"Licht-Signatur" klingt voll futuristisch, finde ich. Erinnert mich immer an die "Warp-Signatur", an der man in Star Trek Raumschiffe bzw. deren Antrieb erkennt. Die des neuen Renault Mégane ist (entsprechende Ausstattung vorausgesetzt) eine der besonders auffälligen Sorte, vorne wie hinten. Macht richtig was her im Geschwader der Kompakten. Das gilt überhaupt auch für seinen modernen, muskulösen Auftritt.
Sogar in Unscheingrau-metallic schaut der Franzose gut aus, und das in einer Fahrzeugklasse, in der viel von optischer Langeweile die Rede ist. Gerade im Vergleich zum Vorgänger trägt der Franzose ganz schön dick auf, auch was die Maße betrifft. Flacher und breiter wirkt er jetzt, die Überhänge sind kürzer, der Radstand wuchs auf 2,67 Meter, die Gesamtlänge um sechseinhalb Zentimeter auf jetzt 4,36 Meter (zum Vergleich: der VW Golf misst 4,27 m).
Kein Space Shuttle
Erstaunlich, dass innen trotz der Länge so wenig Platz ist. Vorne kein Problem, aber auf der Rückbank geht es eng zu. Kniefreiheit Mangelware, Kopffreiheit ebenso. Wer kleine Kinder hat, kommt damit aus, sollte aber verkaufen, wenn der Nachwuchs in die Pubertät kommt. Also, das Auto. Die jungen Leute werden ja heutzutage so groß. In den Kofferraum passen klassenübliche 384 Liter, bzw. 1247, wenn man die Rücklehnen umklappt. Soweit so gut, aber es bleibt eine nicht ausgleichbare Stufe. Auch die sehr hohe und breite Ladekante ist nicht zeitgemäß.
Ganz im Gegensatz zum Navinfotainment-System meines Mégane. Es gehört mit seinem 8,7-Zoll-Touchscreen zum Top-Ausstattungsniveau namens "Bose" und spielt samt Fahrerlebnis-Optimierer "Multi-Sense" sogar mehr Stückln, als einem lieb sein muss. Display-Anmutungen für Tacho & Co, verschiedene Anzeigefarben, dazu zusammenstellbare Übersichten. Da braucht man schon eine Weile, bis man sich zurechtfindet. Außer man heißt Captain Kirk. Oder Picard. Wie ich dem Sitz beibringen kann, dass er mich nicht ungefragt massiert, war schnell herausgefunden; eine Fehlermeldung nach jedem Motorstart, weil die "SMS-Funktion nicht verfügbar" ist, hat mich da schon mehr gefuchst.
Der Trend zu Touchscreens ist wohl kaum aufzuhalten, obwohl vieles dagegen spricht. Aber sie sind nun einmal modern. Nur manchmal frage ich mich, ob sich irgendjemand, der entscheidet, welche Funktionen darüber laufen, überlegt, ob die Auswahl auch wirklich sinnvoll ist. Wie hier im Renault. Jedes Mal durchs Menü tippen zu müssen, wenn man die Gebläsestufe verstellen möchte, ist weder cool noch modern, sondern lebensgefährlich. Das gehört genauso verboten wie SMS tippen während der Fahrt.
Und wie fährt er sich?
Sagen wir: so lala. Oder: Eh okay. Das Fahrwerk wirkt straff und weich zugleich. An der Federung merkt man den Franzosen, sie ist eher weich und lässt den Mégane bei längeren Wellen nachschwingen. Die Dämpfung spricht hingegen unwirsch an, über Bodenunebenheiten poltert er relativ hart drüber. Das etwas undifferenzierte Fahrgefühl wird auch durch die rückmeldungsarme Lenkung verstärkt.
Der 110 PS starke 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel in Kombination mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ist wohl nicht die beste Wahl für den Mégane. Die Automatik weiß oft nicht so recht, wo sie hinschalten soll, und erweckt den Eindruck, als würde sie nach Kräften versuchen, die Drehmomentschwäche des Motors auszugleichen. Obwohl der sein maximales Drehmoment von 250 Nm schon bei 1750/min. erreicht. Immer wieder heult der Motor auf, weil die Automatik überraschend runterschaltet, andererseits versinkt man immer wieder im Drehmomentloch. Plakatives Beispiel: Beim Bergauf-Anfahren dauert es so lang, bis sich das Auto in Bewegung setzt, dass kurz vorher die Berganfahrhilfe die Bremse löst - und damit genau das passiert, was sie verhindern soll: Man rollt zurück. Blöd, wenn jemand knapp dahinter steht oder man gar einparken möchte.
Der Testverbrauch geht mit 5,8 l/100 km in Ordnung (auch wenn er 2,1 Liter über dem Normverbrauch liegt). Für den Sprint von 0 auf 100 km/h nimmt sich der 1236 kg schwere Testwagen 12,3 Sekunden Zeit. Sein Pendant mit manuellem Schaltgetriebe (gut 100 kg leichter) nimmt ihm dabei eine ganze Sekunde ab. Aber gut, wer gern sportlich unterwegs ist, wird eh den Mégane GT wählen: 205 PS, 7,1 Sekunden und Allradlenkung sind da die flotte Ansage. Aber das nur am Rande. Und weil wir gerade dabei sind, die weiteren verfügbaren Motorversionen: ein 1,5-Liter-Diesel mit 90 PS, eine verbrauchsreduzierte Version des Testwagenmotors (3,3 l/100 km Normverbrauch) sowie ein 130 PS starker 1,6-Liter-Diesel; außerdem zwei 1,2-Liter Benziner mit 100 und 130 PS. Impuls- oder Warp-Antrieb gibt es nicht, aber 2017 kommen die sportliche RS-Variante sowie ein Diesel-Hybrid.
Viel Ausstattung schon in der Basis
Der Einstiegspreis für den Renault Mégane liegt bei 16.990 Euro. Da ist schon richtig viel Ausstattung an Bord, von der Klimaanlage bis zum Tempomaten. Der "Bose" mit 110-PS-Diesel kommt auf 27.690 Euro, beim Testwagen wurden weitere 2500 in Extras investiert. Sinnvoll: Sitzheizung, Head-up-Display. Unsinnig: Geschwindigkeitsregeltempomat, weil der nämlich nur im Bereich zwischen 50 und 140 km/h eingesetzt werden kann. Praktisch ist hingegen, dass am Tacho der Abstand zum Vordermann in Zehntelsekunden angezeigt wird. Einen autonomen Notbremsassistenten könnte man auch bestellen, der funktioniert dann ab 30 km/h aufwärts.
Unterm Strich
Der Renault Mégane ist ein Beau, den man mögen kann. Allerdings weist er im Detail einige Schwächen auf. Aber Frankreich ist das Land der Liebe - und Perfektion ist ja soo unsexy…
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
… VW Golf, Opel Astra, Ford Focus, Kia Ceed, Hyundai i30, Mazda3, Skoda Rapid, Peugeot 308, Seat Leon, Nissan Pulsar, Honda Civic










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