18.04.2017 08:49 |

Kopfgeld ausgesetzt

Amerika jagt den "Facebook-Killer" von Cleveland

Amerika jagt Steve Stephens - den Mann, der am Osterwochenende einen 74 Jahre alten Mann getötet und ein Video von der Tat auf Facebook veröffentlicht haben soll. Die Fahnder wissen derzeit nicht, wo sich der Mann, den Fahndungsfotos mit kahlem Kopf und Vollbart zeigen, aufhalten könnte. Wohl auch deshalb wurde auf ihn inzwischen ein Kopfgeld von 50.000 US-Dollar (rund 47.000 Euro) ausgesetzt.

"Er kann in der Umgebung sein, er kann aber auch in jedem anderen Teil der USA sein", sagte der zuständige FBI-Ermittler Stephen Anthony. Sein Kollege Peter Elliott übte sich bezüglich eines Fahndungserfolgs in Zweckoptimismus: "Es wird geschehen und es wird sehr schnell geschehen", betonte er mit Blick auf eine mögliche Festnahme.

Tatsächlich tappt die Polizei jedoch noch einigermaßen im Dunkeln. Weder haben die Ermittler Angaben zum möglichen Aufenthaltsort des Flüchtigen, noch eine klare Vorstellung von dem Motiv für die Bluttat. Es scheint, als habe er sein 74 Jahre altes Opfer einfach auf der Straße nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und kaltblütig erschossen. Immerhin ist klar: Der mutmaßliche Täter scheint keine kriminelle Karriere zu haben. "Sein Register zeigt ein paar Verkehrsverstöße, sonst nichts", sagte der Polizeichef von Cleveland, Calvin Williams.

Einem Bericht der "Washington Post" zufolge haben sich in Cleveland am Ostersonntag Szenen abgespielt, wie sie sich kaum ein Krimi-Autor auszudenken vermag. Stephens fuhr rechts an den Straßenrand und forderte sein Opfer auf, den Namen "Joy Lane" auszusprechen. "Joy Lane?", sagte der alte Mann fragend. "Ja, sie ist der Grund für das, was Dir jetzt zustößt", antwortete der mutmaßliche Täter. Er fragte sein Opfer noch nach seinem Alter. Dann drückte er ab. Das Video ist inzwischen bei Facebook gelöscht worden.

"Bewaffnet und extrem gefährlich"
Das Opfer befand sich Medienberichten zufolge auf dem Heimweg von einem Osteressen mit seinen Kindern, als sich der Mord ereignete. "Was heute geschah, ist sinnlos", sagte Polizeichef Williams bereits am Sonntag. Er forderte den Mann auf, sich zu stellen. Der Verdächtige ist mit dem kürzlich gekauften weißen Ford wohl auch weiterhin unterwegs. Er sei "bewaffnet und extrem gefährlich". Die Polizei hatte kurze Zeit über Mobiltelefon Kontakt mit dem Flüchtigen. Dieser ist aber offenbar abgerissen.

Bei dem Video handelt es sich nicht wie zunächst vermutet um eine Liveübertragung der Bluttat. Die Aufnahmen seien nach der Tat hochgeladen worden, berichteten Medien unter Berufung auf einen Facebook-Sprecher. Der mutmaßliche Täter habe in einem zweiten Video behauptet, noch weitere Menschen getötet zu haben, teilte die Polizei mit. Dies blieb zunächst unbestätigt. Trotz intensiver Suche wurden bis Montag keine weiteren Opfer gefunden.

Der Verdächtige sei "wütend auf seine Freundin" gewesen und habe deshalb auf Menschen geschossen, sagte seine Mutter dem Sender CNN. Sie habe am Sonntag mit ihrem Sohn gesprochen und ihn gebeten, aufzuhören, berichtete die Frau. Sie könne nicht glauben, was passiert sei. Die Freundin des Mannes arbeitet mit der Polizei zusammen. Sie sei an einem "sicheren Ort", sagte Williams.

Tot oder lebendig
Die Polizei machte unmissverständlich deutlich, dass sie bereit sei, den Flüchtigen zu erschießen, sollte er sich nicht stellen. Diese Botschaft richtete Williams auch an Freunde und Verwandte des Mannes, der laut Medienberichten in einer Klinik für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten gearbeitet haben soll. "Wenn ihr ihm helfen wollt, dann tragt dazu bei, dass er sich stellt", betonte der Polizeichef. Das sei die einzige Möglichkeit für ihn, unversehrt zu bleiben.

Facebook hat indes eine Überprüfung des Umgangs mit Gewaltvideos angekündigt. Die Verfahren müssten verbessert werden, teilte soziale Netzwerk am Montag mit. Es müsse für Nutzer einfacher werden, gefährliche Beiträge zu melden und die anschließende Prüfung müsse schneller ablaufen. Der Vorfall in Cleveland ließ Zweifel aufkommen, wie Facebook mit den Massen an hochgeladenen Daten aus aller Welt umgeht.

Facebook-Chronologie der Schreckenstat
Erstmals veröffentlichte Facebook eine detaillierte Auflistung der Ereignisse am Sonntag. Demzufolge postete der mutmaßliche Täter drei Videos. Im ersten kündigte er an, einen Mord begehen zu wollen. Facebook zufolge wurde dies von niemandem gemeldet. Zwei Minuten später lud der Mann ein Video hoch, auf dem der Mord zu sehen ist. Gemeldet wurde dies von Facebook-Nutzern aber erst knapp zwei Stunden später. Das dritte mit dem Bekenntnis zum Mord wurde elf Minuten nach dem Mordvideo live übertragen. Dies sei kurz darauf gemeldet worden.

"Wir haben das Benutzerkonto 23 Minuten nach dem ersten Bericht über das Mordvideo und zwei Stunden nach der ersten Meldung überhaupt gelöscht. Wir wissen, dass wir da besser werden müssen", teilte Facebook mit.

 krone.at
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