Traditionsretorte

Borgward BX7: Tritt er die Tradition mit Füßen?

Motor
17.09.2015 10:47
Borgward. Eine deutsche Legende. Eine Automarke, die so innovativ und ihrer Zeit voraus war, dass sie gescheitert ist. Nicht wegen der Fahrzeuge, sondern wegen falscher Finanzplanung. Die Legende soll die Marke nun neu beflügeln - in IAA steht der Prototyp des ersten Borgward der Neuzeit. Sein Name: BX7.
(Bild: kmm)

Isabella! Holde Isabella! das Sportcoupé gehört zu den bekanntesten Borgwarden und ziert folgerichtig den Messestand auf der IAA. Die Nachfahren wissen also, wo die Marke herkommt. Und trotzdem ist nichts davon geblieben. Nun steht da ein fettes SUV, das in China gebaut werden soll, an mehrere Mitbewerber erinnert und das die Welt einfach nicht braucht.

Die TS-Version mit ihrem matten Lack und einem Heck, als könnte der Hintern aus Aerodynamikgründen ausfahren (kann er aber nicht), dazu einem ziemlich stylischen Kühlergrill, kann einem schon irgendwie gefallen. Der Standard-BX7 ist dagegen einfach nur langweilig. Die Seitenlinie mit ihren Augenbrauensicken hoch über den Radkästen und der verbindenden Kante dazwischen ist das Highlight der Karosserie.

Die Serienfertigung des Isabella-Coupés begann 1957, insgesamt wurden an die 10.000 Stück gebaut. (Bild: Stephan Schätzl)
Die Serienfertigung des Isabella-Coupés begann 1957, insgesamt wurden an die 10.000 Stück gebaut.
Unter der Haube steckt der 75 PS starke Sportmotor aus der Isabella TS. (Bild: Stephan Schätzl)
Unter der Haube steckt der 75 PS starke Sportmotor aus der Isabella TS.
Alle Varianten eingeschlossen wurden vom Borgward Isabella insgesamt über 200.000 Stück gebaut. (Bild: Stephan Schätzl)
Alle Varianten eingeschlossen wurden vom Borgward Isabella insgesamt über 200.000 Stück gebaut.
Die Standard-Isabella holte aus dem 1500er-Motor 60 PS und schaffte 135 km/h. (Bild: Lothar Spurzem)
Die Standard-Isabella holte aus dem 1500er-Motor 60 PS und schaffte 135 km/h.

Das Heck hätte auch am Nachfolger des Hyundai ix35 niemanden überrascht, allerdings haben die Koreaner das Kompakt-SUV, das jetzt Tucson heißt, (nicht nur) designtechnisch weiterentwickelt und auch die Rückansicht spannender gestaltet. Ein dicker Borgward-Schriftzug reicht nicht aus, um das Auge verweilen zu lassen.

Der Innenraum wirkt auf den ersten Blick elegant, das cremefarbene, rautenförmig bestickte Leder ist auch wirklich schön. Jedoch wirkt der Rest einfach nur billig, und zwar sowohl die Materialien als auch die Gestaltung. Und da spreche ich nicht davon, dass man Knöpfe und Schalter plötzlich in der Hand hat, wenn man sie bedient. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass es sich hier um einen Prototypen handelt, der natürlich noch nicht mit industrieller Stabilität gebaut ist und daher dem harten Messealltag nicht standhält. Andererseits spricht der Hersteller immerhin von einem "seriennahen Prototypen".

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
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(Bild: Stephan Schätzl)
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(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Sitzt man vorne noch ganz gut, fühle ich mich auf dem Rücksitz eher wie auf der Strafbank. Sie ist unangenehm hart und die Kopffreiheit ist für ein Midsize-SUV von immerhin 4,70 m Länge und fast 1,70 m Höhe erstaunlich gering. Der Kofferraum liegt hoch, ist flach und fasst 545 Liter.

Beim Bedienkonzept will Borgward alle Stückln spielen, was prinzipiell eine gute Idee ist: Nicht Touchscreen ODER Drehdrücksteller und Tasten dazu, sondern einfach beides. Gut so. Smartphone-Integration über den 12,3-Zoll-Bildschirm ist Ehrensache, man kann per Handy auch auf Fahrzeuginfos zugreifen. Angeboten werden soll auch ein Concierge-Service, wie man ihn etwa von BMW kennt.

Zwei Antriebe stehen zur Wahl: ein 224 PS starker Zweiliter-Vierzylinder-Turbo-Benziner sowie ein Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 401 PS, 650 Nm Sytemdrehmoment und einer elektrischen Reichweite von 55 km. Beim Hybriden treibt der Verbrenner über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe die Vorderachse an, ein Elektromotor die Hinterachse. Die Kapazität der Lithium-Ionen-Batterie liegt bei 13,2 kWh. Der Allradantrieb des konventionell angetriebenen Borgward BX7 verteilt die Kraft über eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, statt des DKG wird per Sechsgang-Wandler geschaltet.

Technisch gesehen ist der Borward up to date. Ein Notbremsassistent geht bis 70 km/h auch für Fußgänger in die Eisen, der Tempomat hält den Abstand und Kameras ermöglichen einen 360-Grad-Rundumblick. Spurhalteassistent, Totwinkelwarner etc. darf man schon als Standard betrachten.

Im Marketing klingt alles ganz großartig: "Beim Design verkörpern die neuen Borgward-Modelle mit ihren ästhetischen Formen die traditionellen Werte der Marke Borgward und schaffen so das moderne Selbstbewusstsein souveräner Automobile." Mein Eindruck: Hinter solchen Phrasen steckt genau - nichts. "Accessible premium" könnte zumindest bedeuten, dass Borgward leistbar sein will. Ob man jedoch ein China-Auto mit Traditionsmarkenaufschlag haben muss, ist die Frage.

Ulrich Walker, Borgward-Chef und Ex-Daimler-Manager, gibt 500.000 verkaufte Fahrzeuge pro Jahr als Ziel aus. In etwa anderthalb Jahren soll der BX7 bei uns eingeführt werden, vorläufig sollen jedes Jahr zwei neue Modelle dazukommen. Mutige Ansage. Das Geld für das " Geschäftsmodell auf robusten finanziellen und strategischen Säulen" kommt vom chinesischen Nutzfahrzeughersteller Foton. Im Land des Geldgebers hat der Name Borgward allerdings keinerlei Bedeutung, was wiederum gut zur "Strahlkraft" des gerade vorgestellten Modells passt. Aber kaum zu dem Plan, es diesmal besser zu machen.

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