Lautes Telefonieren, Jause in der U-Bahn, Hund ohne Maulkorb: Die Wiener Linien greifen durch. Im Frühjahr wurde vor allem ermahnt, gestraft nur in ganz wenigen Fällen. Wer sich trotz aller Appelle nicht an die Regeln hält, wird jetzt zur Kasse gebeten. Wir haben den Strafenkatalog.
„Ich möchte nicht mithören, wie die Lebensgeschichte lautet oder welches Rezept heute gekocht wird.“ So klingt der Frust in den Öffis. Bei einer Umfrage der Wiener Linien erzählten Fahrgäste von ihren Erfahrungen. Auch an der Tür wird es eng: „Leute lassen einen oft nicht aussteigen. Sie schauen so oft aufs Handy, sie merken es gar nicht.“
Jetzt ist Schluss mit Nachsicht. Unter dem Motto „Host no immer kan Genierer?!“ starten die Wiener Linien Runde zwei ihrer Rücksichtskampagne. Die Ansage ist ein Reim: „Bist für andere a Qual, dann zahl!“ Im Visier: Essen in der U-Bahn, Telefonieren mit Lautsprecher, Hunde ohne Maulkorb und E-Scooter in der Stoßzeit.
Wir möchten eine ganz klare Botschaft aussenden: Die Regeln gelten für alle ohne Ausnahme, und wer sich nicht dran hält, muss mit Konsequenzen rechnen.
Ulli Sima, Öffi-Stadträtin (SPÖ)
Nach dem Wiener Schmäh kommt jetzt die Rechnung
„Wir schalten jetzt auch die Strafen auf scharf“, sagt Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). „Wer es bis jetzt trotz aller Appelle, trotz aller Maßnahmen noch nicht verstanden hat, dass man in den Öffis aufeinander Rücksicht nimmt, muss jetzt einfach auch mit finanziellen Konsequenzen rechnen.“
Neu sind die 50 Euro nicht. Doch im Frühjahr wurde vor allem ermahnt. Bisher sei die Strafe „nur in ganz wenigen Fällen“ verhängt worden, so Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. Angesprochen wird weiterhin zuerst. Aber: „Wenn man ein renitentes Verhalten erlebt, dann wird jetzt wirklich konsequent eine Strafe ausgestellt.“ Abkassieren dürfen Sicherheitsdienst und Kontrolleure, das Servicepersonal weist nur auf die Regeln hin. Reinagl: „Wenn man kein Mittel in der Hand hat, dann wird man auch nicht ernst genommen.“ Das ist nun anders.
50 Euro kostet jeder Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen: etwa Essen in der U-Bahn, Lärmen und Musizieren – laute Telefonate inklusive -, Rauchen, Alkohol oder Betteln. Ebenso teuer: Hunde ohne Maulkorb und Leine sowie E-Scooter zur Stoßzeit. In der U-Bahn sind sie Montag bis Freitag nur von 9 bis 15 Uhr und ab 18.30 Uhr erlaubt. Wer mutwillig verschmutzt, muss für die Reinigung aufkommen – das kann wesentlich teurer werden. Schwarzfahrer zahlen 135 Euro, ab Jänner sind es dann 140 Euro.
Rund ein Drittel weniger Beanstandungen seit März
Mit der ersten Info-Welle zeigt sich die Öffi-Spitze Wiens zufrieden. Im März zählten die Wiener Linien noch rund 12.000 Beanstandungen, im September 8898, im Oktober nur noch 8283 – ein Minus von 31 Prozent. Am häufigsten beanstandet: Hunde ohne Maulkorb, gefolgt von Lärm und Essen. „Ich merke, es ist deutlich ruhiger geworden“, so Reinagl.
Wenn der ganze Zug zuschaut, wird es peinlich
Viele Ertappte lenken sofort ein. „Das ist den meisten recht unangenehm, es ist ja doch ein bisschen Public Shaming“, erzählt Sima, die selbst schon Fahrgäste angesprochen hat. Vorbild für die neue Kampagne ist das Gackerl-Sackerl. Auch dabei musste Wien einen langen Weg gehen. Heute passen die Leute selbst besser auf und schauen auch bei anderen genauer hin. „Da gibt es dann auch ein größeres Unrechtsbewusstsein“, so Sima.
Und Wiederholungstäter? „Na, das haben wir uns noch gar nicht überlegt“, räumt Reinagl ein. Die Gebühr bleibt fix. Wie oft schlussendlich jemand zur Kasse gebeten wird, entscheidet dessen Unbelehrbarkeit.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.