Mehr als skeptisch sehen die Österreicher die Zukunft des Gesundheitssystems. 44 Prozent sind mit dem Status quo unzufrieden und machen sich Sorgen um lange Wartezeiten, Ärztemangel und steigende Kosten. Zweifel haben die Patienten zudem an der Reformkraft der Politik.
Durchgeführt wurde die repräsentative Befragung von 1000 Österreichern ab 16 Jahren im Mai 2026 durch „Demox Research“ im Auftrag des „Austrian Health Forum“, das vom 28. bis 30. Mai in Schladming stattfindet. Dort werden rund 400 hochrangige Experten aus Medizin, Wissenschaft und Politik diskutieren, worauf die Gesundheitsreform in Österreich hinauslaufen soll.
Die Unzufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung steigt
Noch immer geben 55 Prozent an, mit der Gesundheitsversorgung und dem System von medizinischer Versorgung in Österreich zufrieden zu sein. Doch der Anteil der Zufriedenen sinkt von Jahr zu Jahr. Als unzufrieden bezeichnen sich 44 Prozent. Beachtliche 64 Prozent sind der Meinung, dass sich die Gesundheitsversorgung verschlechtert hat.
Wartezeiten als größtes Problem
Bezogen auf die Versorgung durch Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser bemängeln 64 Prozent eine allgemeine Verschlechterung: hauptsächlich aufgrund der längeren Wartezeiten und der schwierigen Terminvergabe (38 Prozent), des Ärztemangels (32 Prozent), nur 17 Prozent bemängeln die Qualität der Behandlungen, der Diagnostik oder Kommunikation durch ärztliches Personal.
„Es gibt klare Anzeichen, dass die Bevölkerung in vielen Bereichen reformbereit ist. Die Sicherung der Versorgung bleibt Top-Thema, aber die Menschen sind offen für neue Ansätze im System“, fasst Christoph Hörhan, Gründer des Austrian Health Forum, weitere Ergebnisse der Umfrage zusammen.
42 Prozent bei Krankenhausstandorten pragmatisch
Bei der Diskussion um Krankenhausstandorte zeigen sich 42 Prozent pragmatisch: Sie würden längere Fahrzeiten ins Krankenhaus akzeptieren, wenn sie im Nachbarbezirk mit einer besseren Versorgung rechnen könnten, etwa durch eine höhere Spezialisierung in einem etwas weiter entfernten Schwerpunkt-Krankenhaus. Allerdings lehnen 51 Prozent der Befragten den Abbau eines Spitalsstandorts im eigenen Bezirk strikt ab.
Große Mehrheit rechnet mit Einschnitten im Gesundheitssystem
68 Prozent glauben nicht, dass es der Politik gelingen wird, die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. 66 Prozent glauben nicht, dass es Einsparungen im System ohne Leistungskürzungen geben kann, vielmehr erachten 82 Prozent Kürzungen bei Leistungen, höhere Selbstbehalte oder Kosten in naher Zukunft im Gesundheitswesen für wahrscheinlich.
„Die Menschen spüren die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Gesundheitsreform. Jetzt geht es darum, mit mutigen Schritten Handlungsfähigkeit zu beweisen, die Probleme offen anzusprechen und in den entscheidenden Fragen pragmatische Lösungen über Partikularinteressen zu stellen“, so Hörhan.
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