Der Witz an der ganzen Sache mit dem Zukunftsformat begann schon vor Jahren, als sich die Filmstudios und Technik-Hersteller (wieder einmal) auf keinen gemeinsamen Standard einigen konnten. Stattdessen bewegen sich jetzt zwei einander relativ ähnliche Formate auf den Markt zu, die in der Hand des Kunden am Ende doch nur eins sein werden: Scheiben. Aber eben zwei verschiedene Scheiben.
Derzeit sieht die Verteilung der wichtigsten Unterstützer der beiden Konkurrenten folgendermaßen aus: Auf der Seite der HD-DVD stehen das Software-Imperium Microsoft, der japanische Tech- und Atomkraftwerk-Gigant Toshiba, die Chip- und Hardware-Hersteller Intel und IBM, der Elektronikkonzern NEC und als Filmkonzerne unter anderen Universal Pictures und Warner Bros.
Unterstützer der Blu-ray-Disc sind der führende Laufwerks-Produzent Matsushita und die Elektronikkonzerne Pioneer, Philips, LG, Thomson, Hitachi, Sharp, HP, Dell, Apple, Samsung und Sony, wo in diesem Fall auch das Konzern-eigene Filmstudio mit an Bord ist. Bei den Filmproduzenten sind außerdem noch Disney, BuenaVista, LionsGate und wieder Warner Bros. bei Blu-ray. Die Liste der Prominenten Namen wirkt bei der Blu-ray-Disc derzeit zwar etwas länger, allerdings entscheidet auch das wirtschaftliche Kaliber über den Erfolg...
Erste Verbreitung durch Spielkonsolen
Experten und vor allem die US-Fachmedien – in Amerika sind die ersten HD-DVD-Player schon im Frühjahr auf den Markt gekommen, die ersten Blu-ray-Filme samt Player starteten im Juni – fachsimpeln beinah täglich, wer denn nun das Rennen gewinnen wird. Wenn’s überhaupt einer gewinnen wird...
Momentan liegt die Blu-Ray-Disc in den Prognosen etwas hinten weil Sony den Europa-Start der Playstation 3, die ein Blu-ray-Laufwerk an Bord haben wird, auf Frühjahr 2007 verschoben hat und damit das Weihnachtsgeschäft versäumt. Microsoft hingegen will für die Xbox 360 zum Weihnachtsgeschäft bereits ein externes HD-DVD-Laufwerk anbieten – zumindest in den Staaten und in Asien.
Ob man’s glaubt oder nicht, die neuen Spielkonsolen entscheiden in Europa maßgeblich über einen erfolgreichen Start der Formate, da die Kunden mit der Konsole gleich den Player mitkaufen und sich dadurch gewissermaßen auf ein Format festlegen. Dass man in Zukunft Player für beide Standards zu Hause hat, wird zwar eher als unwahrscheinlich betrachtet, für die härteren Film- und vor allem HD-Freaks erscheint es vorerst aber unausweichlich.
Status quo: Spärliche Auswahl an Filmen, teure Abspielgeräte
In den USA gibt es derzeit 80 Filmtitel auf HD-DVD. Bis zum Ende des Jahres sollen es doppelt so viele sein. Auf der Blu-ray-Website steht eine lange Liste von knapp 200 Filmen, doch nur bei wenigen Titeln ein Veröffentlichungsdatum. In den USA waren zum Start im Juni weniger als 30 Titel erhältlich, jetzt sind es knapp 50 – darunter befinden sich auf beiden Seiten All-Time-Loosers wie „Auf der Jagd“ oder auch „Space Cowboys“, deren Free-TV-Premieren mitunter bereits Jahre zurück liegen und die man allesamt nicht zum cineastischen Höchstgenuss zählt. Die „Herr der Ringe“-Trilogie zum Beispiel ist in beiden Formaten noch nicht erschienen und wird bislang auch in den USA nur für die HD-DVD angekündigt. Dauerbrenner „Ice Age“ wird wiederum nur als Blu-Ray-Disc angeboten.
In Europa sollen die ersten Filme auf Blu-ray-Disc schrittweise ab Herbst erhältlich sein. Die erste HD-DVD in deutscher Sprache heißt „Elephants Dream“, ist ein Animationsfilm und kam im August für 17,99 Euro in den Online-Handel. Das ist allerdings der bisher einzige Titel. Ansonsten gibt es nur die so genannten WMV-HD-DVDs, das sind herkömmliche DVDs die nur am PC abspielbares HD-Material im Windows Media Format beinhalten. Kurz: Ein Standard, der wohl nie einer werden wird.
In Europa sind auch noch keine Player erhältlich. Bei diversen Online-Sellern kann man sowohl Blu-ray- als auch HD-DVD-Geräte vorbestellen – konkrete Liefertermine sind aber auch dort noch nicht vorhanden. Herbst, heiß es bei den Herstellern lapidar. Die angekündigten Preise für die Geräte liegen durchschnittlich bei 600 bis 900 Euro, was ungefähr denen, der ersten DVD-Player entspricht und sogar ein bisschen darunter liegt. Man erwartet, dass die Preise schnell fallen – vorausgesetzt der Kunde spielt mit.
