Geschäftsklima-Index

Vorarlberger Industrie: Frust wird immer größer

Vorarlberg
04.11.2026 15:25
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Auch im dritten Quartal 2026 zeigt der Geschäftsklima-Index der Vorarlberger Industrie ein deprimierendes Bild: Mit plus 0,1 Punkten verzeichnet der Index einen Rückgang gegenüber dem Vorquartal (plus 2,4) und bleibt nur hauchdünn im Plus. Damit setzt er die träge Seitwärtsbewegung fort, die bereits seit vier Jahren andauert. Eine Erholung ist nicht in Sicht.

Simon Kampl ist seit mehr als zwei Jahren Geschäftsführer der Vorarlberger Industriellenvereinigung, viele Frohbotschaften hatte er in dieser Zeit nicht zu verkünden. Auch der aktuelle Geschäftsklima-Index fügt sich ins düstere Bild: „Und wieder geht es mit der Stimmung in unseren Betrieben nach unten“, fasst er die Ergebnisse zusammen. Kampl bemüht sich gar nicht erst um Schönfärberei: „Eine anhaltende Krise ohne Perspektive auf einen Aufschwung, ein immer teurerer Standort und weiterhin viel zu viel Bürokratie: Das bringt immer mehr Unternehmen dazu, außerhalb Vorarlbergs zu investieren – und intensiv zu überlegen, wo sie in Zukunft produzieren wollen.“

Simon Kampl, Geschäftsführer der Vorarlberger Industriellenvereinigung
Simon Kampl, Geschäftsführer der Vorarlberger Industriellenvereinigung(Bild: IV)

Nur jeder sechste Betrieb ist mit Geschäftslage zufrieden
An der aktuellen Umfrage für das 3. Quartal 2026 haben 28 Vorarlberger Industrieunternehmen mit zusammen über 21.000 Beschäftigten teilgenommen. Nur jeder sechste Betrieb beurteilt seine derzeitige Geschäftslage als gut, mehr als acht von zehn (84 Prozent) Unternehmen bezeichnen sie als schlecht oder maximal durchschnittlich. Besonders bedenklich ist die Situation bei den Auslandsaufträgen – 40 Prozent bezeichnen diese als schlecht. Auch bezüglich der Ertragslage stehen die Betriebe weiterhin unter Druck: 91 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Margen als schlecht oder maximal durchschnittlich, nur 9 Prozent als gut. Den Auftragsbestand erachten 69 Prozent als durchschnittlich, 17 Prozent als gut und 14 Prozent als schlecht.

Keine Hoffnung auf rasche Besserung
Immerhin ein kleiner Lichtstreif ist am Horizont auszumachen, die Erwartungen für die kommenden Monate sind etwas weniger düster als noch im Sommer. Von Zuversicht kann aber keine Rede sein: Befragt zur Produktionstätigkeit und Auslastung der Kapazitäten in drei Monaten rechnen nur 18 Prozent der Betriebe mit einem Plus, fast drei Viertel (73 Prozent) gehen von einem gleichbleibenden Niveau aus. Für die kommenden sechs Monate erwarten 91 Prozent der Unternehmen keine Verbesserung ihrer Geschäftslage, bei der Ertragssituation sind es 89 Prozent.

Negative Folgen für den Arbeitsmarkt
Die schwache Konjunktur hat auch Folgen für den Arbeitsmarkt, wenngleich Massenentlassungen derzeit (noch) nicht zu befürchten sind: 85 Prozent der Unternehmen wollen die Zahl ihrer Beschäftigten halten, 15 Prozent rechnen damit, dass die Mitarbeiterzahl in den kommenden drei Monaten abnehmen wird – kein einziges Unternehmen geht von zusätzlichen Einstellungen aus. „Unsere exportorientierte Industrie hält sich besser, als es die Rahmenbedingungen erwarten lassen. Aber man darf nicht ausblenden, wie sehr die Weltwirtschaft und die immer härteren Bedingungen in Österreich und auf unseren Exportmärkten die Betriebe belasten“, sagt Kampl.

