02.09.2016 12:05 |

TschechSUV-Premiere

Skoda Kodiaq soll Konkurrenz zum Frühstück fressen

Ob der Name einer Braunbärart wirklich zu einem elegant gezeichneten tschechischen SUV passt, sei dahingestellt - es ist jedenfalls nur konsequent, dass der Skoda Kodiaq seine Weltpremiere in Berlin gefeiert hat, der Stadt mit dem Bären im Wappen. Fakt ist: Er ist groß und stark und bedeutet kein Honiglecken für die Konkurrenz.

Was der Kodiaq mit dem Kodiak gemein hat: Er ist der Größte seiner Art. Mit derselben Basis wie der VW Tiguan und derselben Fahrzeugklasse (Kompakt-SUV) zugehörig, überragt er den kleinen Wolfsburger Bruder mit 4,70 Meter so deutlich (um 21 Zentimeter), dass er schon fast zur Kategorie darüber gehört (der VW Touareg misst 4,80 Meter). Aber das ist normal bei Skoda, wie man etwa auch am Superb sieht. Mit dem hat der Kodiaq auch optisch viel zu tun - was kein Fehler ist.

Der Radstand ist mit knapp 2,79 Meter übrigens so lang, wie Kodiakbären groß werden. Und die Zuladung von rund 600 kg entspricht einem durchschnittlichen Männchen zusammen mit einem durchschnittlichen Weibchen. Die müssten dann allerdings das Schiebedach öffnen und dürften auch kein Gepäck dabei haben. Im echten Leben geht sich eine Familie samt Gepäck aus.

Optional kann der Kodiaq als erstes Modell von Skoda mit einer dritten Sitzbank geordert werden. Sie steckt im Kofferraumboden und lässt sich ruckzuck aufstellen. Bieten diese Notsitze gewöhnlich gerade einmal Kleinkindern Platz, so können im Kodiaq auch Erwachsene dort halbwegs vernünftig sitzen. Klein gewachsene Erwachsene. Vorausgesetzt, die beiden vorderen Sitzreihen werden ein wenig nach vorne geschoben. Und vorausgesetzt, sie sind gelenkig genug, um sich nach hinten zu zwängen.

"Der Kodiaq ist ein echter Siebensitzer", sagt Vorstandschef Bernhard Maier, "das finden Sie sonst nirgends im Segment."

Unschlagbar dürfte der tschechische Bär in den Disziplinen Kofferraum und Ladekapazität sein. Als Fünfsitzer passen hinten noch üppige 720 Liter rein. Liegt die zweite Sitzreihe flach, sind es gigantische 2.065 Liter, mehr als selbst der als Raumwunder titulierte Mercedes E-Klasse Kombi zu bieten hat.

Lumpen lässt sich Skoda auch bei der Funktionalität nicht. Die Heckklappe öffnet (gegen Aufpreis) und schließt mittels Fußschwenk. Praktisch, wenn der Einkauf nicht zuvor auf den Boden gestellt werden muss.

So sah die Studie Vision S aus, die einen Asblick auf den Skoda Kodiaq gab:

Skoda verwendet hier die neueste Generation des MIB, des Modularen Infotainment Baukastens aus dem VW-Konzern. Daher stehen auch erstmals Apps, ein WLAN-Hotspot, verschiedene Online-Dienste und sogar eine kabellose Ladeschale fürs Handy in der Aufpreisliste. Auch die Kartendarstellung als Google Earth und Google Street View ist jetzt möglich. Moderner war noch nie ein Skoda.

Breite Motorenpalette
Zum Marktstart im März 2017 wird Skoda den Kodiaq mit bekannten Aggregaten aus dem Wolfsburger Konzern ausstatten. Bei den Benzinern beginnt es mit 1,4 Litern und 125 PS. Diese Basisversion wiegt leer nur 1452 kg und es gibt sie nur mit manuellem Sechsganggetriebe und Frontantrieb.

Als zweiter Benziner kommt der 1.4 TSI mit 150 PS zum Einsatz. Er kann wahlweise mit Allrad und Doppelkupplungsgetriebe bestellt werden. Beides ist beim Top-Modell, dem 2.0 TSI mit 180 PS serienmäßig. Der Turbomotor wurde jüngst von Audi entwickelt und überzeugte auf der Vorserien-Testfahrt durch leisen Lauf und guten Durchzug schon aus niedrigen Drehzahlen. Allerdings zeigte der Bordcomputer recht sportliche 10,2 Liter Verbrauch an. Laut Entwicklungsvorstand Christian Strube soll der Realverbrauch aber zwischen acht und neun Litern liegen.

Die meisten Kunden in Europa werden eh zum Diesel greifen. Den bekannten Zweiliter-TDI gibt es mit 150 und 190 PS. Mit beiden Versionen ist der Kodiaq sehr gut bedient, gefällt durch gute Elastizität und spontane Gasannahme. Wem diese Leistung nicht reicht, der muss mindestens noch bis 2018 warten. Dann wird Skoda vermutlich den Biturbo-Diesel mit 230 PS bringen und das Modell Kodiaq RS nennen. Offiziell bestätigt Vorstand Bernhard Maier das Power-Paket noch nicht, doch weiß man vom Octavia RS, dass mehr als 20 Prozent der Kunden diese Version wählen. Das lässt hoffen.

Assistenten-Feuerwerk
Entsprechend dem elektronischen Zeitgeist kann der Kodiaq bis unters Dach mit Assistenzsystemen vollgestopft werden. "22 insgesamt", sagt der Projektleiter Gesamtfahrzeug, Jiri Dytrych. Darunter sind so Dinge wie eine 360-Grad-Kamera fürs bequeme Einparken, eine City-Notbremsfunktion, ein Aufpasser für Querverkehr beim rückwärtigen Ausparken, ein Assistent für den toten Winkel, für den Abstand zum Vordermann und eine Fußgänger-Erkennung.

Der Skoda Kodiaq im Video:

Besonders stolz aber ist Jiri Dytrych auf ein kleines Stück Plastik, das Skodas Slogan "Simply clever" einmal mehr unterstreicht: den Türkantenschutz. Sobald eine Tür geöffnet wird, klappt blitzschnell ein Kunststoffprofil heraus und legt sich passgenau um den senkrechten Falz im Bereich des Türgriffs. Die Beule am Nachbarauto bleibt damit aus. Eine höfliche Konstruktion. Etwas Ähnliches hatte Ford zwar auch schon entwickelt, Skoda meint jedoch, man hätte es cleverer gemacht - und hat Recht damit: Bei Ford klappert der Mechanismus, bei Skoda nicht.

Der Preis ist eine Kampfansage
Für Österreich wird zwar noch kein offizieller Preis genannt, hinter vorgehaltener Hand gilt aber das Versprechen, dass der Skoda Kodiaq günstiger zu haben sein wird als der VW Tiguan, also wohl 26.000 Euro und ein paar Zerquetschte kostet, wenn er Anfang des Jahres bestellt werden kann und im März 2017 am Markt eingführt wird.

Sauber Arbeit. Das große TschechSUV gefällt, ist durchdacht und kann wahrscheinlich mehr, als ihm je abverlangt wird (immerhin knapp 19 cm Bodenfreiheit). Nur um am Kodiak-Archipel in Alaska Jagd auf die dort beheimateten Braunbären zu machen (160 werden pro Jahr freigegeben), gibt es wohl Passenderes.

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