Andy Burnham ist zum neuen Vorsitzenden der britischen Regierungspartei Labour ernannt worden und wird damit auch Premierminister. Der 56-jährige bisherige Bürgermeister von Manchester wurde am Freitag auf einem Sonderparteitag zum Nachfolger von Keir Starmer gewählt und soll am Montag das Amt des Premierministers übernehmen.
Starmer hatte wegen schlechter Umfragewerte und der wachsenden Konkurrenz durch die populistische Partei „Reform UK“ den Rückhalt in seiner Fraktion verloren. Traditionell wird der Parteichef der stärksten Parlamentsfraktion auch Regierungschef.
Burnham: Labour Party muss Menschen „Hoffnung geben“
Er werde eine Regierung bilden, die „den Mut hat, die großen Dinge in Ordnung zu bringen, die die Politik vernachlässigt hat“, wurde Burnham im Voraus kommunizierten Redemanuskript zitiert. Labour müsse den Menschen in ganz Großbritannien „die Hoffnung geben, dass wir dieses Land zum Besten machen werden, das es sein kann“.
Die Ernennung zum Premier erfolgt am Montag durch König Charles III., der Burnham offiziell mit der Regierungsbildung beauftragen wird. Dann werden auch die Ministerposten vergeben. Burnham wird der siebte Regierungschef binnen zehn Jahren. Sein Vorgänger Starmer war gut zwei Jahre nach seinem großen Wahlsieg mit Labour im Sommer 2024 dramatisch gescheitert.
Zurück zu den Labour-Wurzeln
Großbritannien habe in den 1980er-Jahren „eine Reihe falscher Abzweigungen genommen“, als die politische Macht zentralisiert und die wirtschaftliche Macht privatisiert worden sei, wurde Burnham zitiert. Er werde einen neuen Weg einschlagen, der ein anderer sein werde als der in den vergangenen 40 Jahren. Er werde die sozialdemokratische Partei zu ihren Wurzeln zurückführen.
Burnham verspreche, dass die Partei unter seiner Führung „unverhohlen Labour in unseren Prioritäten und in den von uns getroffenen Entscheidungen sein wird, indem wir Menschen und Orte in den Mittelpunkt von allem stellen, was wir tun“. Unter dem Kostendruck der Kriege in der Ukraine und in Nahost sowie unter dem Druck der Rechtspopulisten hatte Starmer etliche Entscheidungen getroffen, die dem eigentlich sozialen Labour-Kern widersprachen.
Mitentscheidend für das Scheitern der Starmer-Regierung war die dramatische Niederlage bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai zugunsten der rechtspopulistischen Partei Reform UK. Sie führt in Umfragen landesweit teils deutlich. Burnham soll nun für Labour die Wende herbeiführen.
Ein Premierminister für alle
Er werde dafür sorgen, dass Labour unter seiner Führung geeinter sein, sich auf praktische Lösungen statt auf interne Spaltungen konzentrieren und offener für die Zusammenarbeit mit anderen Parteien sein werde, wurde Burnham zitiert. Er werde sich verpflichten, ein Premier „für den Norden und den Süden, für Schottland, für Wales und für Nordirland sowie für jede Kleinstadt und jede Großstadt in jeder Nation und Region dieses großen Landes“ zu sein.
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