Ein manipuliertes KI-Werkzeug und ein fingiertes Vorstellungsgespräch haben Hackern nach ersten Erkenntnissen der Krypto-Handelsplattform Binance die Tür zum Milliarden-Raub geöffnet. Der Cyberangriff, bei dem die Hacker in der vergangenen Woche 6,3 Milliarden Dollar (5,62 Milliarden Euro) in Kryptowährungen von den IT-Systemen von Binance abgezogen hatten, habe schon im Juni begonnen, erklärte das Unternehmen in einer ersten Analyse der Ereignisse.
Ein Mitarbeiter aus dem Entwicklerteam für die digitale Gelbörse (Wallet) von Binance habe im Juni ein KI-Werkzeug heruntergeladen, erklärte die Kryptobörse. Binance habe das zwar erkannt und die Passwörter geändert, doch die Hacker hätten die Identität des Mitarbeiters und mehrerer seiner Kollegen dadurch aufgedeckt.
Im September habe ein zweiter Softwareentwickler auf der Suche nach einem neuen Job „schädliche Code-Datenbanken“ auf seinen Computer geladen, als er ein virtuelles Vorstellungsgespräch mit dem Vorstandschef eines fiktiven Unternehmens geführt habe.
Am 20. Oktober hätten die Hacker über seinen Computer und ein KI-Werkzeug die Kontrolle über das IT-System des Wallet-Entwicklers und eines seiner Kollegen übernommen, hieß es in dem Untersuchungsbericht. Neun Tage später nutzten sie den Computer des letzteren und gestohlene Passwörter des ersteren, um ein schädliches Skript zu platzieren, das die Attacke ausführte. „Das hätte nicht passieren dürfen, und wir entschuldigen uns für die Sorgen, Störungen und Verunsicherung, die das bei unseren Nutzern, Partnern und in der ganzen Branche ausgelöst hat, erklärte Binance.
FBI vermutet Nordkorea hinter Angriff
Nach dem Cyberangriff hatten Anleger in Scharen Binance den Rücken gekehrt. Dem Unternehmen zufolge hatten Kunden zunächst 4,6 Milliarden Dollar abgezogen, inzwischen sei aber rund eine Milliarde Dollar wieder zurückgeflossen. Experten zufolge könnten institutionelle Investoren am Kryptomarkt zögernder agieren und den erhofften Kapitalzufluss in den Markt bremsen. Die US-Bundespolizei FBI und private Analysefirmen haben staatlich gelenkte Hacker aus Nordkorea für den Angriff verantwortlich gemacht.
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