Ende Oktober waren beim AMS Vorarlberg 12.009 Personen arbeitslos gemeldet – das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Arbeitslosigkeit in Vorarlberg dreimal so stark wie im Österreich-Schnitt (+1,3 Prozent), die Arbeitslosenquote liegt bei 6,6 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen um 8,7 Prozent zurückgegangen. „Ein nüchterner Blick auf diese Zahlen zeigt, dass auch die Beschäftigungslage in der Industrie inzwischen mehr als herausfordernd ist“, so Kampl.

Zitat Icon

Man darf nicht ausblenden, wie sehr die Weltwirtschaft und die immer härteren Bedingungen in Österreich und auf unseren Exportmärkten die Betriebe belasten.

Simon Kampl

Der Frust ist groß
Bei den Vorarlberger Betrieben ist der Frust groß, wie die Rückmeldungen auf die Befragung zeigen. So wird etwa die neue EU-Verpackungsverordnung als „unfertiges und planloses Bürokratiemonster“ erlebt, das der Wirtschaft schade. Zudem drücken Zölle, Krisen und steigende Kosten auf die Stimmung. Wachstum sei, wenn überhaupt, nur mehr in Märkten außerhalb Europas möglich. Immer mehr zum Standortrisiko werden die hohen Energiepreise: Der europäische Gaspreis (TTF) ist Ende Oktober auf über 100 Euro je Megawattstunde gestiegen – das ist der höchste Wert seit Ende 2022 und mehr als dreimal so viel wie zu Jahresbeginn. Beim Strom liegt der österreichische Strompreisindex der Energieagentur für Lieferungen derzeit bei rund 229 Euro je Megawattstunde, also um 91 Prozent über dem Vorjahr.

„Kunden vergleichen Preise, nicht Ausreden“
„Die Industrie ist aus der letzten Energiekrise nie richtig herausgekommen – und jetzt ziehen Strom- und Gaspreise wieder massiv an. Wer Gas für Prozesswärme benötigt oder viel Strom in der Produktion verbraucht, kann das nicht einfach weitergeben. Unsere Kunden sitzen in Deutschland, in der Schweiz und in den USA – die vergleichen Preise, nicht Ausreden“, sieht Kampl dringenden Handlungsbedarf. Dass nach derzeitigem Stand die befristete Senkung der Elektrizitätsabgabe für Unternehmen – 0,82 statt 1,5 Cent je Kilowattstunde – mit Jahresende auslaufen könnte, ist für ihn ein Treppenwitz: „Ausgerechnet jetzt, wo Strom und Gas wieder teurer werden, soll die Entlastung bei der Elektrizitätsabgabe auslaufen. Das wäre das falsche Signal zur falschen Zeit. Die Bundesregierung muss die Senkung über 2026 hinaus verlängern, und zwar jetzt, damit die Betriebe planen können.“

Lange Forderungsliste an die Politik
Generell ist Kampl mit der Performance der Politik höchst unzufrieden: „Unsere Betriebe brauchen endlich eine Standortpolitik mit Mut zu Reformen statt Stillstand. Wir dürfen uns nicht einbilden, dass sich die Lage bereits deutlich verbessert hätte – die Industrie verliert in ganz Österreich weiterhin Arbeitsplätze, und ohne tiefgreifende Reformen wird sich daran nichts ändern. Wir brauchen auf Bundesebene endlich eine echte Industriestrategie, die den Standort stärkt, Investitionen erleichtert und Innovationen beschleunigt, und ein radikales Entbürokratisierungspaket, das Unternehmen wieder atmen lässt.“

Dass das Land Vorarlberg eine neue Kompetenzstelle für Verwaltungsvereinfachung geschaffen hat, begrüßt der IV-Geschäftsführer, allerdings müssten die Betriebe das jetzt auch zu spüren bekommen – und zwar in Form schnellerer Verfahren und geringerer Auflagen. „Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit Vorarlbergs sichern wollen, braucht es Mut zur Umsetzung – nicht nur Ankündigungen!“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

3° / 6°
Symbol wolkig
2° / 9°
Symbol heiter
6° / 10°
Symbol wolkig
4° / 10°
Symbol wolkig

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung