Fr, 22. März 2019
26.03.2015 09:49

Simulatorkrankheit

Virtual Reality: Virtuelle Nase gegen Übelkeit

In virtuelle Welten ein- und abzutauchen, ist nicht jedermanns Sache: Bei vielen Nutzern verursachen die künstlichen Bilder ganz realen Schwindel und Übelkeit. Doch Forscher der Purdue University im US-Staat Indiana dürften nun eine Lösung für das Problem gefunden haben: die virtuelle Nase.

Die sogenannte Simulatorkrankheit trete sehr häufig auf, so David Whittinghill, Assistenzprofessor vom Department of Computer Graphics Technology der Universität. "Unser Wahrnehmungssystem mag es nicht, wenn die Bewegungen von Körper und Sehapparat nicht synchron sind. Wenn wir Bewegungen sehen, erwarten wir, dass wir uns auch tatsächlich bewegen, und wenn wir Bewegung in unseren Augen haben, nicht aber im Gleichgewichtsorgan, dann können wir krank werden", erklärt Whittinghill.

Bisherige Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass sich Schwindel- und Übelkeitsgefühle durch einen optischen Referenzpunkt in der virtuellen Realität verringern lassen, etwa durch die Instrumententafel eines Autos oder das Cockpit eines Flugzeugs. "Sie können jedoch nicht in jeder VR-Simulation ein Cockpit haben", erläutert der Experte in einer Mitteilung der Universität das Problem.

"Nasum virtualis" soll Abhilfe schaffen
Einer von Whittingshills Studenten, Bradley Ziegler, hatte schließlich den "richtigen Riecher". Er schlug vor, das Abbild einer Nase als Ankerpunkt für das Auge in der Mitte des virtuellen Bildes zu platzieren. "Es war ein Geniestreich. Immerhin sehen wir ständig unsere eigene Nase. Auch wenn wir sie ausblenden, ist sie immer da."

Erste Versuchsergebnisse mit der "nasum virtualis" getauften virtuellen Nase stimmen positiv. "Überraschenderweise bemerkten Probanden die 'nasum virtualis' beim Spielen nicht und konnten es im Nachhinein, als wir sie darauf hinwiesen, gar nicht glauben, dass sie tatsächlich da war."

Probanden hielten länger durch
Viel wichtiger aber: War die virtuelle Nase im Bild, konnten die Probanden sich signifikant länger in der virtuellen Realität aufhalten, bevor ihnen übel wurde. "Unsere Vermutung ist, dass der Körper daran gewöhnt ist, dieses stabile Objekt (die Nase, Anm.) auszublenden, aber unser Sinnessystem weiß, dass es noch immer da ist", so Whittinghill.

Langfristig wollen der Assistenzprofessor und sein Team nun ein zuverlässiges Modell zur Vorhersage der Simulatorkrankheit entwickeln, das es ermöglicht, abhängig von der jeweiligen Wahrnehmung vorherzusagen, welche "Nebenwirkungen" zu erwarten sind.

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