Strategie entwickelt

Wie „Big Data“ künftig das weite Land erobern soll

Niederösterreich
17.04.2026 10:00

Rechenzentren sind das Fundament, auf dem die digitale Zukunft aufbaut. Niederösterreich ist das erste Bundesland, das klare Regeln für den Bau solcher Server-Farmen festlegt. Die Betreiber derartiger Anlagen haben damit aber wenig Freude und üben Kritik.

Es handelt sich meist um schmucklose Hallen, in denen jedoch die Nervenstränge der modernen Welt zusammenlaufen – Rechenzentren sind für Wirtschaft, Medizin, Forschung und Unterhaltung heutzutage unerlässlich. Von ihnen aus durchdringen die Daten-Highways den beruflichen und privaten Alltag.

Wildwuchs wäre fatal
Allerdings: Aufgrund enormen Energie- und Flächenbedarfs kann ein Wildwuchs solcher Einrichtungen fatale Folgen haben. Und die Betreiber haben bereits ein Auge auf Niederösterreich geworfen. „Es gibt mehr als 100 Anfragen für den Bau von Rechenzentren“, bestätigen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ÖVP-Klubobmann Kurt Hackl. Es geht dabei um Projekte im Ausmaß von 50 Fußballfeldern und mit einem Strombedarf von 3400 Megawatt. „Das ist der doppelt soviel, wie in ganz Niederösterreich verbraucht wird“, so Mikl-Leitner.

Präsentierten die Rechenzentren-Strategie: Landeshauptfrau Mikl-Leitner mit Landesvize Pernkopf ...
Präsentierten die Rechenzentren-Strategie: Landeshauptfrau Mikl-Leitner mit Landesvize Pernkopf (re.) und Klubobmann Hackl.(Bild: NLK Pfeiffer)

Klare Standort-Vorgaben
Klare Regeln sollen daher den Bau solcher Anlagen in geordnete Bahnen lenken. Niederösterreich legt als erstes Bundesland eine Rechenzentren-Strategie vor. Maßgeblich ist die Raumordnung. Für Server-Farmen bis zu einem halben Hektar Größe reicht eine Betriebsgebiet-Widmung, bis zu drei Hektar ist eine Sonderwidmung nötig. „Und für größere Rechenzentren bedarf es einer Standortverordnung der Landesregierung“, erklärt Landesvize Stephan Pernkopf. Damit soll sichergestellt werden, dass an den Standorten ausreichend Strom- und Netzkapazitäten gesichert sind. Zudem müssen für die Zentren bevorzugt brachliegende Industrieflächen genutzt werden. Und die Abwärme ist zudem in bestehende Fernwärmenetze zu integrieren.

Betreiber üben Kritik
Was die Landespolitiker als großen Wurf feiern, kommt bei den Betreibern von Server-Farmen eher nicht so gut an. „Rechenzentren sind Teil der kritischen Infrastruktur, Regulierung dar den dringend notwendigen Ausbau nicht erschweren und verhindern“, reagiert die Austrian Datascenter Association (ADCA) kritisch auf die niederösterreichische Rechenzentren--Strategie. Zwar sei es erfreulich, dass Niederösterreich die Bedeutung von Rechenzentren und den wachsenden Bedarf an solchen Einrichtungen erkannt habe. „Aber der vorliegende Entwurf reflektiert nur zu einem geringen Teil, dass Rechenzentren den Wirtschaftsstandort weiterentwickeln und die Wertschöpfung stärken“, ist ADCA-Präsident Martin Madlo enttäuscht.

„Verfahren werden komplizierter“
Konkret stoßen sich die Betreiber an den zusätzlichen Widmungserfordernissen und nötigen Sondergenehmigungen: „Das macht die Verfahren komplizierter“, sagt Madlo. Zudem seien die in der Landesstrategie gezogenen Grenzwerte von 0,5 und drei Hektar „nicht sachgerecht“. Denn professionelle Rechenzentren würden damit automatisch in jene Kategorie fallen, für die Sondergenehmigungen nötig werden: „Das erschwert zudem die Weiterentwicklung bestehender Standorte.“ 

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