfer und Hafenstädtchen, Spezialitätenpicknicks, Kellerei- und Käsereibesuche: Auch das gehört für viele zu einer Reise einfach dazu. Die Wahl des Urlaubsorts führt zu alljährlichen heftigen Familiendiskussionen. Korsika, Frankreichs "Insel der Schönheit" im Mittelmeer, macht es möglich, (fast) alle Wünsche unter einen Hut zu bringen: Schon beim Anflug, nur eine gute Stunde nach dem Start in Wien, präsentiert sich Napoleons Geburts-Eiland wie ein Stück der Alpen, das durch unsichtbare Hand ins Mittelmeer geworfen wurde.

120 Zweitausender, 1000 Kilometer Küste
120 Zweitausender auf einer Fläche, die einem Zehntel Österreichs entspricht, bieten Gipfelstürmern eine respektable Auswahl. Mehr als 1000 Kilometer Küste mit langen Sandstränden und unzähligen Buchten lassen schon vor der Landung von Badefreuden träumen.

Ob es vom Zielflughafen dann per Bus zu einer Rundreise, per Mietwagen in Häuschen, Appartement oder Hotel geht, bleibt Geschmackssache - bei Österreichern besonders beliebt ist seit mehr als 50 Jahren der "Störrische Esel", vom Vorarlberger Kurt Müller und seiner Frau Grete als Campingplatz vor den Toren Calvis begründet und mittlerweile ein einzigartiges Feriendorf in einem sieben Hektar großen Park. Sein Retro-Flair erschließt sich nicht jedem auf den ersten Blick, ein norddeutscher Mitreisender fand seinen Bungalow "keinen Vergleich mit den Malediven" - aber darum geht es hier gar nicht.

Der Luxus Einfachheit
"Unser Luxus ist die Einfachheit", erklärte Patriarch Kurt Müller - die Leitung des Dorfes hat er seinem Sohn Stefan übergeben, seine Frau Grete führt noch immer begeistert Urlauber durch Korsika und kennt die unvergleichlich duftende Pflanzenwelt der Insel wie kaum jemand anderer - sein Erfolgsrezept bei einem Gläschen Myrtenlikör. "Wir haben schon so manchen Luxusurlauber umerzogen, und mittlerweile gibt es sogar einen allgemeinen Trend zurück zu weniger Komfort." Der Erfolg gibt dem "Störrischen Esel", benannt nach einem vierbeinigen Maskottchen der "Gründerzeit", recht, das störrische Beharren auf seinem Grundrezept - viel Natur, gemeinsames Erleben, jede Menge Angebote, null Zwang, dazu ein Stückchen Zuhause fern der Heimat - hat sich gelohnt. Heute kommen Stammkunden schon in dritter Generation, auch mit Enkeln, viele zweimal jährlich.

"Hier bleibt niemand allein, der das nicht will", sagen die Tourenführer, die auch zur großen Gästefamilie gehören. Es gibt keine Fernsehgeräte in den 129 Bungalows, fünf Chalets und 18 Wohnzelten, WLAN nur beim "Dorfplatz" unter den riesigen, schattenspendenden Latriciokiefern. Dafür Spielabende, dezente Musik und Geselligkeit in der "Spelunca", informative Vorträge und Unterhaltungsabende. Frühstücks- und Abendbuffet im Terrassenrestaurant bieten immer auch korsische Spezialitäten an.

Besonders angenehm: Das Dorf ist nicht, wie Clubanlagen anderswo, weit abgeschieden gelegen, sondern nur 50 Meter vom flachen, weiten Sandstrand von Calvi. Der Markt und ein toller Supermarkt sind drei Gehminuten entfernt, über die Strandpromenade ist man in zwanzig Bummelminuten in Calvi, einer entzückenden Stadt mit Zitadelle, Quartier der Fremdenlegion, engen Gässchen voller Boutiquen und Souvenirgeschäften, einem Hafen voller Bars und Restaurants. Es lohnt sich durchaus, einmal die Halbpension sausen zu lassen und stattdessen am Meer - zum Beispiel bei "On Dine" - frische Muscheln, Langusten oder herrlichen Fisch zu genießen. Zur Nachspeise dann Brocciu, den wunderbaren Ziegenfrischkäse aus nahen Bauernhöfen, und köstliche kleine Kekse aus Kastanienmehl und Mandeln. Auch das gehört zum Luxus der Einfachheit und stärkt für Ausflüge in die Berge.

