Flop um Waffenruhe

Spott aus Russland: „Geht Trump nur um Ölpreis“

Außenpolitik
11.10.2026 22:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Waffenruhe im Ukraine-Krieg? US-Präsident Donald Trump hat eine sofortige Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine verkündet. Nachdem sogar Wolodymyr Selenskyj sich darüber überrascht gezeigt hatte, kommen nun auch Zweifel aus Russland. Ein Abgeordneter der Staatsduma vermutet, Trump wolle mit seiner Ankündigung vor allem verhindern, dass die Ölpreise weiter steigen. Währenddessen meldet die Ukraine weitere russische Angriffe auf ihre Energieversorgung.

„Wir wissen alle, dass Trump oft Dinge sagt, damit die Ölpreise nicht steigen“, sagte Igor Ananskich, stellvertretender Vorsitzender des Energieausschusses der russischen Staatsduma, dem russischen Medium „Ostorozhno Novosti“. Er habe keine Informationen über eine Energie-Waffenruhe und wisse nicht, inwieweit Trumps Aussage der Realität entspreche, erklärte der Abgeordnete laut dem ukrainischen Nachrichtenportal „Kyiv Independent“.

Ob es derlei Absprachen also tatsächlich gegeben hat, ist nach wie vor unklar – eine offizielle Bestätigung oder ein offizielles Dementi aus Russland gab es am Sonntag nicht.

Selenskyj wusste nichts von der Einigung
Trump hatte am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, dass mit sofortiger Wirkung eine Energie-Waffenruhe im Krieg zwischen Russland und der Ukraine gelte. „Beide Seiten haben zugestimmt. Brecht sie nicht!“, forderte der US-Präsident. Konkrete Details zu Beginn und Umfang der Vereinbarung nannte er nicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte daraufhin, von der angeblichen Einigung nichts gewusst zu haben. Zugleich stellte er klar, dass Kiew einer Waffenruhe zustimmen würde, wenn Russland ebenfalls mitziehe. „Wenn Präsident Trump das mit Putin ausgehandelt hat – bitte teilen Sie uns mit, wann die Waffenruhe beginnt. Wir sind bereit und werden sie akzeptieren“, sagte Selenskyj dem US-Medium „Axios“.

Angriffe auf Energieanlagen gehen weiter
Zusätzliche Zweifel an der Umsetzung der Waffenruhe wecken Berichte über weitere russische Angriffe. Selenskyj erklärte, Russland habe am Sonntag erneut die ukrainische Energieinfrastruktur angegriffen. In Charkiw sei das Wärmekraftwerk Nummer 5 getroffen worden. Das ukrainische Präsidialamt bestätigte, dass der Angriff tatsächlich nach Trumps Ankündigung erfolgt sei.

Auch in Kiew geriet die Energieversorgung erneut unter Druck. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Schäden an einer Hochspannungsleitung und erklärte, Einsatzkräfte seien bereits vor Ort. In Teilen der Hauptstadt war zudem die Wasserversorgung unterbrochen.

Trump steht wegen Spritpreisen unter Druck
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Trump wegen der hohen Treibstoffpreise in den USA unter Druck steht. Diese sind im Zuge des Kriegs der USA gegen den Iran stark gestiegen. Vor den Zwischenwahlen im November ist die Preisentwicklung auch politisch heikel.

Parallel dazu hatte Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Vereinbarung über zusätzliche Diesel-Exporte getroffen. Russland lockerte sein bisheriges Exportverbot teilweise. Dadurch sollen zunächst mehr als 300.000 Tonnen Diesel auf den Weltmarkt gelangen. Für November stellte Trump weitere Liefermengen in Aussicht.

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