Ready to(ur) Race

KTM Super Duke GT: Schön fahren statt schön saufen

Motor
29.11.2016 12:31

Eines meiner Lieblings-Naked-Bikes ist ganz sicher die KTM 1290 Super Duke R - da war die Freude groß, als die Mattighofener eine Touring-Version herausbringen wollten. Umso größer dann der Schock, als ich sie auf der EICMA 2015 zum ersten Mal gesehen habe. Diese Front! Diese herunterhängende Nase! O Gott! Doch seit ich sie gefahren habe, ist alles anders…

Man kennt ja den Ausdruck "sich jemanden schön saufen". Das ist natürlich bei Motorrädern nicht zielführend, denn mit 2 Promille sollte man sich so einem Geschoss nicht nähern (zum Fahren sind schon 0,5 zu viel). Wie gut, dass bei der KTM GT auch das Fahren an sich berauschend wirkt - und die Beurteilung des optischen Gesamteindrucks nachhaltig beeinflusst.

Solange man oben sitzt, ist die Front sowieso kein Thema, abgesehen vom im Gegensatz zur Nackten vorhandenen Windschutz, den sie bietet. Da genießt man einfach die etwas bequemere Sitzposition, die vom höheren und breiteren Lenker herrührt, und lässt sich vom extrem druckvollen 1301-ccm-V2 mitreißen. Was für ein Klang! Was für eine Power!

Traumantrieb
Im Vergleich zur R des Modelljahres 2017 ist das Euro-4-Triebwerk der GT eine Spur mehr aufs Touren ausgelegt. Im Datenblatt stehen 173 statt 177 PS, dafür wurde das Durchzugsvermögen verbessert: Maximal 144 Nm stehen bei 6750/min. zur Verfügung, bei der R sind es 141 Nm bei 7000/min. Sobald man aus dem ungemütlichen Drehzahlkeller draußen ist, geht der Spaß voll los, bereits bei 3250/min. liegen beachtliche 114 Nm an.

Wie die große Adventure-Schwester hat auch die GT ein semiaktives WP-Fahrwerk, das sich dreistufig zwischen Comfort und Sport einstellen lässt. Das hat sie der R voraus. Serienmäßig ist auch der Schaltassistent, der allerdings ohne Blipper-Funktion auskommen muss.

Der Heckrahmen wurde verlängert und bietet nicht nur mehr Platz für Sozius/Sozia, sondern auch unauffällige Halterungen für Seitenkoffer. Sind diese nicht montiert, fehlt nichts und stört nichts, sind sie angebracht, passen sie gut ins Gesamtbild. Bei der Testmaschine gab es allerdings ein Schloss-Problem an einem der beiden Koffer. Nicht das erste Mal, dass KTM in diesem Bereich Probleme hat.

Auch ohne Sozius ist man nie allein unterwegs, es ist immer eine ganze Mannschaft an Helferleins dabei; das Kurven-ABS könnte man sogar als Schutzengel bezeichnen. Ansonsten gibt es LED-Kurvenlicht, Reifendruckkontrolle, Heizgriffe, einen Tempomaten oder auch die obligaten Motormappings. Die Dämpfung ist in den drei Modi jeweils nicht fix eingestellt, sondern variiert im entsprechenden Rahmen in Echtzeit.

Man sitzt länger auf der GT, mit ihrem 23-Liter Tank kommt man einfach weiter. Einbußen bei der Handlichkeit gibt es nur minimal, das Mehrgewicht zur R hält sich in Grenzen (trocken 10 kg Differenz). 228 kg vollgetankt gehen für ein Tourenmotorrad schwer in Ordnung.

Unterm Strich
Ich ändere hiermit den KTM-Slogan ab: "Ready tour Race" passt hier einfach besser. Wenn die Optik nicht so polarisieren würde, wäre an der KTM 1290 Super Duke GT kaum etwas auszusetzen. Die Mattighofener haben die R sehr gelungen zum Reise-Rase-Tourer weiterentwickelt. Die GT ist eine hervorragende Wahl für diejenigen, die eine Super Adventure oder auch eine BMW R 1200 GS zu komfortabel und weichgespült empfinden. Streetfighten auf der Langstrecke, sozusagen. Und was das Design betrifft: Es gibt Perspektiven, aus denen die hängende Nase nicht stört. Die beste ist natürlich die Position im Sattel. Während der Fahrt. Mit einem Grinsen unterm Helm.

Warum?

  • Ein echtes Top-Spaßgerät für die Tour
  • Sehr dezente Kofferhalter

Warum nicht?

  • Die Optik ist Geschmackssache, wird aber manche abschrecken

Oder vielleicht …

… BMW S 1000 XR

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