Zu schade zum Faulenzen!
So schön es im Dorf ist, Korsika ist zu schade fürs Faulenzen. Und zum Glück klein genug für Halbtagstouren, die bei aller Aktivität Zeit zum süßen Nichtstun übrig lassen! Auf den "Hausberg" Capu di Veta kann man sogar zum Sonnenaufgang gehen und zu einem späten Frühstück zurück sein. Ohne Anfahrt, einfach ein paar hundert Straßenmeter und schon geht’s, immer den alpin anmutenden Steinmännchen nach, durch die duftende Macchia, den immergrünen Buschwald, vorbei an Zistrosen, Lavendel, Rosmarin, Salbei usw. zum Gipfelkreuz in 703 Meter Höhe - vom Meeresspiegel weg ist das durchaus eine respektable Wanderung von vier bis fünf Stunden. Wer, wie wir, nach dem Frühstück losmarschiert, kann nach der Rückkehr statt Kaffee ein erfrischendes korsisches Pietra-Bier, mit Kastanienmehl verstärkt, genießen. Sehr empfehlenswert!

Mit Boot oder Bike
Beliebt sind auch Touren mit dem Leihrad - für nicht ganz Bergfeste auch mit dem E-Bike - sowie Busausflüge in Olivenhaine und Weinberge sowie Wanderungen entlang der Meeresklippen oder auf Hirtenwegen am Fangofluss - mit Bademöglichkeit. Beim Inselurlaub darf natürlich auch eine Bootstour nicht fehlen - zum Beispiel in die schneeweiße Sandbucht von Saleccia mit ihrem glasklaren, unglaublich türkisblauen Meerwasser. Vom Bootslandeplatz führt ein Pfad etwa eine Stunde lang, vorbei an grasenden Kühen, in eine noch schönere, ruhigere Bucht, noch weißer dort der Strand, noch klarer das Meer: Kein Wunder, dass der Reiseführer von Karibikflair schwärmt.

Auch hier würden wir gern ein paar Tage verbringen, doch die Qual der Wahl ist wirklich zu groß: Täglich verlocken Ausflüge verschiedenster Art, und gleich verlockend ist der Gedanke, einfach am Pool im Dorf die Seele baumeln zu lassen oder vom Liegestuhl im Schatten aus in die mächtigen Baumwipfel zu schauen ...

Der Virus Corseniensis
Nach drei Tagen sind wir eindeutig vom Virus Corseniensis erfasst. Wir müssen einfach wiederkommen, die Gipfel erstürmen, die sich diesmal nicht ausgegangen sind, mehr Bergdörfer sehen, mehr Strände, beim Brocciu-Machen zusehen, mehr radeln, mehr wandern. Und auch mehr Müßiggang pflegen, mehr aufs Meer schauen, mehr Blumen kennenlernen, mehr Myrtenlikör trinken und Bergsteiger-Geschichten lauschen ...

In der Zwischenzeit trösten wir uns mit kulinarischen Erinnerungen, die unsere Koffer auf dem Rückflug sehr schwer machten, dafür aber den Abschiedsschmerz leichter: Myrtenlikör zum Beispiel, Schafskäse, Lonzu-Schinken, Würste aus dem Fleisch halbwilder Schweine, Marmelade aus dreierlei Zitrusfrüchten. Und mit der Gewissheit, dass der nächste Urlaub bestimmt kommt - und diesmal ganz ohne ermüdende Diskussionen, ob es jetzt in die Berge oder an den Strand oder doch zum Kultur- und Kulinarikgenuss gehen soll. Das ist wahrer Luxus!

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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