Das Weihnachtsgeschäft verspricht insgesamt eine breitere Auswahl an Abspielgeräten. Nur eines kommt (noch) nicht: Der Player, der Blu-ray und HD-DVD gemeinsam abspielt. Was man in jedem Fall aber braucht ist der richtige Fernseher (Stichworte: Flat-TV und „HD ready“-Logo) um HD-Video formatgerecht darzustellen. Am PC-Sektor ist das Geschäft wacker angelaufen: Toshiba verkauft bereits ein knapp 3.000 Euro teures Notebook mit HD-DVD-Laufwerk, Sony einen Media-Center-PC mit Blu-ray-Disc-Laufwerk für über 2.500 Euro.
Was werden die Filme kosten?
In den USA sind HD-DVDs jetzt zwischen 20 und 26 Dollar (je nach Neuigkeitswert des Films) teuer. Die Blu-ray-Sparte lockt mit Preisen von 20 bis 28 Dollar. Für den US-Markt sind das gute Zahlen, denn dort kosten auch DVDs kaum weniger. Bei uns liegen DVD-Neuerscheinungen bei einem Preisniveau von 18 bis 22 Euro. Die gute Nachricht: Man erwartet, dass sich die Preise für die neuen HD-Formate ungefähr auf diesem Niveau bewegen. Allerdings ist es fraglich, ob Blu-rays und HD-DVDs nach ein paar Monaten, so wie jetzt die DVDs, zum Schleuderpreis verhökert werden. So weit, so gut.
Ein Rohling mit allen drei Formaten drauf
Die Idee mit der Warner jetzt aufhorchen lässt, ist ein Hybrid-Modell, das noch viele Fragen offen lässt und Verwirrung stiftet. Der Multimediakonzern aus den USA, dem neben mehreren Filmstudios auch die Fernsehsender CNN, HBO und Comedy Central, sowie diverse auflagenstarke Magazintitel und der Provider AOL gehören, hat einen zweiseitigen und insgesamt dreiteiligen HD-DVD-Blu-ray-DVD-Mix-Rohling (allein das zu beschreiben, ist der Hammer!) zum Patent angemeldet.
Eine mögliche Strategie dahinter: Warner unterstützt als bisher einziges Filmstudio beide Formate, also Blu-ray und HD-DVD. Auf dem Hybrid-Rohling wäre der jeweilige Film in allen drei Ausführungen vorhanden. Einmal auf der HD-DVD-Schicht, die eben von einem HD-DVD-Player ausgelesen werden kann. Darüber befindet sich die Blu-ray-Schicht, die nur von einem Blu-ray-Disc-Player abgetastet werden kann und auf der anderen Seite, des von der Fachwelt liebevoll „Triple-Disc“ genannten Hybrid-Mediums, befindet sich die normale DVD-Version des Films, abtastbar für herkömmliche DVD-Player und PC-Laufwerke.
Obwohl bisher nur von einem „Patent“ die Rede sein kann, sieht die (vorwiegend US-amerikanische) Fachwelt in Warners Vorstoß mehrere Probleme. Erstens: Die Kosten eines solchen Mediums müssten allein vom Produktionsaufwand her über denen von HD-DVD und Blu-ray-Disc liegen. Ergo: Auch die Filme auf „Triple Disc“ werden teurer sein. Zweitens: Das Hybrid-Medium zielt eindeutig auf den „gewaltsamen“ Erhalt beider Formate hin, wovon wiederum Warner profitieren würde, da man sich als einziger Big-Player an beiden Gremien beteiligt hat. DVDs produziert man ja sowieso.
Das Gegenargument des Konzerns: Es sei kostengünstiger seine Filme auf „Triple Disc“ zu veröffentlichen, anstatt jeden Titel in drei Versionen fertigen zu müssen. Sollte der Konzern diese Idee wirklich realisieren, müssten die Kunden bei den zukünftigen Produktionen (unterm Warner-Dach entstanden Blockbuster wie „Herr der Ringe“ und die „Matrix“-Trilogie) in den sauren Apfel beißen und fürs Kaufvideo einen höheren Preis zahlen, wobei in der Regel mindestens eine Version des Films ungenutzt bliebe. Der einzige Einsatzzweck, den man der „Triple Disc“ ohne Zweifel und Nachfragen zugesteht, ist der in einer Videothek.
Harter Kampf der Markteinführung auf dem Rücken des Kunden
Das Fazit in den europäischen HD-DVD/Blu-ray-Disc-Foren lautet zunächst: Abwarten, den Trubel mitverfolgen und zwischendurch herzhaft lachen. Nach dem holprigen Start in den USA, wo beide Formate gleich viele Filme und Player in gleichEines ist sicher: Das Angebot an Filmen und Player wird bei uns um einiges größer sein, als bei den Amerikanern. Was aber auch sicher ist: Es werden nun einmal zwei Formate auf uns zurollen, denn seit ihrer Markteinführung in den Staaten hat sich nicht abgezeichnet, wer von beiden der Stärkere, Bessere, Günstigere, was auch immer ist.
Wer entscheidet nun also das Duell der beiden Zukunftsformate, die momentan auf eine langjährige Parallelexistenz hinsteuern? Es wird so oder so der Kunde sein, denn früher oder später überzuckert der Verbraucher, wer die besseren Filme bringt, wer das bessere Bild bietet, welches Format beim Beschreiben (auch das wird ein wichtiger Punkt sein) zu mehr taugt und nicht zuletzt auch, welches Format am Ende im Preis/Leistungs-Verhältnis besser dasteht. Nur wenn beide gleich gut sind, dann hamma ein Problem. So schaut’s aus!
Christoph Andert
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